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03.02.08
Hölle, Leid und Frauenlist
Zum Programm der 31. Karlsruher Händel-Festspiele
Eine wahrhafte Heldenoper steht diesmal auf dem Programm der Händel-Festspiele: „Giulio Cesare in Egitto“ gehört nicht nur heutzutage zu den bekanntesten Bühnenwerken des barocken Meisters – sie war auch zu Lebzeiten dessen erfolgreichstes. Erstaunlich viel Zeit ließ sich der Vielschreiber Händel für diese Oper; im Sommer des Jahres 1723 machte er sich an die Arbeit, im Februar 1724 hatte das Werk Premiere. Händel schuf eine exotische Klangpracht, die noch weitaus farbiger und abwechslungsreicher ist als das, was er bis dahin geschrieben hatte. Allein in der Arie der Cleopatra (“V` adoro pupille“), die Cäsar mit Raffinesse um den Finger wickelt, kommt ein Doppelorchester zum Einsatz, davon unter anderem ein Bühnenensensemble mit Streichern, Oboe, Harfe und konzertierender Gambe: eine Szene von unglaublicher Sinnlichkeit. Die musikalische Leitung hat Michael Hofstetter, und die Regie liegt in den Händen von Peer Boysen: Im vergangenen Jahr inszenierte er bereits das Oratorium „La Resurrezione“ (Foto: Jacqueline Krause-Burberg); dieses emotionsgeladene Werk um das Thema der Auferstehung Christi wird im Rahmen der diesjährigen Festspiele wieder aufgenommen.
Originelles verspricht auch die Gegenüberstellung von Händels Kantate „La Lucrezia (O Numi eterni)“ und der gekürzten Fassung der Débussy-Oper „Pelléas et Mélisande“: Zwei Frauenschicksale, die einige Ähnlichkeiten aufweisen. Lucrezia wird vom römischen Prinzen Tarquinius vergewaltigt, begeht anschließend Selbstmord aus lauter Schmach, und somit wird sie zum Inbegriff weiblicher Tugend. Mélisande hingegen fühlt sich zum Halbbruder ihres Gatten hingezogen, die Umstände ihrer Liebe bleiben allerdings im Dunkeln. Es ist jedoch eine verbotene Liebe, und am Ende führt die Geburt ihres Kindes zum Tod – während Mélisande beteuert, keinen Ehebruch begangen haben.Studierende der Musikhochschule bringen „Impressions de Mélisande“ in einer Kooperation mit dem Badischen Staatstheater auf die Bühne; Andrea Raabe führt Regie, und Alicia Mounk hat die musikalische Leitung.
Zu den Schwerpunkten der Karlsruher Händelfestspiele gehören traditionell auch die Oratorien – diesmal steht „Susanna“ auf dem Programm, ein weiteres Frauenschicksal um das Thema "Tugend": Susanna wird fälschlicherweise des Ehebruchs angeklagt, und erst das spannende Verhör innerhalb einer Gerichtsszene beweist ihre Unschuld. Händels Musik, die neben pastoralen Szenen auch einige komische Buffo-Stücke aufweist, wird interpretiert von Christian Curnyn, den die Londoner Times als „unseren besten jungen Händelianer“ bezeichnet.
Ein ebenfalls junger Barockspezialist ist der Franzose Sébastien Rouland, langjähriger Assistent von Marc Minkowski. Er leitet in diesem Jahr das Festkonzert der Deutschen Händelsolisten.
Regelmäßig beeindrucken auch die Nachwuchs-Interpreten: Die Jugend-Barockreihe der Händel-Gesellschaft Karlsruhe geht auf eine Zusammenarbeit mit den Oberschulämtern Karlsruhe und Freiburg zurück; der Wettbewerb wird an Gymnasien mit Musikzug in Nord- und Südbaden ausgeschrieben, verstärkt nehmen aber inzwischen auch Schüler städtischer und privater Musikschulen teil.
Den Abschluss der Festspiele bildet traditionell die Händel-Akademie: Das Symposium hat in diesem Jahr „Arien aus Händels italienischer Zeit“ zum Thema.
Termine der 31. Händel-Festspiele:
17.02., 11 Uhr, Mittleres Foyer: Sonntag vor der Premiere
22.02., 19 Uhr, Opernhaus: Premiere „Giulio Cesare in Egitto“ (weitere Vorstellungen am 24., 26., und 28. 02., jeweils 19 Uhr)
23.02., 19.30 Uhr, Schauspielhaus: Kammerkonzert der Deutschen Händel-Solisten
24.02., 11 Uhr, Schauspielhaus: Preisträgerkonzert der Jugend-Barockreihe der Händel-Gesellschaft Karlsruhe
26.02., 20 Uhr, Schauspielhaus: „Impressions de Mélisande“
27.02., 20 Uhr, Opernhaus: "Susanna"
01.03., 10 Uhr bis 17 Uhr, Mittleres Foyer: Symposium der Internationalen Händel-Akademie
01.03., 19.30 Uhr, Opernhaus: „La Resurrezione“ (auch: 02.03., 19 Uhr)
02.03., 19 Uhr, Schauspielhaus: Abschlussproduktion der Opernwerkstatt und der Orchesterakademie der Internationalen Händel-Akademie
03.03., 20 Uhr, Opernhaus: Festkonzert der Deutschen Händel-Solisten
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