06.04.08
Motiviertes Ensemblespiel und anregendes Rahmenprogramm
Eindrücke von den Kammermusiktagen des Sparda-PreCollege


Seit Gründung der Musikhochschule Karlsruhe studieren hochbegabte Jugendliche in so genannten Vorklassen – aus dieser Talentschmiede gingen immerhin solch prominente Künstler wie Wolfgang Rihm und Reinhold Friedrich hervor. Inzwischen heißt diese Einrichtung „PreCollege“; seit 2006 wird sie durch die Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank gefördert, welche die jungen Talente in den Jahren davor zunächst mit Preisen und dann innerhalb des „Künstlerpodiums Schloss Gottesaue“ unterstützt hatte.
Neben der Ausbildung auf dem Haupt-Instrument stehen im Sparda-Precollege auch die Fächer Improvisation und Musiktheorie (beispielsweise Tonsatz und Gehörbildung) auf dem Stundenplan; auf Wunsch können außerdem die Fächer Klavier und Gesang belegt werden. Derzeit studieren hier 36 Schülerinnen und Schüler.


Für die jungen Nachwuchskünstler gingen nun die Projekttage „Kammermusik“ (Organisation und Betreueung: Andrea Raabe und Ulrike Meyer) zu Ende: Dozenten und Studierende trafen sich zum gemeinsamen Musizieren im Ensemble und zu einem anregenden Rahmenprogramm - auch diejenigen Schülerinnen und Schüler, die ihr Studium im kommenden Semester erst beginnen werden. Daneben boten Workshops einen Einblick in den breiten Fächerkanon, der den Schülerinnen und Schülern am PreCollege geboten wird.

Sparda PreCollege KammermusiktageThomas Renner, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank Baden-Württemberg eG, wurde im Rahmen des Abschlusskon-
zerts von Hochschul-Rektor Hartmut Höll die Ehrensenatorwürde verliehen. Renner, der selbst ein ausgesprochener Musiklieb-
haber und zudem Mitglied des Hochschulrates ist, äußerte
sich „beinahe beschämt“ über dieser Auszeichnung, „denn ich tue ja nichts weiter, als die vorhandenen Möglichkeiten zu einer guten Sache zu verbinden“. Dass die Fördergelder von insgesamt 125 000 Euro (verteilt auf die ersten fünf Jahre) im PreCollege offensichtlich gut angelegt sind, bewiesen die jungen Musiker mit einem außergewöhnlichen musikalischen Feingefühl. Wenn auch manche Läufe nicht so ganz rund gerieten oder an der Intonation bei den Streichern noch ein wenig gefeilt werden darf: Hier ist bereits hörbar, was einen Künstler ausmacht – nämlich ein Gespür für Agogik, für geschmeidige Linien, für feine Schattierungen, für musikantische Rhythmen. Das zeigten beispielsweise Stéphanie Rott, Milena Ivandic und Lisa Klotz: Unglaublich wachsam gaben sie in den Telemann-Konzerten für vier Violinen die Impulse ihres Lehrers Nachum Erlich an die einzelnen Stimmen weiter; zarte, schwebende Spannungsbögen gelangen ihnen in den langsamen Sätzen.

Kurzfristig übernahm Birke Falkenroth (Harfe; Klasse Maria Stange) den Solopart im Konzert B-Dur op. 4 von Händel: Ein Schüler hatte für das Abschlusskonzert keine Schulbefreiung erhalten.
Die junge Harfenistin machte besonders den zweiten Satz zu einem staunenswerten Hörereignis: aussagekräftig in jeder Phrase, geschmackvoll abgefangen von den drei Streicherinnen, nun ergänzt durch Björn Schwarze (Violoncello; Klasse Martin Ostertag). 
Später beeindruckte Birke Falkenroth noch einmal in Tschaikowskys „Adagio für Harfe und Streichquartett“ mit ihren zarten Klängen, die sie behutsam über die gedeckten Farben des Streicherfundaments träufelte.

Ein sicheres Gespür für lange Bögen bewies Jana Bartz (Klarinette; Klasse Wolfgang Meyer) in den Fantasiestücken op. 43 von Niels Wilhelm Gade. Aufhorchen ließ dabei ebenso ihre erst 13jährige Partnerin am Klavier: Emma Kern (Klasse Fany Solter) hielt ihren Part in durchweg geschmeidiger, souveräner Bewegung.

Und schließlich widmeten sich Levente Dobos (Horn; Klasse Will Sanders) und Tae-jun Park (Violine; Klasse Albrecht Breuninger) einer großen Aufgabe – dem Trio-Es-Dur op. 40 von Johannes Brahms.
Die jungen Musiker schienen in diesen weiten, leidenschaftlich erregten Passagen völlig aufzugehen, und Fany Solter wirkte am Klavier wie eine Mittlerin zwischen den beiden, war eine wichtige Impulsgeberin.

Im voll besetzten Velte-Saal gab es viel Anerkennung für die großartigen Leistungen.


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