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26.05.08
José Cura künftig auch als Regisseur in Karlsruhe
Der Tenor über seine Pläne gemeinsam mit dem Badischen Staatstheater
Achim Thorwald, Generalintendant am Badischen Staatstheater, begrüßte den argentinischen Tenor mit dem satt grundierten Timbre schmunzelnd als „neues Ensemblemitglied“ – und in der Tat: José Cura, der nun am Badischen Staatstheater bereits zum dritten Mal gastierte und als „Don José“ in Bizets Oper „Carmen“ eine seiner Paraderollen sang, wird sich dem Karlsruher Publikum künftig auch als Regisseur präsentieren. Fast schon heimisch fühle er sich in der Stadt, erzählt er, und augenzwinkernd gibt er seine Sprachkenntnisse zum Besten: „Kartoffelsuppe“ und „Mineralwasser mit Zitrone“ kommt ihm immerhin schon fast akzentfrei über die Lippen.
Curas künstlerische Ambitionen sind indessen ebenso facettenreich wie sei-
ne Stimme; mit dem Singen allein gibt er sich nicht zufrieden: „Für mich als Künstler ist es geradezu eine Verpflichtung, Dinge zu hinterfragen und dabei zu lernen,“ erklärt der 45jährige, der vor kurzem als Regisseur debütierte und mit seiner Produktionsfirma „Cuibar“ zudem ein Plattenlabel unterhält. „Es interessiert mich, wie die verschiedenen Disziplinen ineinander greifen und welche Zutaten nötig sind, um das ganze zu einem großen Ereignis zu machen.“
Auf die Frage, weshalb er sich ein solches Ereignis gerade in Karlsruhe vorstellen könne, antwortet er mit einem lässigen „Warum nicht?“. Schließlich verfüge man in Karlsruhe über modernste Bühnentechnik, und somit sei jedes Haus, das dem Publikum Spitzenereignisse präsentiere, ein erstklassiges Haus. Achim Thorwald hingegen fasziniert der „enorme Gestaltungswille“, den Cura bereits als Sänger in seinen Rollen zeige.
Und so schmiedet man am Badischen Staatstheater derzeit nun gewichtige Pläne, die den Künstler eben in dieser Bandbreite vorstellen sollen: In der kommenden Spielzeit, am 9. Mai 2009, wird José Cura beim Opernball unter dem Motto „Eviva España“ sowohl singen als auch dirigieren, am 31. Mai ist er in einer „Otello“-Gala zu hören – bevor er dann im Oktober 2010 schließlich auch als Regisseur tätig wird: Saint Saens` Oper „Samson und Dalila“ wird er in Szene setzen, hierfür auch das Bühnenbild entwerfen, zudem am Premierenabend und in vier weiteren Vorstellungen die männliche Hauptrolle übernehmen – derzeit eine seiner am häufigsten gesungenen Partien.
An der Regiearbeit reizt José Cura vor allem auch eine Darstellung, die ganz auf Reduktion und Intensität angelegt ist. Sein Verständnis von Musiktheater orientiert sich an der Natürlichkeit des Schauspiels (immerhin ist Cura mit einer ehemaligen Schauspielerin verheiratet) - auch um den Preis, „die Romantik in der Musik hin und wieder zu zerstören“. Seiner Meinung nach halte man in der Oper vielfach noch zu sehr an überholten Klischees fest. Er selbst, so betont er, habe er keinerlei Probleme, mit seiner Arbeit hin und wieder anzuecken – dies sei ihm lieber als bloßes Gefallen, denn dafür habe man schließlich die „Disney-Welt“. Und die perfekte Kunst gebe es ohnehin nicht – weder bei Mozart noch bei Michelangelo: „Kunst besteht aus vielen richtigen und falschen Schritten, an denen man wachsen kann.“
(erschienen am 26.05. im Badischen Tagblatt, www.badisches-tagblatt.de)
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