04.07.08
Internationaler Orgelsommer startet mit prominentem Gast
Ton Koopman eröffnet die Konzertreihe zum zehnjährigen Jubliäum


Seit bereits zehn Jahren gastieren im Juli und August europäische Meister-Organisten beim „Internationalen Orgelsommer“ in der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe. Zum Jubiläum wird die Reihe am kommenden Sonntag (6. Juli) nun von einem außerordentlich prominentem Gast eröffnet: Ton Koopman. An den vier darauf folgenden Sonntagen präsentieren sich Künstler mit unterschiedlichen und teils ungewöhnlichen Programmschwerpunkten.


Ton KoopmanDer niederländische Organist, Cembalist und Dirigent Ton Koop-
man gehört zu den profiliertesten Interpreten im Bereich der Alten Musik. Er widmet sich hauptsächlich der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, und seine Leistungen auf diesem Gebiet gelten als richtungsweisend: Von Anfang an stand für den vielseitigen Künstler
die wissenschaftlich fundierte historische Aufführungspraxis seines Schaffens. Koopman gründete 1979 das Amsterdam Baroque Orchestra, im Jahr 1992 dann den Amsterdam Baroque Choir.

Er arbeitet mit Plattenlabels wie Erato, Teldec, Sony, Philips und Deutsche Grammophon; er ist regelmäßig zu Gast bei renommier-
ten Festivals. 2004 vollendete er die Einspielung von Bachs gesamtem Kantatenwerk. Koopman arbeitet außerdem mit Klangkörpern wie dem Boston Symphony Orchestra, dem Tonhalle Orchester Zürich, dem City of Birmingham Symphony Orchestra oder dem Orchestre Philharmonique de Radio France; er ist zudem Autor vieler Fachartikel und Bücher.
Ton Koopman ist Professor für Cembalo am Königlichen Konservatorium in Den Haag, Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London und Präsident der "International Dietrich Buxtehude Society".

Bei seinem Konzert im Rahmen des Internationalen Orgelsommers spielt Ton Koopman unter anderem die Passacaglia d-moll von Buxtehude. Daneben sind Werke des französischen Barock-Komponisten Francois Le Couperin (Le Grand) zu hören; außerdem Choräle und eine Fantasie von Johann Sebastian Bach, sowie eine Sonate von dessen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach.

Das zweite Konzert des Orgelsommers (13. Juli) steht unter dem viel versprechenden Motto „Wenn Engel Tango tanzen“. Die Organistin Irmtraud Tarr, die sich ebenso als Buchautorin einen Namen gemacht hat, gilt als Interpretin mit „Sinn für Humor und außergewöhnliches Repertoire“. Gemeinsam mit dem Kontrabassisten Andreas Cincera und dem Tänzer Norbert Steinwarz nähert sie sich den Assoziationen „Raum, Zeit, Licht“; dem Mysterium der Engel spüren die drei Künstler in tänzerischen und klanglichen Interpretationen nach. Sie verleihen ihm Gestalt, indem sie ausdrücken, wie die Schwerkraft manche Dinge hinabzieht und Flügel sie wiederum nach oben heben. Die Figur des Engels dient dabei als Symbol der Überschreitung und des Ausbruchs aus der Enge.
Dabei werden die Künstler „beflügelt“ von Werken wie dem Bach-Choral „Vom Himmel kam der Engel Schar“, bei dem das Auf- und Niederschweben der Engel bei der Menschwerdung Gottes dargestellt wird. Außerdem steht unter anderem Musik des böhmischen Komponisten Bohuslav Martinu und des Argentiniers Astor Piazzolla auf dem Programm.

Zur Halbzeit der Konzertreihe (20. Juli) präsentiert sich dann der „Hausherr“: Christian-Markus Raiser, Kantor an der Evangelischen Stadtkirche, spielt unter anderem Fugen und Fantasien aus Barock und Vorklassik, dazu Werke des 20. Jahrhunderts - unter anderem auch Teile der „Messe de la Pentecôte“ von Olivier Messiaen, dessen Orgelwerk anlässlich seines 100. Geburtstages derzeit besonders im Blickfeld der Karlsruher Aufführungen steht.

Das vorletzte Konzert (27. Juli) in Zusammenarbeit mit dem Max-Reger-Institut in Karlsruhe bestreitet der gebürtige Lahrer Organist Thomas Schäfer-Winter, der zwischenzeitlich als Organist und Kantor in Kopenhagen arbeitete: Er spielt ausschließlich Werke von Reger.

Zum Abschluss des Internationalen Orgelsommers kommt am 3. August der italienische Organist Paolo Oreni nach Karlsruhe, der unter anderem an den großen Orgeln der Tonhalle Zürich und der Kirche St. Eustache in Paris studiert hat. Oreni spielt Werke von Bach, Reubke, Messiaen und Tschaikowsky; außerdem improvisiert der Künstler nach Themenwunsch.


Alle Konzerte beginnen um 21 Uhr; ab 20 Uhr geben die Künstler in einer Gesprächsrunde auf dem „Blauen Sofa“ Einblicke in ihre Interpretationen.



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