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28.11.08
Auszeichnung für elektronische und akusmatische Musik
Morgen wird am ZKM Karlsruhe der Giga-Hertz-Preis 2008 verliehen
Zum zweiten Mal wird in diesem Jahr am ZKM in Karlsruhe der Giga-Hertz-Preis für elektronische Musik vergeben. Dieser Preis ist dem Physiker Heinrich Hertz (1857–1894) gewidmet, der Ende des 19. Jahrhunderts an der Karlsruher Technischen Universität lehrte und dort die elektromagnetischen Wellen entdeckte. Dieser Preis für elektronische und akusmatische Komposition ist einzigartig in Deutschland und er wird getragen von den wichtigsten deutschen Studios für elektronische Musik: dem Freiburger EXPERIMENTALSTUDIO für akustische Kunst e.V. und dem ZKM | Institut für Musik und Akustik in Karlsruhe.
Es gibt vier Produktionspreise, die mit je 8000 Euro dotiert sind. Sie dienen der Förderung neuer Projekte und richten sich daher besonders an Nachwuchskomponisten im Bereich der elektronischen und akusmatischen Musik. Dabei werden vor allem die Arbeiten ausgezeichnet und nicht in erster Linie eine bestimmte Person.
Der Hauptpreis hingegen zeichnet das Lebenswerk und künstlerische Schaffen renommierter Komponisten aus. Er ist mit einer Geldsumme in Höhe von 15.000 € dotiert und wird nicht öffentlich ausgeschrieben. Die Kandidaten werden für den Hauptpreis von der Jury vorgeschlagen und in geheimer Abstimmung gewählt.
Bereits heute abend, 28. 11., 20 Uhr, stellen sich die Preisträger im Konzert vor. Am morgigen Samstag, den 29. 11., wird ab 19 Uhr der Giga-Hertz-Preis 2008 verliehen, um 20.30 Uhr beginnt dann das zweite Preisträgerkonzert.
Die Preisträger
Trevor Wishart (geb. 1946 in Leeds, England) lebt in Australien, Kanada, Deutschland, Holland, Schweden, in den USA und lehrt an verschiedenen Universitäten in England.Der Komponist für überwiegend elektronische Musik entwickelt die Software für seine Werke meist selbst (Sound Loom / CDP). Sein Werk wurde mit dem Euphonie d´Or beim Bourges Festival und dem Golden Nica für Computermusik der Linz Ars Electronica ausgezeichnet. Das Ausgangsmaterial für seine Werke bildet oft die eigene Stimme. Sie wurden unter anderem aufgeführt von renommierten Ensembles wie etwa Singcircle, oder Electric Phoenix. Seine ästhetischen und technischen Ideen beschreibt er in den Büchern »On Sonic Art« und »Audible Design«. Des Weiteren engagiert er sich in gesellschaftlichen und pädagogischen Umweltprojekten. Seine »Sounds Fun« Bücher mit musikalischen Spielen erschienen auch in Japan. Zuletzt komponierte er »Globalalia«, ein Auftragswerk von Folkmar Hein (Premiere in Berlin 2004) und »Memories of Madrid« – eine auf Straßenaufnahmen basierende Klanginstallation in Bushaltestellen in Madrid (Mai bis September 2005). Aktuell nimmt er im Nordosten Englands gesprochene Stimmen für ein neues Werk auf.
Natasha Barrett (geb. 1972 in Großbritannien) studierte Komposition in London. Ihr Werk umfasst Konzertkompositionen bis zu Klangkunst und große architektonische Klanginstallationen. Barrett arbeitet bei ihren akusmatischen Performances und den elektroakustischen Live-Improvisationen zusammen mit experimentellen Designern und Wissenschaftlern. Sie lebt gegenwärtig in Oslo, Norwegen.
Dai Fujikura (geb. 1977 in Osaka, Japan) kam mit 15 Jahren nach London, wo er am Trinity College of Music, dem Royal College of Music und dem King’s College London studierte. Trotz seines jungen Alters erhielt er bereits viele internationale Preise, u.a. den Huddersfield Contemporary Music Festival Young Composer’s (1998), Claudio Abbado Composition Award 2005. Zu seinen Förderern zählen bedeutende Musiker und Komponisten, wie z. B. Peter Eötvös und Pierre Boulez.
João Pedro Paiva de Oliveira (geb. 1959 in Lissabon, Portugal) studierte Komposition am Gregorian Institute of Lisbon, Architektur an der Fine Arts School of Lisbon und setzte dann seine Studien an der Stony Brook University New York fort. Er machte seinen Abschluß mit zwei Master-Titeln in Musik und mit dem Doktortitel in Komposition. Oliveira erhielt zahlreiche Preise, darunter den ersten Preis der Bourges Electroacoustic Music (Frankreich, 2007) und den ersten Preis der Musica Nova Competition (Tschechien, 2008). Er ist Senior Professor für Komposition und elektronische Musik und Direktor des elektronischen Studios an der Universität Aveiro in Portugal.
Die Jury
François Bayle:
Im Zentrum des Schaffens von François Bayle (*1932) steht die elektroakustische und akusmatische Musik. Seine anfänglich autodidaktische Ausbildung ergänzte er später durch Kompositionsstudien bei Olivier Messiaen und Karlheinz Stockhausen. Entscheidend war jedoch der Einfluss der Musique Concrète Pierre Schaeffers. Als Nachfolger Schaeffers übernahm Bayle zwischen 1966 und 1997 die Leitung der Groupe de Recherches Musicales (Ina/GRM) in Paris.
Ludger Brümmer:
Ludger Brümmer (*1958) ist Komponist und seit 2003 Leiter des Instituts für Musik und Akustik am ZKM | Karlsruhe. Seine künstlerische Arbeit ist geprägt durch die Verwendung des Computers als kompositorisches Gestaltungsmittel und zur elektronischen Klangerzeugung; oft stehen Fragen der intermedialen Verbindung von Musik, Video und Tanz im Mittelpunkt seiner Werke.
Jonathan Harvey:
Jonathan Harvey (*1939) erhielt 2007 den erstmals verliehenen Giga-Hertz-Hauptpreis in Anerkennung für sein Lebenswerk an der Schnittstelle von instrumentaler und elektronischer Musik. Harvey studierte Musik am St. John’s College in Cambridge und promovierte an den Universitäten von Glasgow und Cambridge. Seine Werke orientieren sich an der Entwicklung der Neuen Musik und reflektieren christliches, theosophisches und buddhistisches Gedankengut.
Detlef Heusinger:
Detlef Heusinger (*1956) ist Komponist, Regisseur und Dirigent. Seit 2006 leitet er das EXPERIMENTALSTUDIO für akustische Kunst e. V. in Freiburg. Heusinger studierte von 1976 bis 1980 an der Musikhochschule Bremen Komposition sowie Gitarre, Laute und Klavier, parallel dazu Germanistik und Schulmusik an der Universität Bremen.
Armin Köhler:
Armin Köhler (*1952) studierte von 1970 bis 1974 an der Hochschule für Musik »Carl Maria von Weber« in Dresden und war im Anschluss als Soloposaunist tätig. Von 1977 bis 1980 studierte er zudem Musikwissenschaft an der Universität Leipzig. Köhler war ab 1980 Lektor beim Musikverlag Edition Peters in Leipzig und Leiter der Spezialabteilung für Neue Musik in Dresden, wechselte dann 1990 als Redakteur zum Deutschen Fernsehfunk.
Peter Weibel:
Peter Weibel (*1944) studierte Literatur, Film, Mathematik, Medizin und Philosophie in Wien und Paris. Er arbeitet als Künstler, Ausstellungskurator, Kunst- und Medientheoretiker. Seit 1984 ist er Professor für visuelle Mediengestaltung an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, von 1984 bis 1989 lehrte er am Center for Media Study der State University of New York in Buffalo/New York. Für die Ars Electronica Linz zeichnete er von 1986 bis 1999 als künstlerischer Leiter verantwortlich, das von ihm gegründete Institut für Neue Medien an der Städelschule in Frankfurt/Main leitete er von 1989 bis 1994.
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