20.02.09
Barock bis in die Fingerspitzen
Heute starten am Badischen Staatstheater mit der Premiere der Oper "Radamisto" die Händel-Festspiele


Es ist wieder einmal soweit: Karlsruhe hat sich gerüstet für die 32. Händel-Festspiele. Doch zum Gedenkjahr des barocken Meisters (Händel starb vor 250 Jahren) bringt man am Badischen Staatstheater diesmal eine Rarität auf die Bühne: Eine durch und durch barocke Oper, unter der Regie der belgischen Choreografin Sigrid T´Hooft, einer international renommierten Spezialistin für barocken Tanz und barocke Gestik.

Händel, RadamistoBereits vor drei Jahren hatte T´Hooft
in Karlsruhe einen Akt der Oper „Lotario“ originalgetreu inszeniert;
nun hat man in detaillierter Feinarbeit eine ganze Oper (die Erstfassung
des "Radamisto“ war seit der Uraufführung 1720 nicht mehr zu sehen) rekonstruiert – zum Teil nach historischen Zeichnungen, die für die Uraufführung in London vorlagen.

Das bedeutete einen ungeheuren Aufwand für die Theaterwerkstätten. Drei Akte, drei Bühnenbilder, verschiebbare Kulissen für die Perspektivenwirkung, dazu Soffiten (herabhängende Stoffbahnen): Insgesamt wurden mehr als 60 Teile angefertigt. Hinzu kommen die prächtigen Kostüme, die sich an die griechischen Volkstrachten anlehnen oder dem türkisch-persischen Kulturraum nachempfunden sind - mit Metallplättchen und Applikationen, mit Stoffen aus großer Leuchtkraft: Denn das reine Kerzenlicht (15 Minuten vor der Vorstellung wird man in gemeinschaftlicher Arbeit sechs Leuchter mit insgesamt 400 Kerzen entzünden) dämpft die Farben. In puncto Sicherheit bedeutet dies: Während der Vorstellung sitzen auf jeder Seite fünf Feuerwehrleute hinter der Bühne.

Ein Tanzensemble aus Gent, das auf barocke Tänze spezialisiert ist, rundet die jeweiligen Akte ab – so war es damals üblich, das Publikum wollte durch Tanzeinlagen unterhalten werden.
Aufwändig ist nicht zuletzt auch die Einstudierung der barocken Gestik: Die Hände werden in gebrochenen Linien geführt, die Finger sind abgespreizt - so, wie man es von barocken Gemälden kennt. Diese Gesten dürfen keineswegs pathetisch wirken, sondern sie sollen den gesungenen Inhalt durch dezente Bewegungen unterstützen.


Wer nicht in den Genuss dieses Spektakels kommt (alle fünf Vorstellungen sind bereits ausverkauft), der sollte sich die Oper schon einmal für das nächste Jahr vormerken, denn 2010 ist eine Wiederaufnahme geplant.

Begleitend gibt es im Foyer des Badischen Staatstheaters eine Ausstellung über barocke Bühnentechnik; außerdem eröffnet die Badische Landesbibliothek am heutigen  Freitag, den 20. 02. die Ausstellung „Händel in Karlsruhe“.
(Foto: Jacqueline Krause-Burberg)


Hörbeitrag (MP3):
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(Musik: aus: "affetti barocchi", mit Marijana Mijanovic und dem "kammerorchesterbasel", Sony BMG)


Weitere Termine der 32. Händelfestspiele am Badischen Staatstheater Karlsruhe:


Samstag, 21. 02., 19.30 Uhr: kammerorchesterbasel, Marijana Mijanovic (Alt): „Händel & Vivaldi“

Sonntag, 22. 02., 11 Uhr: Preisträgerkonzert des Händel-Jugendwettbewerbs der Händel-Gesellschaft

Sonntag, 22. 02., 19 Uhr: Opera Swing Quartet: „Easy to Händel“ (auch: 24. 02., 20 Uhr, 26. 02., 20 Uhr)

Montag, 23. 02., 20 Uhr: „Best of British“ – Händel in London (Konzert der Deutschen Händel-Solisten, auch: Mittwoch, den 25. 02., 20 Uhr)

Freitag, den 27. 02., 20 Uhr: Kammerkonzert der Deutschen Händel-Solisten

Samstag, 28. 02., 10 bis 17 Uhr: Symposium der Internationalen Händel-Akademie (“Die Arien Händels in seiner frühen Londoner Zeit“)

Samstag, 28. 02., 17 Uhr, Musikhochschule, Velte-Saal: Abschlusskonzert der Instrumentalkurse der Händel-Akademie

Samstag, 28. 02., 20 Uhr, Schloss Ettlingen: Kammerkonzert der Badischen Staatskapelle, Diana Tomsche (Sopran)

Sonntag, 01. 03., 20 Uhr: Festkonzert der Deutschen Händel-Solisten

Donnerstag, 05. 03., 20 Uhr: Abschlusskonzert des Kammermusik-Projekts



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