19.11.09
Christopher Wheeldons "Schwanensee" in Karlsruhe
Am Samstag ist Premiere am Badischen Staatstheater/ Deutsche Erstauffühung


Eine frische, unverbrauchte Inszenierung des Ballett-Klassikers „Schwanensee“ darf das Publikum am kommenden Samstag erwarten: Der junge britische Choreograph Christopher Wheeldon, derzeit einer der Führenden seiner Zunft und für sein Schaffen bereits mehrfach ausgezeichnet, bringt am Badischen Staatstheater eine erfolgreiche Produktion auf die Bühne, die er bereits im Jahr 2004 mit dem Pennsylvania Ballet herausbrachte und die innerhalb Europas bisher nur beim Edinburgh Festival gezeigt wurde.

Die Bandbreite der zeitgenössischen „Schwanensee“- Interpretationen ist groß, sie reicht bis hin zum Etikettenschwindel - Wheeldon jedoch sucht ganz bewusst die Verbindung zwischen eigener Lesart und der ursprünglichen Choreographie von Marius Petipa und Lew Iwanow.

Schwanensee, Badisches Staatstheater (Christopher Wheeldon)Sein Kunstgriff ist das „Stück im Stück“; es geht um Tänzer, die selbst für Schwanensee proben. Die Geschichte spielt sich jedoch größtenteils in der Phantasie des Protagonisten (Prinz Siegfried) ab, und Odette, die erste Solistin, wird schließlich im Spiegel des
Ballettsaals zu ihrer eigenen Doppelgängerin: Ein veränderlicher
Raum, der wiederum Räume schafft für suggestive Wirkungen, bis Realität und Phantasie miteinander verschwimmen – ganz dem märchenhaften Stoff entsprechend. „Es ist eine Herausforderung, dies alles ohne Brü-
che miteinander zu verbinden“, resümiert Wheeldon.

Eine Ausstellung mit Gemälden von Edgar Degas hat den 36jährigen Choreographen und ehemaligen Tänzer des New York City Ballet zu diesem Konzept inspiriert, das er gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Adrianne Lobel verwirklichte.
„Diese Bilder von Degas sind sehr kommerzialisiert, man sieht sie auf Postern und in Magazinen, aber die Ausstellung hat mir noch eine andere Perspektive eröffnet“. Der Anblick des Ballettdirektors, der mit dem Stock den Takt auf den Boden klopft, dazu schwarz gekleidete Herren im Bild - das erinnerte an Kunstmäzene, die Einfluss auf die Aufführung und die Tänzer(innen) nehmen, und gleichzeitig an den Zauberer Rotbart, der seine Schwäne fest unter Kontrolle hat.
Eine weitere Inspirationsquelle für die Produktion (vor allem für das Design der Kostüme) waren die Bilder von Henri de Toulouse-Lautrec.

Als sehr angenehm empfand Wheeldon die Arbeit mit dem Karlsruher Ballett-Ensemble, das von Tamara Hadley (Ballettmeisterin des Pennsylvania Ballet) auf diese Produktion vorbereitet wurde: „Es ist erstaunlich, in einer verhältnismäßig kleinen Stadt ein solch hohes Niveau anzutreffen; die Tänzer sind ehrgeizig, sie sind hungrig.“
Unter der Leitung von Ballettchefin Birgit Keil ging das Ensemble gerade in die siebte Spielzeit und hat nun etliche Erfahrungen gesammelt, um für eine solche Herausforderung gerüstet zu sein – insbesondere gilt dies für Flavio Salamanka, der die Rolle des Prinzen Siegfried übernimmt; für Rafaelle Queiroz (Odette-Odile) ist es hingegen eine Gelegenheit, in eine große Rolle hineinzuwachsen. Denn, so erklärt Christopher Wheeldon, „es ist auch unsere Aufgabe, junge Talente zu entdecken und zu fördern“.

Birgit Keil - selbst eine namhafte Interpretin der weiblichen Hauptfigur(en) – sieht diese Rolle als „große Verantwortung und als eine Erfahrung, die auch entscheidend in die Arbeit an den anderen Rollen einfließt“. Darüber hinaus sei Wheeldons Choreographie ein ausgesprochener Kraftakt, da Odette/Odile hier mehr zu tanzen habe als in vielen anderen Inszenierungen.

Christopher Wheeldon steht für einen innovativen Geist im klassischen Ballett: 2007 gründete er seine eigene Compagnie „Morphoses“ -  mit dem Ziel, das schwindende Publikum für das Ballett zu begeistern und vor allem auch jüngere Zuschauer zu gewinnen, da diese oftmals Berührungsängste hätten.
Wheeldons Compagnie ist in New York ansässig und besteht aus einem kleinen Ensemble aus etwa 16 Tänzern, die sich projektweise zusammen finden - ähnlich der freien Orchester in der Alten-Musik-Szene. Wheeldon integriert dabei auch Künstler anderer Sparten (beispielsweise Designer, Komponisten und visuelle Künstler), um einen lebendigen, kreativen Austausch zwischen den einzelnen Kunstrichtungen zu ermöglichen.
Seine Produktionen sind regelmäßig an bedeutenden Spielorten, beispielsweise an Sadler´s Wells in London und im New York City Center, zu sehen.
(Foto: Badisches Staatstheater Karlsruhe)

Premiere: Samstag, den 21.11.09, 19.30 Uhr



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Morphoses/The Wheeldon Company

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