24.11.09
Mit einem Fest für alle Sinne auf dem Weg zum neuen Campus
Gala-Konzert mit "musikalischer Weltreise"/ anschließend Dinner von Sterneköchen


Studierende und Dozenten aus rund 50 Nationen arbeiten an der Musikhochschule Karlsruhe zusammen, und damit dieser kreative Austausch in Zukunft noch lebendiger, das Arbeiten noch effizienter wird, haben sie alle ein großes Ziel vor Augen: Den neuen Campus, der künftig alle Institute auf einem Gelände vereinigen, die Wege verkürzen und die Veranstaltungsmöglichkeiten erweitern soll.

Im April ist Spatenstich, und damit bis zur Eröffnung möglichst viel Geld in die Kasse kommt (es fehlt noch eine knappe halbe Million zur Finanzierung, und für alle nicht fest installierten Teile muss ebenfalls die Hochschule aufkommen), lud man nun zur ersten großen Benefiz-Gala: 240 Gäste kamen ins Schloss Gottesaue, darunter Eberhard Umbach (Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie), Bürgermeisterin Margret Mergen, die Karlsruher Ballettchefin Birgit Keil und das Duo Marshall & Alexander. Als Vorgeschmack auf die kulinarischen Streifzüge (beim Gala-Dinner gab´s unter anderem badische und französische Küche) verwöhnten zunächst die jungen Nachwuchskünstler und ihre Dozenten das Publikum mit pikanten Häppchen aus ihren Heimatländern.
Bei der nächsten Gala wird Weltklasse-Geigerin Anne-Sophie Mutter dann höchstpersönlich beim Spendensammeln helfen – „doch in diesem Jahr“, so Rektor Hartmut Höll, „sagen wir ganz selbstbewusst: Die Stars sind wir!“

Und das sagten sie völlig zu Recht. Denn wie beispielsweise die Armenierin Lusine Khachatryan die gegeneinander verschobenen Rhythmen der „Sechs Bilder für Klavier“ ihres Landsmannes Arno Babadjanyan darbot, und wie anschließend Clara Lim ihrer „Mimi“ aus Puccinis Bohème Strahlkraft verlieh – das ließ bereits hohes Niveau erahnen.
Nahezu jede Stilrichtung war vertreten; zum Beispiel jazzige, erotisch-laszive Klänge aus „Porgy and Bess“, in einer Bearbeitung von Jascha Heifetz, gespielt von Alex Jussow (Violine) und Andrej Jussow (Klavier).

Dann, plötzlich, hört man von draußen ein Getöse, und ein japanisches Gesangsensemble - in traditionelle Gewänder gehüllt - zieht lautstark in den Velte-Saal. Auf der Bühne geben sie ein Fischerlied zum Besten, das Ähnlichkeit hat mit den Seemannsliedern des hiesigen Kulturkreises und dementsprechend launig vorgetragen wird. JinSoo Kim (Tenor) singt später eine verträumte Weise aus Korea, die Sopranistin Assumpta Mateu i Vilaseca beigeistert mit spanischen Gesängen von Joaquin Turina und Federico Garcia-Lorca; sie wird dabei begleitet von Hartmut Höll (Klavier) und optisch unterstützt von der Flamenco-Tänzerin Claudia Pérez Inesta.

Ebenso studieren an der Hochschule junge Künstler, die bereits gefragte Solisten auf den Konzertpodien sind: Beispielsweise Frank Düpree, Jarhgang 1991 und noch Schüler des „Sparda-PreColleges“. Er gewann die „Pianisten-Olympiade“, den e-competition Junior-Wettbewerb in Minneapolis, und sorgte auch während des Konzerts für einen sportlichen Höhepunkt. Dreizehn Minuten dauert normalerweise Mily Balakirevs „Islamey“; Frank Düpree nimmt sämtliche virtuosen Hürden in gerade mal acht Minuten, und zwar mit einer Gelassenheit, die im Publikum für andauerndes Kopfschütteln sorgt.

Der junge Cellist Benedict Kloeckner, auch er bereits mehrfach ausgezeichnet, entlockt seinem Instrument hingegen die „Vogelgesänge“ von Pablo Casals; ein zarter Aufgang, dann schlichte, aber eindringliche Weisen - ein einziges Nachlauschen ins Innere. Reinhold Friedrich, Professor an der Musikhochschule und Trompeter von internationalem Renommée, setzte Farbtupfer mit Carl Höhnes „Slawischer Fantasie“ und mit Daniel Schnyders „Sonate“ – letzteres mit einer eindrucksvollen Palette aus verschiedenen Dämpfern und mit dementsprechend plastischen Klängen.

Gala-Menü von Sterne-Köchen der Region

Musikhochschule Karlsruhe, BenefizgalaZum Schluss heizte Isao Nakamuras Schlagzeugklasse
mit Samba-Rhythmen ein, und die Gäste wurden nun per Fackelzug in den „Marstall“ geleitet. Dort wartete, unter anderem dank des Badischen Staatstheaters, ein Festsaal mit Lüstern und Blumenarrangements, und während dazu ein Salonorchester aufspielte, brachte Andreas Mölich-Zebhauser (Intendant des Festspielhauses Baden-Baden und zugleich Mitglied des Hochschulrates) die Speisenden erst einmal in Spender-Laune. „Hartmut Höll sprüht vor Ideen,“ hob er dabei das Engagement des Rektors hervor „und er ist ein konsequenter Arbeiter: Möge er die Hochschule voranbringen.“
Wer an diesem Abend mit 250 Euro dazu beigetragen hatte, bekam von vier Sterneköchen der Region, die sich ebenfalls für den guten Zweck engagierten, ein exquisites Menü serviert: Andreas Krolik (Brenner´s Parkhotel), Armin Röttele (Schloss Neuweier), Stéphan Bernhard (Le Jardin de France, Baden-Baden) und Markus Nagy (Zum Löwen, Eggenstein) verwöhnten mit mariniertem Seesaibling, bretonischen Jakobsmuscheln auf Hokkaido-Birne-Vanille-Püree und mit Gebratenem und Geschmortem vom Staufer Rind; Sommelière Natalie Lumpp präsentierte dazu Spitzenweine und Champagner der Region.
Ebenfalls konnten Hartmut Höll und Hochschulrätin Michaela Dickgießer den Top-Patissier Oliver Endle gewinnen, der, begleitet von den Klängen des Hochschul-Jazz-Ensembles um Peter Lehel, zum Finale mit einem fulminanten „Concerto grosso“ aus Dessert-Spezialitäten aufwartete.



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