|
|
|
|
  |
10.03.10
Wiederentdeckung, Förderung und "Junges Theater"
Künftiger Generanlintendant Spuhler präsentiert mit neuem Team seine Pläne am Badischen Staatstheater
Peter Spuhler, ab der Spielzeit 2011/12 Generalintendant am Badischen Staatstheater, hat heute in Karlsruhe sein neues Leitungsteam vorgestellt. Die künftigen Schwerpunkte des Dreispartenhauses gelten unter anderem der Jugendarbeit, der Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen, der Förderung junger Autoren und der Entdeckung von bislang Ungehörtem.
Rilkes "Archaischer Torso Apollos" schließt mit der küh-
nen Aufforderung: "Du musst dein Leben ändern". Diesen Titel trägt auch das neueste Buch des Karlsruher Philosophen Peter Sloterdijk, und daran angelehnt - gewisser-
maßen als Referenz an die künftige Wirkungsstätte - ist
das Motto des designierten Generalintendanten Peter Spuhler: Kunst, so erklärt der derzeitige Intendant des Theaters Heidelberg, muss den Menschen derart bewegen, dass er tatsächlich beginnt, sein bisheriges Leben zu hinterfragen. Das sind hohe Ansprüche - doch der 45jährige Regisseur, der immer wieder durch originelle Theater-Projekte von sich reden macht, hat ein viel versprechendes Team an seiner Seite. Mit der Benennung eines Chefdramaturgen soll ein spartenübergreifendes Gesamtprofil entwickelt werden; diese Aufgabe übernimmt der langjährige Musikpublizist Bernd Feuchtner, derzeit in derselben Position am Salzburger Landestheater tätig. Schon als Journalist, erklärt Feuchtner, habe er einer Aufführung den schlichten Maßstab zu Grunde gelegt: "Ich muss immer wissen, warum ich heute Abend im Theater war und nicht im Kino". So soll die Aufmerksamkeit in der Sparte "Oper" unter anderem Werken gelten, die in Karlsruhe noch nicht (oder lange nicht mehr) gezeigt worden sind: französische Opern des 19. Jahrhunderts, politische zeitgenössische Opern und bedeutende Werke des 20. Jahrhunderts. Daneben möchte man die Karlsruher Wagner-Tradition stärken, die Händel-Festspiele weiter entwickeln. Feuchtner gilt zudem als begnadeter Entdecker junger Regisseure.
Generalmusikdirektor bleibt Justin Brown, neu im Team ist hingegen der künftige Operndirektor Joscha Schaback, der in Heidelberg jetzt schon mit Spuhler zusammenarbeitet: Für die Ruhrtriennale entwickelte der 36jährige Jugendprojekte, und auch am Badischen Staatstheater sieht er seinen Aufgabenschwerpunkt im Bereich "Junge Oper". Diese Arbeit soll nicht nur - wie häufig üblich - auf Nebenspielstätten stattfinden, sondern auch ins große Haus integriert werden. Erstmals kümmert sich mit dem britischen Pianisten und Liedbegleiter John Parr (San Francisco Opera) ein Casting-Direktor um die Entwicklung des Sänger-Ensembles. Dabei sind regelmäßige Liederabende geplant, an denen die Operndarsteller ihre Kunst schärfen sollen: "Denn beim Liedvortrag ist man allein mit dem Pianisten auf der Bühne, man muss alles selbst machen, es gibt kein Kostüm oder Orchester, das schützt."
Für die Sparte "Schauspiel" ist im neuen und erweiterten Leitungsteam Jan Linders zuständig - auch er wird von Heidelberg in die Fächerstadt wechseln. Linders hat mit Theatermachern wie Robert Wilson und George Tabori gearbeitet, kennt darüberhinaus auch die freie Theaterszene. Seine Arbeit sieht er zwischen "Labor und Museum"; neben großen Klassikern sollen deshalb auch Gegenwartsdramen und Uraufführungen auf die Bühne gebracht, Autoren bespielsweise der 70er und 80er Jahre (wie Botho Strauß oder Tankred Dorst) wiederentdeckt werden. Auch die Werke von "vergessenen" Dramatikern wie Grillparzer und Hebbel sollen künftig im Spielplan eine Rolle spielen. "Mein größter Fehler ist, dass ich mich für alles interessiere", kokettiert Linders und formuliert diese "Schwäche" gleich als viel versprechende Ideen: Geplant sind internationale Projekte, daneben "Theater im Stadtraum"; darüberhinaus strebt man eine nachhaltige Förderderung junger Autoren an. Mit einem Autorenfestival (und zahlreichen Uraufführungen) startet das neue Team auch in seine erste Spielzeit. Ballettchefin am Badischen Staatstheater bleibt Birgit Keil. Sie möchte die Aufbauarbeit fortsetzen und legt Wert darauf, "dass das Ensemble wachsen kann". Kurzlebigen modischen Trends will sie sich nicht hingeben, wohl aber auf junge, viel versprechende Choreografen achten.
In allen Sparten ist man zudem an einer intensiven Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen der Stadt interessiert, wie beispielsweise dem ZKM, der Hochschule für Gestaltung und der Musikhochschule - und das entspricht ganz dem Arbeitsverständnis des künftigen Generalintendanten: "Ich bin sehr am künstlerischen Gedankenaustausch interessiert und verstehe mich ausdrücklich als Teamspieler."
(Foto: Jochen Klenk)


Die Hörbuchreihe zur klassischen Musik. Mit 150 Musikbeispielen von 70 Komponisten, vom Mittelalter bis zu Moderne.
zurück zur Hauptseite
zurück zu "Bericht"

|
|
|
|
|