17.03.10
Arbeiten wie die Profis
Beim Kindertanzfest im Festspielhaus zeigten 280 Tanzbegeisterte ihr Können


"Let's dance!" ermunterte das Festspielhaus Baden-Baden die Kinder der Region, und 280 kleine Tanzbegeisterte folgten der Einladung. In zahlreichen Workshops rund um Jazz, Modern Dance und Hip Hop trainierten sie mit Lehrerinnen und Lehrern der Münchner Tanzschule "Iwanson International", und dabei ging es richtig zur Sache - eine deutschlandweit einmalige Veranstaltung, erklärt Stefan Sixt (Tanzschule Iwanson). Denn normalerweise stünden bei Kindertanzfesten eher Spiel und Spaß im Vordergrund.
Doch die jungen Nachwuchs-Tänzer, zumeist zwischen acht und vierzehn Jahren, arbeiteten wie die Profis. Die Abschluss-Performance auf der Bühne des Festspielhauses konnte sich jedenfalls sehen lassen.



Kindertanzfest FestspielhausLeise strömt Klaviermusik in den Saal; eine Gruppe von Kindern kommt auf die Bühne. Sie tanzen harmonisch, in ruhigen, kreisenden Bewegungen, sie setzen Akzente, und dabei bleiben alle Schwünge weich und rund. Nach weni-
gen Minuten ist die Formation vorrüber, doch die kleinen Tänzerinnen haben bei ihrem kurzen Auftritt gezeigt, worauf es ankommt: die Musik ausdrucksvoll in Bewegungen zu übertragen.
Jeder Workshop zeigt andere Facetten: Mal ist es ein Tango, wo sich das Wesentliche zwischen den schnellen Richtungswechseln - nämlich in der Spannung - abspielt; mal ist es eine Performance nur mit den Jungs, weil diese eine andere Körpersprache haben als Mädchen.
Sogar kleinere Choreografien haben die Kinder einstudiert: Ein Mädchen wirft eine Rose auf die Bühne, die anderen laufen hinterher, und es ergibt sich ein abwechslungsreiches, dynamisches Bild.
Man sieht konzentrierte Gesichter, durchgeschwungene Arme, Spannung in den Körpern; manche Kinder sind noch etwas zaghaft, bei vielen merkt man jedoch die Tanzerfahrung des heimischen Ballettunterrichts - zumindest aber den Spaß am Auftreten. Der dürfte nun umso größer sein, zumal anschließend die Studierenden der Tanzschule Iwanson in einer beeindruckenden Performance zeigen, was man mit hartem Training alles erreichen kann: Man staunt über technisch anspruchsvolle Figuren, sauber und aussdrucksstark getanzt, und über wirkungsvolle, temporeiche Choreografien.
Es sind ihre eigenen Werke, die sie aufführunen, teilweise auch die ihrer Dozenten, von denen manche mit eigenen Compagnien arbeiten oder mit Förderpreisen ausgezeichnet
sind.
Studierende der Tanzschule IwansonFünf bis sechs Stunden trainieren die Studenten am
Tag, erzählt Moderatorin Nina Forgber, die ebenfalls bei Iwanson als Lehrerin arbeitet. Dabei wird im zeitgenössischen Tanz viel Wert gelegt auf Akrobatik und Bodenarbeit, damit all die Drehungen und Spünge, die Figuren in liegender Position leicht und geschmeidig aussehen. Das stellt die Moderatorin dann gleich selbst unter Beweis: in einer humorvollen Tango-Nummer, kurzfristig choreografiert von Jessica Iwanson, der Gründerin und Leiterin der Tanzschule - "weil sie weiß, dass ich es keine einzige Stunde ohne Tanz aushalte."
Ein besonderes Glanzlicht ist die erst 17jährige Iwanson-Absolventin Ivonne Kalter, die in einer atemberaubenden Solo-Nummer die ganze Bühne für sich in Anspruch nimmt. Aus dem Halbdunkel schnellen Drehungen hervor, die blitzschnell in den nächsten Ausdruck übergehen: Die junge Künstlerin tanzt raumgreifend, jede Bewegung, jede Szene wird bis in die Haarspitzen ausgekostet.
Eine schwungvolle Hip Hop Nummer mit allen Kindern beendet den arbeitsreichen Tag - und diese Nummer muss gleich zweimal getanzt werden, so begeistert sind am Ende die Eltern, Geschwister und Großeltern.
"Uns hat es sehr viel Spaß gemacht mit euch", ruft Nina Forgber begeistert, "danke, ihr seid alle echt begabt".
Fotos: Andrea Kremper (I), Oskar Henn (II)



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