22.04.10 Die Orgel mit den zwei Gesichtern Klais-Orgel an der Christuskirche fast vollendet/ Einweihung zu Christi Himmelfahrt
Von Christine Gehringer
Es ist ein Instrument, das seinem oft gebrauchten Beinamen "Königin" alle Ehre macht: Mit 6000 Pfeifen und 86 Registern, verteilt auf vier Manuale und Pedal - so thront die neue Klais-Orgel über dem Altar in der Karlsruher Christuskirche. Mit dieser gewaltigen Ausstattung ist sie in der Lage, 500 Jahre Musikgeschichte abzubilden; sie beherrscht die frühbarocken Klänge ebenso wie die romantisch-orchestralen Großflächen.
Zwei Jahre lang wurde dafür in den Werkstätten der Bonner Orgelbaufirma Klais gearbeitet; 1,5 Millionen Euro kostet die Erneuerung: Die neue Klais-Orgel ist damit das größte Instrument, das jemals in Karlsruhe erbaut worden ist und zudem der umfangreichste Orgelneubau in Baden seit 100 Jahren. 1, 32 Mio Euro wurden bereits von den spendenfreudigen Karlsruher Bürgern zusammengetragen; die restlichen 180 000 Euro sollen nun unter anderem durch eine Tombola (Hinweis unten) eingenommen werden.
Ein gewagtes, kostspieliges Unterfangen, mag man vielleicht denken - und in Zeiten allgemeiner Sparzwänge ist dies in der Tat bemerkenswert. Doch mit derartigen Großaufträgen unterstützt man auch die Kunst des Orgelbaus an sich, deren lange Tradition in deutschlandweit immerhin in etwa 170 Betrieben aufrecht erhalten wird.
Von Anfang an sei die Orgel Teil der Gemeinde gewesen, betonen Kantor Carsten Wiebusch und die beiden Seelsorger der Nord- und Südpfarrei, Wolfgang Vögele und Gabriele Hug. Orgelbauer Philipp Klais bestätigt die-
sen Eindruck: "Unsere Mitarbeiter ha-
ben eine erhebliche Gewichtszunahme zu verzeichnen, so gastfreundlich sind wir hier in Karlsruhe aufgenommen worden," schmunzelt er, und: "Die Gemeindemitglieder sind auch zu uns
in die Werkstatt nach Bonn gekom-
men."
Der Orgelneubau ist zudem ein Stück Familiengeschichte der Firma Klais: Nachdem die Steinmeyer-Orgel von 1900 mehrmals umgebaut worden war, errichtete Hans Gerd Klais im Jahr 1966 eine neues Instrument für die Christuskirche. Man folgte damals der neobarocken Klangästhetik: Hauptmerkmale der alten Klais-Orgel waren Brillanz und Durchsichtigkeit - und diese Farbpalette wurde nun durch die Arbeit von Sohn Philipp erweitert. Von der alten Orgel sind nur noch die Pfeifen übrig; doch ihren Klangschatz hat man erhalten und ihm zusätzlich eine satte Grundtönigkeit hinzugefügt: Die Orgel ist damit zum "philharmonischen Orchester" herangewachsen, das aber auch problemlos in kleinerer Besetzung auftreten kann.
Zum ersten Mal wird sie am Wochenende zu Christi Himmelfahrt (vom 13. bis 16. Mai) offiziell ihre Klangpracht entfalten; zur Einweihung sind eine Reihe von Veranstaltungen vorgesehen: Nach einem Festgottesdienst am 13. Mai und einem Einweihungskonzert gibt es Orgelführungen und Vorträge; am 15. Mai gastiert die Organistin Christiane Michel-Ostertun (Mannheim) mit einem Improvisationskonzert in der Christuskirche, und am 16. Mai gibt es ab 15 Uhr ein internationales Orgelfest (weitere Informationen und Uhrzeiten entnehmen Sie bitte der Website der Christuskirche Karlsruhe unter dem entsprechenden Link).
(Hinweise zur Tombola: Die Verkaufsstellen finden Sie ebenfalls unter www.christuskirche-karlsruhe.de; ein Los kostet 10 Euro, Gewinne sind unter anderem: Schmuck, Bücher und CDs, Haushaltswaren, Wein und Feinkost; der Hauptgewinn ist ein "Smart").
Hörbeitrag (MP3) mit Klang-Eindrücken von der Klais-Orgel
von Christine Gehringer:
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