18.05.10
Von Hofkapellen und Schlagerbarden
Eindrücke von der Landesausstellung "Musikkultur in Baden-Württemberg"

Von Christine Gehringer
Pfauengrammophon, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, im Rahmen der Ausstellung "Musikkultur in Baden-Württemberg"
800 000 musikbegeisterte Laien engagieren sich in Baden-Württemberg jährlich in Vereinen, fünf Musikhochschulen bieten dem künstlerisch ambitionierten Nachwuchs eine professionelle Ausbildung, und seit etwa 90 Jahren sorgt auch der Rundfunk für eine rege Verbreitung - das ist Musikkultur in Baden-Württemberg.
Diese Kultur hat eine lange Geschichte - und sie ist so vielfältig, dass das Badische Landesmuseum aus Sammlungen und Archiven 400 Exponate zusammengetragen hat, um die Tradition der Musikpflege, der Produktion und der Entwicklung der Instrumente zu dokumentieren. Sie reicht von einer etwa 35 000 Jahre Flöte, die aus den Flügelknochen eines Gänsegeiers hergestellt ist (ein Fund von der Schwäbischen Alb), bis hin zur Schlagerband "Die Flippers": Die knallbunten Jacken und zahlreiche goldene Schallplatten schillern dem Besucher schon am Eingang aus einer großen Vitrine entgegen. Ein Pfauengrammophon gibt Zeugnis von der Tanzkultur der 20er Jahre, und vom Bildschirm lächeln - nebst Original-Paillettenkleid - Caterina Valente und Hans Joachim Kulenkampff: Ausdruck einer "neuen Leichtigkeit", die sich in der Fernsehunterhaltung der 50er Jahre zeigte.
Hans Joachim Kulenkampff und Caterina Valente, Ausstellung "Musikkultur in Baden-Württemberg"Doch nicht in allen Fällen war die Spurensuche so einfach, denn die Geschichte der Musik in Baden-Württemberg beschränkt sich bei weitem nicht auf die heutigen Landesgrenzen. So gehörten etwa Breisgau und Bodenseegebiet bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu Vorderösterreich, und der Einzugsbereich der Benediktineruniversität Salzburg reichte bis an den Oberrhein. Hinzu kam, dass mit der Aufhebung der Klöster im Rahmen der Säkularisation wertvolle Notenschriften und Musikinstrumente verloren gingen.
Die Schriften, so schreibt Kurator Dr. Markus Zepf zudem im Ausstellungskatalog, wurden manchmal allerdings auch auf kuriose Weise zweckentfremdet: So nutzte beispielsweise Johann Andreas Silbermann beim Bau seiner Orgel in Soultz-les-Bains die Notenblätter einer Messe zum Abdichten der Balginnenseite - eine damals anscheinend übliche Praxis.

Weil sich eine chronologische Darstellung der Musikkultur auf diesem Weg als wenig sinnvoll erwies, ist die Ausstellung nach Themenschwerpunkten gegliedert, die manchen neuen Blickwinkel schafft und dabei allerlei Raritäten und Kuriositäten bietet.

(Die Ausstellung "Musikkultur in Baden-Württemberg" im Badischen Landesmuseum dauert bis zum 12. September.
Bildnachweis: Pfauengrammophon, Deutsches Musikautomatenmuseum Bruchsal, Foto: Klaus Biber. Unten: Hans-Joachim Kulenkampff und Caterina Valente, SWR Stuttgart, Foto: Hugo Jehle.)



Hörbeitrag (MP3)
von Christine Gehringer:

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Musik:
Gilles Jullien, Duo (Livre d'orgue), aus: "Aux orgues authentiques Silbermann", Centre Europeen de l' Orgue/Marmoutier (Elsass);
Franz Danzi, Ouvertüre Es-Dur, aus: "70 Jahre Rundfunk in Baden; Konzerte und Musikproduktionen der SDR-Studios"






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