20.05.10
"Baden-Baden ist ein inspirierendes Juwel"
Festspielhaus-Intendant Andreas Mölich-Zebhauser bleibt bis 2019 im Amt

Von Christine Gehringer

Kurz vor Beginn der Pfingstfestspiele steht fest: Andreas Mölich-Zebhauser, der Intendant des Festspielhauses Baden-Baden, bleibt bis 2019 im Amt. Vorzeitig wurde der Vertrag mit dem 57jährigen Kulturmanager verlängert.
Als "Fels in der Brandung" in schwierigen Zeiten würdigte ihn Horst Weitzmann, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung Festspielhaus.

Andreas Mölich-Zebhauser erklärte indessen, dass er sich nicht lange überlegen musste, um zu unterschreiben: "Von Jahr zu Jahr wurde es für mich immer schwerer vorstellbar, Baden-Baden zu verlassen". Es sei ein ispirierendes Juwel, und jetzt beginne der Schatz zu glänzen, den man in den vergangen Jahren gehoben habe: Ging es zunächst darum, das Festspielhaus finanziell auf eine solide Basis zu stellen und die Spielstätte allmählich deutschlandweit zu etablieren, so wünscht sich Mölich-Zebhauser nun, "dass Baden-Baden zunehmend auch für das internationale Publikum ein Reiseziel wird."
Ebenso sei es spannend, dass die Produktionen des Festspielhauses immer wieder für "musikalische Aufregung" sorgten, da man die Werke oftmals anders zu hören bekomme als gewohnt. Dasselbe gilt auch für die Regie; hier plädiert Mölich-Zebhauser für eine neue Ernsthaftigkeit: "Das modische Regietheater sollte möglichst Geschichte werden." In diesem Rahmen wünscht sich der Festspielhaus-Intendant langfristig einen "kreativen Austausch" mit verschiedenen Kunstrichtungen.

"Carmen", Festspielhaus 2010Von dieser Bühnenästhetik können sich auch die Besucher der am Samstag beginnenden Pfingstfestspiele überzeugen: Die Oper „Carmen“ von Georges Bizet steht als Opern-Neuproduktion auf dem Programm. Der griechischstämmige Dirigent Teodor Currentzis leitet die Aufführung; gemeinsam mit dem Balthasar-Neumann-Chor und –Ensemble, die auf historische Aufführungspraxis spezialisiert sind, soll die Oper von allen eingeschliffenen Klischees befreit werden. In der Hauptrolle ist die israelische Mezzo-Sopranistin Rinat Shaham zu erleben.
(Aufführungen: 22.05., 19 Uhr; 24.05., 18 Uhr und 25.05. 20 Uhr)

Der Geiger Valery Sokolov und die Pianistin Svetlana Kosenko bestreiten die Pfingstmatinee (23.05., 11 Uhr) mit Bachs Sonate c-moll BWV 1017, mit der A-Dur-Sonate von Franz Schubert (seinem letzten Beitrag zu dieser Gattung), und der f-moll-Sonate von Prokofjew; abends, um 18 Uhr, sind dann die temperamentvollen Brüder Renaud und Gautier Capuçon mit dem Pianisten Frank Braley zu hören: Auf dem Programm steht unter anderem das reife und abgeklärte Klaviertrio von Maurice Ravel, das an alle drei Akteure höchste technische Anforderungen stellt.

Gekonnt zwischen Jazz und Klassik bewegt sich der junge Geiger Beni Schmid; im Kristallsaal des Kulturhauses LA 8 am Pfingstmontag (22 Uhr) ist er im Rahmen einer Jazz-Nacht mit seinem BeniSchmidJazzTrio zu erleben.

Alba VenturaBereits frühmorgens um 8 Uhr wird die Pianistin Alba Ventura ihr Publikum im Museum Frieder Burda aus den Träumen hinüber in die musikalische Welt Spaniens begleiten, und zwar unter anderem mit Manuel de Fallas „Feuertanz“ aus dem Ballett „Der Liebeszauber“.



Der Balthasar-Neumann-Chor, diesmal dirigiert von Marcus Creed, widmet sich am Dienstag, den 25.05. (20 Uhr) der romantischen Chormusik, ausschließlich mit Werken französischer Komponisten. Am Donnerstag, den 27.05. (20 Uhr) steht im Festspielhaus schließlich Flamenco auf dem Programm – mit dem Gitarristen und Grammy-Preisträger José Fernández Torres, genannt Tomatito.

Am folgenden Abend (28.05., 20 Uhr) ist die Sopranistin Simone Kermes als Dido in Henry Purcells „Dido und Aeneas“ zu hören, und mit Mahlers dritter Sinfonie setzt sich am Samstag, den 29.05. (19 Uhr) der Dirigent Jonathan Nott mit seinen Bamberger Symphonikern auseinander.

Am späteren Abend treffen in der Stiftskirche Baden-Baden (22 Uhr) gleich drei Größen der Neuen Musik aufeinander: Das vokale Hilliard Ensemble, das Arditti Quartett sowie der Komponist Wolfgang Rihm, denn bei diesem Konzert steht Rihms Requiem „-ET LUX-“ (komponiert 2009) auf dem Programm. Das Werk ist eine Meditation über die lateinische Messe, bei der vor allem die Passagen des „ewigen Lichts“ hervorgehoben werden. Die rund 65-minütige Komposition changiert zwischen Anklängen an die Motetten von Gesualdo sowie der typischen Klangsprache Wolfgang Rihms.
Zum Ausklang der Pfingstfestspiele gibt es am Sonntag, den 30.05. nochmals eine Matinee (11 Uhr): Die Pianistin Yuja Wang spielt Sonaten von Domenico Scarlatti, dazu Robert Schumanns Symphonische Etüden op. 13, einige „Visions fugitives“ op. 22 von Sergej Prokofjew und zum Abschluss Prokofjews virtuose Klaviersonate Nr. 6, die während des zweiten Weltkrieges in den Jahren 1939/1940 entstand.

Ein Liederabend mit Thomas Quasthoff (18 Uhr) bedeutet in zweierlei Hinsicht einen Abschluss - zum einen der Pfingstfestspiele 2010, zum anderen geht damit auch das vierteilige Künstlerporträt mit Thomas Quasthoff in die letzte Runde. Dieser vierte Teil ist dem deutschen Volkslied gewidmet: Es ist Thomas Quasthoffs Ziel, mit den schlichten Mitteln eines Liederabends die Wertschätzung für Volkslieder aufzufrischen. Thomas Quasthoff hat für dieses Projekt einige illustre Künstler um sich geschart: Max Raabe, die Schauspieler Angela Winkler und Udo Samel, sowie den Pianisten Christoph Israel.
(Fotos: Anna Gade/Carmen; Antoni Bofill)






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