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22.06.10
Anna Netrebko singt Pergolesi
Zum Sommer-Programm im Festspielhaus Baden-Baden
Am 16. Juli beginnen im Festspielhaus Baden-Baden die diesjährigen Sommerfestspiele (bis 20.07.) : Auf dem Programm steht unter anderem Rossinis amüsante, selten gespielte Oper "Il viaggio a Reims". Ebenfalls außergewöhnlich: Anna Netrebko mit barocker Musik; bei der Baden-Baden-Gala ist sie nun mit Pergolesis "Stabat Mater" zu hören.
Gioacchino Rossini hatte eine klare Vision vom Europa der Zukunft: Es würde sehr musikalisch und sehr lustig dort zugehen. Diese Vision nimmt in seiner Oper „Il viaggio a Reims“ Form an. In bester Komödientradition treffen sich die handelnden Personen in einem Gasthaus im französischen Örtchen Plombières. Eine bunte Schar eigenwilliger Gäste aus aller Herren Länder ist auf dem Weg zu den Krönungsfeierlichkeiten Karls X., die am folgenden Tag in Reims stattfinden sollen. Die Gesellschaft steigt in Madame Corteses Badehotel „Zur goldenen Lilie“ ab, wo die verschiedenen Charaktere sich begegnen, begehren, beäugen, vor allem aber jeden denkbaren Anlass zu einer musikalischen virtuosen Gefühlsäußerung nutzen. Mitten in die Vorbereitungen zur Weiterreise platzt die Nachricht, dass in ganz Plombières keine Pferde mehr zu bekommen sind. Die Reise nach Reims fällt ins Wasser, was die Gesellschaft aber nur kurz aus der Fassung bringt. Es wird improvisiert - wie so oft in Europa - und ein Fest gefeiert, bei dem jeder der Gäste eine musikalische Kostprobe aus seiner Heimat vorträgt. Valery Gergiev wählte die Komische Oper von Rossini, um die Spiellaune seines St. Petersburger Mariinsky-Ensembles zu demonstrieren. Vom französischen Filmregisseur Alain Maratrat stammt die Inszenierung (Aufführungen am 16.07., 20 Uhr und 18.07., 18 Uhr). Gergiev steht auch beim „Verdi-Requiem“ am Pult (17.07., 19 Uhr); Chor, Orchester und Solisten stammen aus dem „Fundus“ des Mariinsky-Theaters. Mit einer Ausnahme: der amerikanischen dramatischen Sopranistin Susan Foster.
Die Geigerin Anne-Sophie Mutter (19.07., 20 Uhr) ist mit dem zeitgenössischen Violinkonzert „In tempus praesens“ zu hören: Die tatarische Komponistin Sofia Gubaidulina hat es ihrer Namensvetterin auf den Leib geschrieben. Mit von der Partie an diesem Abend sind Valery Gergiev sowie Chor und Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg. Sie umrahmen Mutters Auftritt mit Liszts gewaltiger „Dante-Sinfonie“ sowie Wagners „Siegfried-Idyll“ und dem „Trauermarsch“ aus der „Götterdämmerung“.
Mit den „Stars der Oper“ (20.07., 20 Uhr) gibt Gergiev den Auftakt zum 1. Akt von Richard Wagners „Walküre“; dieser ist einlinig und auf das zentrale Motiv der beiden Protagonisten ausgelegt; er kulminiert in der Vereinigung von Siegmund und Sieglinde. In Baden-Baden singen diese Partien die Sopranistin Susan Foster (Sieglinde) und der Tenor Gary Lehmann (Siegmund). Außerdem ist der Schlussmonolog des Boris aus Modest Mussorgskis „Boris Godunov“ mit René Pape (Bass) zu hören.
Der New York Observer bezeichnete sie als „Audrey Hepburn mit Stimme“, der San Francisco Chonicle als „eine Sängerin, die alles hat: Fantasie, Verständnis und Geist“: Die Rede ist von Anna Netrebko. Rund ein Jahr nach ih- rem bemerkenswerten Auftritt als Jolanthe (Foto) bei den Sommerfestspielen 2009 in Peter Tschaikowskys gleichnamiger Oper kehrt sie an die Oos mit dem letzten Werk des italienischen Barock-Komponisten Giovanni Battista Pergolesi zurück: Mit dem berühmten „Stabat mater“ aus dem Todesjahr des Komponisten (1736). Ergänzt wird das Programm der Gala (27. 07. und 29.07., 20 Uhr) mit ausgewählten Kantaten und Instrumentalwerken von Pergolesi. Netrebkos musikalische Partner sind das traditionsreiche Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia Rom.
Den zweiten Akt aus „Tristan und Isolde“ (04.08., 20 Uhr) auf Originalinstrumenten erlebt man nicht alle Tage; im Festspielhaus Baden-Baden gibt es die Deutschlandpremiere. Es musiziert das „Orchestra of the Age of Enlightenment" unter Sir Simon Rattle, in den Hauptrollen sind Ben Heppner als Tristan und Violeta Urmana in der Rolle der Isolde zu hören. Eingeleitet wird der Abend mit Auszügen eines weiteren grandiosen Werks: Kein Geringerer als Niccolò Paganini schenkte dem Komponisten Hector Berlioz im Dezember 1838 die stolze Summe von 20.000 Francs aus reiner Bewunderung für „Harold en Italie“. Und siehe da, prompt schuf Berlioz eines seiner bemerkenswertesten Werke – die dramatische Sinfonie „Romèo et Juliette“ Op. 17 für Soli, Chor und Orchester nach William Shakespeare.
(Fotos: Tina Tahir/ Anne-Sophie Mutter, Andrea Kremper/ Anna Netrebko)


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