26.10.10. Gala für alle Sinne Anne-Sophie Mutter und Spitzen-Gastronomen bei der Benefiz-Gala für den neuen Hochschul-Campus
Von Christine Gehringer
Zuerst gab' s "Amuse bouche", dazu Champagner (aus dem Hause Moet & Chandon) - doch vor dem anschließenden Gala-Menü gab es es erst einmal einen erlesenen Ohrenschmaus. 240 Gäste, darunter prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur (so beispielsweise auch Wissenschaftsminister Peter Frankenberg), durften sich in Schloss Gottesaue von Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter verwöhnen lassen: Die Künstlerin spielte exklusiv zu Gunsten des "Einen Campus", der ab 2012 alle Einrichtungen der Musikhochschule an einem Ort vereinigen soll. (siehe auch Bericht vom 19.10.)
Möglich wurde das exquisite Konzert vor allem durch den Komponisten Wolfgang Rihm, der in Karlsruhe Komposition lehrt und dessen Werk von Anne-Sophie Mutter sehr verehrt wird. Rektor Hartmut Höll sprach in seiner Begrüßungsrede deshalb auch von einem "Kontinent Rihm" angesichts seines reichen Oeuvre - was einmal mehr den Stellenwert der Hochschule unterstreicht. Dieser Marktwert soll nun mit dem neuen Campus weiter gesteigert werden: Einerseits durch moderne Räumlichkeiten (zum Gelände gehört künftig auch ein Multimedia-Bühnenkomplex), andererseits durch die kurzen Wege, die den Austausch der einzelnen Institute und ihren Studierenden untereinander ermöglichen. Denn Bisher waren die Unterrichtsgebäude über die gesamte Stadt verteilt.
30 Millionen Euro kostet der Bau; davon muss die Hochschule eine Million selbst aufbringen. 600 000 Euro übernimmt die Sparda-Bank; mit dem Erlös der Gala (250 Euro kosteten die Karten für den Rundum-Genuss der Extraklasse) kommt man dem geforderten Betrag ein Stück näher; hinzu kommt dann noch alles, was innerhalb der neuen Räume nicht niet- und nagelfest ist - unter anderem gibt es deshalb "Stuhlpatenschaften" für die Innenausstattung des Konzertsaales. Eine ausgesuchte Tombola lockte die Gala-Besucher zusätzlich mit Preisen im Wert von 20 000 Euro, darunter einer Kreuzfahrt auf der "MS HANSEATIC" als Hauptgewinn.
Brahms vom Allerfeinsten
Auch Anne-Sophie Mutters Angebot war erwartungsgemäß vom Allerfeinsten: Gemeinsam mit ihrer langjährigen Kammermusikpartnerin, der Pianistin Ayami Ikeba, spielte sie alle drei Sonaten von Johannes Brahms, und wer sie in jüngster Zeit als Interpretin dieses Komponisten erleben durfte, der weiß, warum ihr die Brahms-Gesellschaft Schleswig- Holstein im kommenden Jahr den "Brahms-Preis" verleiht: Sie gibt dieser Musik eine beispiellose Tiefe, weil sich viel Wesentliches zwischen den Phrasen und zwischen den Tönen abspielt. Es sind diese Gedanken, die nie enden, diese feinsinnigen Übergänge: Erst gleitet sie ganz zart in das Thema der Sonate op. 100 ("Thuner") hinein, dann wird der Strom breiter, energischer. Bei Anne-Sophie Mutter gibt es immer eine Quelle und einen klaren Bezugspunkt. Jeder Ton hat eine Richtung - selbst dann, wenn (scheinbar) statische Ruhe herrscht. Die Durchgänge führen oft zu einem Wendepunkt, zu einer Entschleunigung, die gleichzeitig Neues vorausahnt. All das spürt Ayami Ikeba mit ihr gemeinsam auf, und hinzu kommen Anne-Sophie Mutters unzählige klangliche Möglichkeiten: Verhalten ist der Ton zu Beginn der "Regenlied"-Sonate op. 78, geradezu mädchenhaft - doch wenn sie daraus den Klang bis zum Äußersten entwickelt und dabei bis an die Grenzen geht, so wird der Ton dennoch nie spitz, nie scharf (wie bei manchem anderen Interpreten), sondern er bleibt immer edel und rund. Daneben kontrastieren die schlichten, vibratolos schlanken Gesänge, die beinahe entschweben: Ein Hochgenuss.
Dieser Hochgenuss wurde anschließend im Marstall bei Schloss Gottesaue nahtlos fortgesetzt - auf geschmacklicher Ebene, unter anderem bei "Lachs-Confit" und "Zweierlei vom Reh". Der rührigen Hochschulrätin Michaela Dickgießer und ihrem Ehemann Gerhard Dickgießer ist es zu verdanken, dass sich Spitzengastronomen an diesem Nachmittag auf dem Campus die Klinke in die Hand gaben: die Sterneköche Patrick Spies (Villa Hammerschmiede), Sören Anders (Oberländer Weinstube), Harald Wohlfahrt (Traube Tonbach) und Lea Linster (Lea Linster cuisinière, Frisange/Luxemburg). Dazu gab es toskanische Spitzenweine vom Weingut Capannelle - und den fulminanten Schlusspunkt setzte der Karlsruher Patissier Oliver Endle mit seinem "Concerto grosso" aus französischen Dessert-Klassikern. (Fotos: Musikhochschule Karlsruhe)
Interview mit Anne-Sophie Mutter, von Studierenden des Instituts Lernradio an der Musikhochschule Karlsruhe
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