09.02.11
Wegbereiter zwischen Elite und frühkindlicher Förderung
Zum Tod des langjährigen Karlsruher Klavierprofessors Naoyuki Taneda

Von Christine Gehringer

Am 3. Februar verstarb in Tokyo nach kurzer schwerer Krankheit der Pianist und Pädagoge Naoyuki Taneda, ehemaliger Professor der Karlsruher Musikhochschule und Initiator des Internationalen Ettlinger Klavierwettbewerbs. Der versatile Musiker legte Wert auf eine umfassende musikalische Ausbildung bereits bei Kindern.

Naoyuki TanedaEr war ein Pädagoge, der weiter dachte als viele andere, die sich mit der Ausbildung von Berufsmusikern beschäftigen. Der japanische Pianist und Hochschulprofessor Naoyuki Taneda hatte bei seiner Arbeit nicht nur den pianistischen Feinschliff, sondern immer auch den künftigen Musikliebhaber im Blick: Das Klavierspiel soll Freude bereiten, und es soll vor allem rechtzeitig beginnen, damit die Lernfähigkeit eines Kindes richtig ausgeschöpft wird und sich daran vor allem auch das Gehör bilden kann.

Taneda war nicht nur ein Interpret, dessen Konzerttätigkeit ihn rund um den Globus führte, nicht nur ein Pädagoge, dessen Schüler Preise bei internationalen Wettbewerben errangen und später zum Teil selbst namhafte Pädagogen wurden – etwa der Klavierprofessor Josef Anton Scherrer (Musikhochschule Köln) oder der viel zu früh verstorbene Komponist Peter-Michael Riehm, der wie sein Lehrer an der Karlsruher Musikhochschule unterrichtete.
Das alles wäre allein schon bemerkenswert, doch Naoyuki Taneda beschäftigte sich auch intensiv mit der Förderung von Kindern: Gemeinsam mit seiner Frau Ruth arbeitete er an einer Unterrichtsmethode, die einen ziemlich revolutionären Beitrag zur musikalischen Früherziehung leistete und die in den 1980er Jahren mediales Aufsehen erregte: Taneda hatte nämlich ein in Japan praktiziertes Modell weiterentwickelt, mit dessen Hilfe es möglich wurde, bis zum vierten Lebensjahr das absolute Gehör zu formen - lange galt dies als angeborenes Privileg. Ordnet man jedoch einem Ton beispielsweise eine Farbe zu, so können Kinder ihre Klangvorstellung besser entwickeln; sie können auf diese Weise Töne erkennen und gezielt nachsingen.
Und damit der Unterricht Spaß macht, geschieht das alles mit Hilfe von Bällen, Farbstiften, Lieblingstieren ("Wir hören und spielen", erschienen 1993 beim Schott Verlag).

Die Musikschule Ettlingen wandte als erste diese Methoden an und wurde damit Vorreiter im Bereich der frühkindlichen Musikerziehung. Überhaupt sollte die Stadt für Naoyuki Taneda zu einer bedeutenden Wirkungsstätte werden.

Geboren wurde Naoyuki Taneda 1933 in der historischen Kaiserstadt Kyoto; sein Studium absolvierte er an der Staatlichen Kunsthochschule in Tokyo. Seit 1962 lebte er in Deutschland, er studierte zuvor bei Hans Kann in Wien und wurde schließlich als Lehrer an die Akademie für Tonkunst nach Darmstadt berufen. Ab 1967 unterrichtete er an der Musikhochschule Karlsruhe, zunächst als Dozent, ab 1976 als Professor.
Seit 1994 wirkte Naoyuki Taneda als Professor für Klavier an der Städtischen Kunsthochschule der Stadt Kyoto; von 2009 bis zu seinem Tod hatte er eine weitere Professur an der Showa Musikhochschule Tokyo inne.

In Ettlingen initiierte Taneda Klavierseminare und Vorlesungen für fortgeschrittene Pianisten; im Jahr 1988 rief er dort den Internationalen Klavierwettbewerb ins Leben, der seitdem alle zwei Jahre im Sommer stattfindet und solch namhafte Preisträger wie beispielsweise Lang Lang hervorbrachte. Seit 2005 ist der Mannheimer Klavierprofessor Robert Benz, ein ehemaliger Schüler Tanedas, künstlerischer Leiter dieses Wettbewerbs.

Darüber hinaus wirkte Naoyuki Taneda 30 Jahre lang als Herausgeber bei der Wiener Urtext Edition: unter anderem von Beethoven-Sonaten, von Friedrich Burgmüllers Etüden op. 100 (für die Taneda eigene Fingersätze konzipierte) und als Herausgeber des „Klavierbüchlein für Anna Magdalena Bach“, das mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet wurde.

Auch der Verein "Piano Podium Karlsruhe" - 1983 zur Förderung des pianistischen Nachwuchses gegründet - geht auf die Initiative Tanedas zurück.
Seit 1994 führt die Pianistin und Klavierprofessorin Sontraud Speidel diese Arbeit erfolgreich weiter.
(Foto: Archiv des Internationalen Klavierwettbewerbs für junge Pianisten, Ettlingen)



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