02.06.11
Musikalischer Dank an eine tatkräftige Künstlerin
Klavierprofessorin Fany Solter geht nach 35 Jahren in den Ruhestand

Von Christine Gehringer

Ohne sie gäbe es den neuen Hochschul-Campus möglicherweise nicht, und wenn er im kommenden Jahr eingeweiht wird, dann studieren die angehenden Künstler und Pädagogen künftig im "Fany-Solter-Haus": Die engagierte Klavierprofessorin und ehemalige Rektorin hat in ihrer 35 jährigen Karlsruher Lehrtätigkeit (davon stand sie 17 Jahre an der Spitze der Hochschule) derart große Fußstapfen hinterlassen, dass eine solche Ehrung mehr als angemessen ist.
Nun steht ihr Ruhestand kurz bevor - und zahlreiche Studierende, Freunde und Kollegen trafen sich gemeinsam mit Fany Solter noch einmal zu einem langen, unterhaltsamen Konzertabend in Schloss Gottesaue.


Fany SolterAls Kind russisch-jüdischer Eltern kam Fany Solter in Brasilien zur Welt, in Freiburg absolvierte sie ihre Ausbildung zur Pianistin, eine internationale Konzertlaufbahn schloss sich an.
1976 wurde Fany Solter an die Musikhochschule nach Karlsruhe berufen, und als sie acht Jahre später als Rektorin die Geschicke in die Hand nahm, war sie die erste Frau in einer derartigen Position. Nicht selten wurde sie deshalb von ihren bundesdeutschen (männlichen) Kollegen misstrauisch beäugt.

Doch Fany Solter packte an - und hatte Erfolg. Unter ihrer Führung bekam das Institut für Musiktheater mit dem neuen Marstall eine angemessene Spielstätte, wenige Jahre zuvor ging das "LernRadio" erstmals auf Sendung: An diesem Institut werden künftige Musikjournalisten multimedial ausgebildet, in einem europaweit einzigartigen Studiengang. Außerdem war Fany Solter Mitbegründerin der Internationalen Händel-Akademie in Karlsruhe.
Doch die ehemalige Rektorin kümmerte sich auch um die grundsätzlichen Bedürfnisse der Studierenden und sorgte dafür, dass die Musikhochschule mittags vom Studentenwerk beliefert wurde. In der Zeit davor - so erwähnte Rektor Hartmut Höll in einer sehr herzlichen Ansprache - stand Fany Solter zwischen den Unterrichtsstunden selbst am Herd und kochte für die jungen Musiker.

Fany Solter, Renate Greiss-Armin"Wenn jemand Berge versetzen konnte, dann Du", brachte es Ulrike Meyer, ehemalige Solter-Schülerin und Fachgruppenleiterin für Tasteninstrumente, auf den Punkt. "Du bist der Maßstab, an dem wir uns alle messen lassen müssen". Und Hartmut Höll betonte, er arbeite jeden Tag im Bewusstsein, dass es die Hochschule ohne Fany Solters Engagement in ihrer jetztigen Form nicht gäbe.
Auch Michaela Dickgießer, Vorsitzende des Hochschulrates, bezeichnete Fany Solter als "großartige Frau des öffentlichen Lebens", und der ehemalige SWR -Redakteur Hans Hachmann (er hat den Vorsitz des Freundeskreises inne) ließ in seiner Dankesrede einmal mehr seine kabarettistische Ader durchblicken. Beide meldeten sich - auch dies eine launige Einlage - übrigens per Leinwand vor der Kulisse des Zuckerhuts in Rio de Janeiro.
Die Ansprachen machten außerdem deutlich, wie herzlich Fany Solter ihren Weggefährten verbunden sein muss: Derart persönliche, ehrliche Reden erlebt man selten.

Schließlich bedankten sich zahlreiche Kollegen und Studierenden - eingeleitet von einer festlichen Fanfare - mit einem kurzweiligen Konzertprogramm: Saule Tatubaeva und Kaya Han (Klavier) taten es vierhändig mit drei Ungarischen Tänzen von Brahms, Ulf Hoelscher (Violine) und Michael Uhde (Klavier) mit einem innig-erregten Satz aus der a-moll-Sonate op. 105 von Robert Schumann ("Mit leidenschaftlichem Ausdruck").
Zwischendurch sorgten Studierende des Instituts für Musiktheater mit Cathy Berberians Avantgarde-Stück "Stripsody" für die komödiantische Note, während Sontraud Speidel und Fabio Martino gegen Ende des Programms feurige Rhythmen in den Saal brachten: "Brazileira" von Darius Milhaud ("Scaramouche") ist ein dankbarer "Reißer", der vom Publikum dementsprechend bejubelt wurde.

Doch Fany Solter verstand es offenbar auch, ihren Studierenden zu vermitteln, dass man als Künstler eine besondere Aura haben muss, um erfolgreich zu sein: Wunderbar erzählerisch, mit ausgezeichneten sanglichen Qualitäten und stupender Technik brillierte die preisgekrönte Gloria Campaner mit Rachmaninow und Prokofiew; ebenso souverän und ausdrucksstark agierte Sarah Hiller mit Werken von Schubert und Isaac Albéniz.

Mittendrin im Geschehen war die Geehrte selbst: Fany Solter zeigte an der Seite von Kollegen, warum sie eine ebenso geschätzte Kammermusik-Partnerin ist. Mit Wolfgang Meyer (Klarinette) und Martin Ostertag (Violoncello) widmete sie sich zunächst dem stürmisch-drängenden a-moll-Trio von Johannes Brahms (op. 114), mit Renate Greiss-Armin (Flöte) einem teils sprühenden, teils liedhaften Satz aus der "Grande Sonate concertante" von Friedrich Kuhlau. Mendelssohns "Allegro assai vivace" op. 92 (mit Eva-Maria Rieckert) funkelte ebenfalls in seiner heiteren Übermut - und diesen lebendigen Reigen beschlossen am Ende Sontraud Speidel, Ulrike Meyer, Kalle Randalu und Roberto Domingos mit Werner Genuits "Variationen über die brasilianische Nationalhymne für vier Klaviere".
Kaum war der letzte Ton verklungen, zog die temperamentvolle Schlagzeugklasse von Isao Nakamura in den voll besetzten Velte-Saal - und heizte dem begeisterten Publikum am Ende nochmals kräftig ein.



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