30.11.11
Zickenkrieg und Dinosaurier
Programm der Händelfestspiele 2012 in Karlsruhe vorgestellt/ erstmals Kinderoper

Von Christine Gehringer

Partenope, Händel-Festspiele Karlsruhe 2011"Rival Queens" - so nannte die englische Tagespresse zur Zeit Händels die damals größten europäischen Operndiven Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni. Beide waren am Londoner King' s Theatre engagiert (und lieferten sich dort auch schon mal hitzige Wortgefechte auf offener Bühne); beide wollten entsprechend ihrer Sangeskünste bedient werden. So ist es nicht verwunderlich, dass Händels 1726 uraufgeführte Oper "Alessandro" (über Alexander den Großen, sein Liebesleben und seine Heldentaten) eine außerordentlich große Dichte an anspruchsvollen Arien hat - das Ganze eingebettet in eine amüsante Geschichte, in der die weiblichen Hauptdarstellerinnen ebenfalls rivalisieren und um die Gunst des Helden buhlen.
Und schließlich gab da noch den Star-Kastraten Senesino, Händels stärkstes Zugpferd in London, der in dieser Oper nicht weniger als acht Arien und dazu hoch virtuose Koloraturen zu singen hat.

Diese Oper ist das Kernstück der kommenden Händelfestspiele (17.02. bis 03.03.12); erstmals ist sie nun am Badischen Staatstheater (und ansonsten wegen ihrer hohen Anforderungen selten) zu sehen. Wer also im nächsten Jahr einen Besuch beim barocken Festival in Karlsruhe plant, der sollte sich beeilen, denn zwei der fünf Vorstellungen (17., 19., 22., 24. und 26.02.) sind bereits ausverkauft.
In der Titelrolle ist der amerikanische Counter-Tenor Lawrence Zazzo zu hören, der ebenfalls einen Arienabend (21.02.) bestreitet. Davor sorgt ein Gala-Konzert mit Franco Fagioli, Xavier Sabata, Max Emanuel Cencic und David DQ Lee am 18.02. für ein wahres Schaulaufen der Counter-Tenöre.

Die Star-Qualität von Händels Oper "Alessandro" (unter der musikalischen Leitung von Michael Form) ist charakteristisch für das Programm und die hohe Dichte an namhaften Künstlern bei diesen 35. Händel-Festspielen, den ersten unter der Intendanz Peter Spuhlers und der künstlerischen Leitung des Chefdramaturgen Bernd Feuchtner, der bereits das Barockfestival "Winter in Schwetzingen" betreut hat.

So leitet der belgische Cembalist und Dirigent Jos van Immerseel das Orchester der kommenden Händel-Akademie (19.02.bis 03.03.), die sich unter anderem mit dem Einfluss barocker Musik auf das Schaffen Mozarts und Beethovens beschäftigt.
Beim Konzert zum 35. Jubiläum der Festspiele (20.02.) steht Reinhard Goebel am Pult der Deutschen Händelsolisten, die unter dem Motto "Königliche Hochzeit 1719" einem wahren musikalischen Gipfeltreffen nachspüren: Zu den opulenten Feierlichkeiten am Dresdner Hof (Kurprinz Friedrich August, Sohn Augusts des Starken, heiratete Erzherzogin Maria Josepha von Österreich) trafen sich seinerzeit Europas beste Musiker.

Der amerikanische Organist Cameron Carpenter, dessen spektakuläre Konzerte beinahe schon Pop-Charakter haben, spielt am 24.02. an der Klais-Orgel der Karlsruher Christuskirche, und der Counter-Tenor Franz Vitzthum gestaltet eine musikalisch-literarische Soiree nach der Erzählung "Schnee" von Daniel Kehlmann (22.02.).
Das Kammerkonzert der Deutsche Händelsolisten (19.02.) steht unter dem Motto "Herrschaft und Gnade", und für die Förderung des musikalischen Nachwuchses sorgt mit dem Händel-Jugend-Preis (Preisträgerkonzert am 26.02.) einmal mehr die Händel-Gesellschaft Karlsruhe, die ansonsten auch an der finanziellen Unterstützung der Händelfestspiele beteiligt ist.

Auch die Region um Karlsruhe kann mit renommierten Künstlern aufwarten: Der Dirigent Holger Speck, dazu unter anderem das Vocalensemble Rastatt stellen am 25.02. Händels unbekanntes Opern-Pasticcio "Giove in Argo" vor. Am 26.02. können Liebhaber der Chormusik in der altkatholischen Kirche Karlsruhe dann das "Mysterium des Stimmklangs" genießen: Das Konzert legt den Schwerpunkt auf frühbarocke Werke von Johann Hermann Schein und Heinrich Schütz, und es schließt mit der kunstvollen Bach-Motette "Singet dem Herrn".

Erstmals gibt es bei den kommenden Händelfestspielen auch eine Kinderoper: "Dino und die Arche" (in Zusammenarbeit mit der Karlsruher Musikhochschule, unterstützt von der Sparda Bank) ist ein Auftragswerk des Badischen Staatstheaters und wurde im Barockstil neu komponiert (Premiere: 19.02.).
Und auch die Sparte "Ballett" wird mit Glucks "Don Juan" und Vivaldis "Vier Jahreszeiten" (23.02.; Konzeption und Choreografie: Marie-Geneviève Massé) erstmals in die Händel-Festspiele eingebunden.
(Foto: Partenope, Händel-Festspiele 2011/ Jacqueline Krause-Burberg)

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