16.12.11
Eine tragende Säule der Stadt
Die Badische Staatskapelle Karlsruhe feiert 2012 ihren 350. Geburtstag

Von Christine Gehringer

Im Jahr 1662 wird ein Vorläufer der heutigen Badischen Staatskapelle erstmals als "Music der Hof-Capellen" urkundlich erwähnt - damals waren dies allerdings nur wenige Musiker am Hofe der Markgrafen von Baden-Durlach, die dem Regenten dort zur Erbauung dienten.
Die eigentliche Geschichte der Hofkapelle beginnt mit dem Umzug nach Karlsruhe; zwischenzeitlich (von 1733 bis 1743) wurde sie unter dem Eindruck des polnischen Erbfolgekriegs jedoch aufgelöst, dann aber unter dem Kapellmeister und Komponisten Johann Melchior Molter wieder neu formiert.
1808 wurde aus dem Orchester eine "Großherzoglich Badische Hofkapelle", und seinen heutigen Namen trägt der Karlsruher Klangkörper seit dem Jahr 1933.
Längst ist die Badische Staatskapelle, die damit zu den traditionsreichsten Orchestern der Welt gehört, eine "tragende Säule" der Stadt, wie Bürgermeister Wolfram Jäger es im Rahmen einer Pressekonferenz zum Jubiläum formulierte.
Peter Spuhler, seit dieser Saison Intendant am Badischen Staatstheater, bezeichnet dieses Jubiläum denn auch als "das wichtigste Ereignis" im Spielplan des kommenden Jahres. Ein ähnliches Gewicht gibt ebenso die Baden-Württemberg-Stiftung diesen Feierlichkeiten, denn sie unterstützt das Projekt "350 Jahre Badische Staatskapelle" mit 250 000 Euro.

Ihre Glanzzeit erlebte die Musikstadt Karlsruhe zweifellos in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Franz Liszt dirigierte hier Beethovens Neunte, auch Richard Wagner stand am Pult der Hofkapelle, und die bedeutendste Uraufführung ging 1876 über die Bühne, als der Dirigent Felix Otto Dessoff die erste Sinfonie von Johannes Brahms aus der Taufe hob. Dessoffs Nachfolger, der Wagnerianer Felix Mottl, verhalf dem Karlsruher Hoftheater schließlich zu einem bemerkenswerten Ruf; unter seiner Leitung wurde unter anderem die Oper "Les Troyens" von Hector Berlioz, die derzeit am Staatstheater zu sehen ist, erstmals komplett aufgeführt.

An diese Glanzzeit erinnern GMD Justin Brown (der die Arbeit mit dem Orchester im Übrigen durchweg als "Fest" empfindet) und die Badische Staatskapelle gleich zum Auftakt des Jubiläumsjahres. Am 01.01. ist jene c-moll-Sinfonie von Brahms im Neujahrskonzert zu hören; mit einer Uraufführung des Karlsruher Komponisten Anno Schreier schlägt die Staatskapelle die Brücke zur Moderne und gleichzeitig zur Aufführungstradition zeitgenössischer Kompositionen. Der eigentliche Festakt, bei dem beide Werke nochmals zu hören sind, folgt am 9. Januar.

Auch eine Reihe von "historischen Konzerten" stehen zum Geburtstag auf dem Programm: Mehrmals beispielsweise gastierte der wohl berühmteste Geigenvirtuose der Musikgeschichte - Niccolo Paganini - in Karlsruhe und brachte dabei eigene Werke mit. Rümpft man jedoch heutzutage über die "musikalische Häppchenkultur" kleinteiliger Konzertprogramme eher die Nase, so war dies damals gängige Praxis: Erst eine Mozart-Ouvertüre, dann ein Satz aus einem Violinkonzert, danach eine Arie aus einer Mozart-Oper, schließlich wiederum Variationen für Violine und Orchester - ein solches Konzerterlebnis erwartet die Besucher des Badischen Staatstheaters am 07.02. 2012.
An den Besuch von Richard Strauss und Bela Bartok in Karlsruhe erinnern Konzerte in der zweiten Jahreshälfte (am 21./22.10 und am 25./26.11.), und im Rahmen der Europäischen Kulturtage gibt es am 13.03. ein Festkonzert, das nicht nur an das Jubiläum der Staatskapelle erinnert, sondern ansonsten ganz im Zeichen des 60. Geburtstages des Komponisten Wolfgang Rihm steht.
Die Geschichte der Badischen Staatskapelle dokumentieren schließlich eine begleitende Ausstellung und eine Festschrift ab März 2012; konzipiert hat dies der Karlsruher Musikwissenschaftler Joachim Draheim.

Als "Orchester zum Anfassen" können die Karlsruherinnen und Karlsruher ihre Staatskapelle am 21. Juli erleben: Dann nämlich gibt es ein Orchesterfest mit einem Open-Air-Konzert als Abschluss. Präsenz in der Stadt zu zeigen und nicht nur im Dunkel des Orchestergrabens zu agieren - das ist ein wesentliches Anliegen der Badischen Staatskapelle, und deshalb sind auch konzertante Großereignisse beispielsweise beim Stadtgeburtstag oder beim "Fest" aus dem Konzertkalender nicht mehr wegzudenken. Es sei ein großartiges Erlebnis, vor 25 000 Menschen zu spielen, erklären die Musiker Joachim Fleck und Rainer Engelhardt (Orchestervorstand): "Das wird oft als 'Klassik light' belächelt - aber nur so ist die Orchesterkultur auch für ein breiteres Publikum erlebbar."
(Foto: Jochen Klenk)

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