10.01.12
Händel, Darwin und die Saurier
Kinderoper "Dino und die Arche" am Badischen Staatstheater vorgestellt

Von Christine Gehringer

War es nun der Klimawandel? Ein gigantischer Vulkanausbruch? Tatsache ist jedenfalls: Die Dinosaurier starben aus, weil sie zu groß, zu fett, zu träge und deshalb nicht zu retten waren.
Um dieses evolutionäre Phänomen kreist die Kinderoper "Dino und die Arche", die am 19.02. am Badischen Staatstheater Premiere hat: Erstmals in ihrer Geschichte schließen die Karlsruher Händel-Festspiele damit auch die kleinen Zuhörer im Rahmen der neu gegründeten Sparte "Kinder- und Jugendtheater" ins Programm ein.

Es sei ihm eine Herzensangelegenheit, an der Begeisterung für das barocke Musiktheater während der Festspiele frühzeitig auch die Kinder teilhaben zu lassen, erklärt Intendant Peter Spuhler: "Dinosaurier sind bei Kindern ein Thema - vor allem bei den Jungen, die wir auf diese Weise auch für die Oper interessieren wollen." Ebenso ist Thomas Renner, Vorsitzender der Sparda Bank Baden-Württemberg (welche die neu eingerichtete Sparte unterstützt) davon überzeugt, dass "die Rendite automatisch kommt", wenn man nicht nur an Gewinnmaximierung denke, sondern vor allem auch in die Jugendarbeit investiere.

Das junge Publikum jedenfalls soll in dieser Oper "einen Sack voll Ohrwürmer" zu hören bekommen - das zumindest verspricht Dramaturgin Tina Hartmann; sie schrieb die deutsche Fassung des ursprünglich französischen Librettos von Cédric Costantino.

"Hast du von meinem Unterricht gar nichts behalten?" fragt der greise Naturforscher Charles Darwin seine Leguanin, die er einst von einer Forschungsreise auf die Galapagos-Inseln mitbrachte und die ihm nun den typischen englischen Regentag mit einigen Geschichten versüßt - unter anderem mit der biblischen Geschichte um Noah und seine Arche.
Damit sind die beiden Spannungspole umrissen: Darwin verkörpert die reine Naturwissenschaft, die Leguanin hingegen bereichert dieses Weltbild um eine poetische, spielerische Sicht der Dinge. Damit lassen sich die Pole schließlich in einem Happy-End auflösen.
Wie? Das wollten die Akteure noch nicht verraten.

Nur soviel: In etwa 80 Minuten reihen sich 36 Nummern aneinander, und dabei wird offensichtlich alles aufgeboten, was die Barockmusik zu bieten hat: Arien, Ensembles, Chöre, Turba-Chöre (ähnlich den Massenszenen aus den Oratorien von Bach) - vor allem aber affektgeladene Figuren und kraftvolle musikalische Bilder. All das stammt aber nicht etwa aus der Feder des großen Meisters Händel oder seiner Zeitgenossen. Nein, der junge Komponist Thomas Leininger schrieb die Musik zu diesem Auftragswerk. Er ist ein ausgewiesener Barockspezialist, bereits 2005 erteilte ihm das Badische Staatstheater den Auftrag, die unvollständig überlieferten Orchestersätze und Arien der Oper "Almira" zu ergänzen.

Leininger wollte allerdings keine vereinfachte, "pseudo-kindgerechte Oper" schreiben, sondern vielmehr die Qualitäten der Barockmusik herausarbeiten, um damit ein farbiges Werk zu schaffen (farbig, mit einem stattlichen Bläserapparat, ist im Übrigen auch das Orchester besetzt). Die Musik ist dabei keine bloße Kopie eines Personalstils, sondern generell barock nachempfunden, mit Rückblenden und mit Ausblicken.
Zur barocken Fülle gehören selbstverständlich auch die entsprechenden Kostüme: Janine Werthmann versuchte hierbei, die Opulenz des 18. Jarhhunderts mit den Formen aus der Tier- und Pflanzenwelt zu verbinden.

Eine Geschichte zu erzählen, die sich "mit Spaß und Leichtigkeit" entfaltet - darum geht es auch dem Regisseur Daniel Pfluger. Doch es ist ihm ebenso ein Anliegen, die Handlung als eine Parabel verstanden zu wissen: Die Dinosaurier, so erläutert er, das seien jene trägen Zeitgenossen, die mit ihrem Standesdenken rücksichtslos über sämtliche Probleme dieser Zeit hinwegtrampeln. "Das Wort 'alternativlos" schwappt einem überall entgegen - ich kann es nicht mehr hören".
Kreativität und die Fähigkeit, über das Offensichtliche hinwegzudenken - das seien die Eigenschaften, die notwendig sind, um die Dinge zu verändern.
Eine Kinderoper also, die offenbar gerade die Bedeutung der kindlichen Phantasie zu Thema macht.
(Foto: Felix Grünschloss; von links: Tina Hartmann, Darwin-Darsteller Gabriel Urrutia Benet, Thomas Leininger, Thomas Renner, Peter Spuhler, Daniel Pfluger.)


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