12.01.12
Die Berliner Philharmoniker bitten in den Salon
Programm der Osterfestspiele in Baden-Baden vorgestellt

Von Christine Gehringer

Von Salzburg nach Baden-Baden zog es die Berliner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle: Die ersten Osterfestspiele in der Kurstadt gehen vom 23. März bis 1. April 2013 über die Bühne. Im Festspielhaus Baden-Baden wurde das Programm nun vorgestellt.

Im Salon der Pauline Viardot gingen sie einst ein und aus, die namhaften Künstler des 19. Jahrhunderts, während sie an der Oos weilten. Nun bitten die Berliner Philharmoniker gewissermaßen in ihren Salon: Das Programm der Osterfestspiele 2013 ist maßgeblich auf Konzerte in intimer Besetzung zugeschnitten - an Spielstätten wie der Stiftskirche, dem Museum Frieder Burda oder dem Florentinersaal im historischen Spielcasino, und das beinahe rund um die Uhr, denn schließlich soll jeder merken: Die Berliner Philharmoniker sind in der Stadt.
Als Hommage an die Sängerin und Komponistin gibt es außerdem eine Salonoper aus der Feder Viardots im Baden-Badener Theater: "Cendrillon" (Aschenputtel) ein Projekt mit Stipendiaten der Akademie "Musiktheater heute", gefördert von der Deutsche Bank Stiftung.

"Baden-Baden rollt schon mal symbolisch den roten Teppich aus", verkündete Festspielhaus-Intendant und Gastgeber Andreas Mölich-Zebhauser, der den Berliner Philharmonikern nun offensichtlich jenes Umfeld bieten kann, das sie benötigen, um sich in gewünschter Weise präsentieren zu können: "Wir möchten gerne alle Facetten zeigen, die ein Orchester ausmacht", erklärt Simon Rattle, der es als "Geschenk" bezeichnet, auf diese Weise Neues schaffen zu können.
Für das Festspielhaus Baden-Baden sind diese Formate hingegen nicht neu; die Spielstätten außerhalb der großen Festspielhaus-Bühne sind bereits in andere saisonale Festivals integriert. Das gut ausgebaute Education-Programm scheint darüber hinaus ein idealer Partner für die ebenfalls erstklassigen Education-Programme der Berliner Philharmoniker, und anders als in Salzburg ist die Finanzierung (auch wenn keine konkreten Zahlen bekannt gegeben wurden) dank der dichten Förderstruktur des Hauses offenbar gesichert.
Dies ermögliche, so Andreas Mölich-Zebhauser "Eintrittspreise, die erschwinglich bleiben sollen".

Hier fällt die Musiktheater-Produktion mit Preisen von 270 bis 310 Euro auf den teuersten Platzen allerdings etwas aus dem Rahmen.
Mozarts "Zauberflöte", Auftakt der Festspiele und insgesamt an vier Abenden auf dem Programm, bedeutet ebenfalls ein Novum für Simon Rattle, und er schmunzelt: "Eine Oper mit vielen Fallstricken, aber auch mit vielen wunderbaren Dingen, die es zu entdecken gilt". Bei dieser Produktion ist unter anderem Simone Kermes als Königin der Nacht zu erleben, José van Dam als Sprecher; ansonsten singen Rattles Frau Magdalena Kozena, dazu Nathalie Stutzman (zweite und dritte Dame) und Michael Nagy (Papageno). Lediglich Sarastro ist noch nicht besetzt. Hierfür war Thomas Quasthoff vorgesehen, der gerade erst das Ende seiner Karriere bekannt gegeben hatte.
Nach langer Unterbrechung von Neuem auf der Bühne steht hingegen der Geiger Maxim Vengerov; er spielt das Violinkonzert von Johannes Brahms.
Ansonsten reicht das Programm von Mahlers "Auferstehungssinfonie" bis hin zu den "Sieben letzten Worten" von Joseph Haydn.

Ein Schwerpunkt dieses Festivals ist ansonsten die Nachwuchs-Förderung mit einem Konzert des Bundesjugendorchesters, mit jungen Regie-Talenten und einer Auswahl an Sängern baden-württembergischer Hochschulen. Doch auch um den Hörer-Nachwuchs ist man bemüht: Rund um die "Zauberflöte" gibt es an zwei Tagen eine Kinderfassung, eine "interaktive Oper" - dieses Format ist bereits im Rahmen der Baden-Badener Kindermusikfeste erprobt.

Exakt zeitgleich mit den Salzburger Osterfestspielen - neu aufgestellt nun mit Christian Thielemann und der Staatskapelle Dresden - hebt sich auch in Baden-Baden der Vorhang. Martin Hoffmann, Intendant der Berliner Philharmoniker, freut sich auf den bevorstehenden Wettbewerb, betrachtet ihn als "inspirativ". Und Simon Rattle bemerkt mit einem abgeklärten Lächeln: "Es kann niemals zu viel gute Musik geben."
(Foto: Thomas Viering)

Der offizielle Kartenvorverkauf für die Osterfestspiele beginnt am 15. 03. 2012. Näheres zum Programm erfahren Sie unter dem neben stehenden Link.


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