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08.02.08
"Hohes Niveau in zwangloser Atmosphäre"
Friedemann Schäfer über sein "Klassik-Nachtcafé"
Den „zeitlos schönen Sound der Klassik bei Wein und Kerzenlicht“ verspricht das „Klassik-Nachtcafe“ in Karlsruhe. Dahinter steht die Idee eines ausgesprochenen Musik-Enthusiasten: Friedemann Schäfer ist eigentlich Diplom-Verwaltungswirt, mit klassischer Musik ist er jedoch aufgewachsen, und seine Leidenschaft teilt er gerne mit anderen.
Einmal im Monat kommen deshalb Karlsruher Klassikliebhaber ins „Café Palaver“, wo Schäfer pro Abend drei Werke aus verschiedenen Epochen präsentiert und nebenbei auch so manche Anekdote beisteuert. Im PAMINA-Gespräch stellt er sein Projekt vor.
Vor vier Jahren startete das „Klassik-Nachtcafé“. Wie kam es dazu?
Schäfer: Das kam durch einen Freund, der mir sagte, „Du kannst so gut erklären, und du interessierst dich so sehr für Kunst – biete doch mal einen Volkshochschulkurs an“. Und da kamen dann zunächst Volkshochschulkurse im Landkreis Karlsruhe dabei heraus, Klassik für Einsteiger, auch bei der Volkshochschule der Stadt Karlsruhe. Dann war die Überlegung: Wo könnte ich sonst noch Kurse geben? Da kam ich auf die Wirkstatt ("Forum für Erlebenskunst" in Karlsruhe, Anm. d. Red.). Der Leiter der Wirkstatt, Manfred Bögle, sagte zunächst: „Wir sind eigentlich ein Seminarhaus für Selbsterfahrung, wir machen keine Kurse mit Frontalunterricht.“ Wir saßen in seinem Büro, ich war gerade dabei zu gehen. Er saß da und dachte nach, und plötzlich kam er auf die Idee: „Wir machen ein Klassik-Nachtcafé“. Da wusste ich - das ist es: Hohes Niveau, aber zwanglose Atmosphäre.
Aus spontanen Einfällen ergeben sich oftmals die besten Ideen … was war Ihr Anspruch speziell für diesen Rahmen?
Schäfer: Es war klar, dass man das nicht als Kurs aufziehen konnte – meinetwegen drei Folgen „Klassik-Nachtcafé“ vom Mittelalter bis zur Moderne. Das musste lockerer gemacht werden. Ich wollte aber trotzdem ein Stück Bildung „durch die Hintertür“ hineinbringen, und deshalb wusste ich gleich: Ich möchte Stücke aus verschiedenen Epochen und Gattungen bringen. Aber da die Zeit begrenzt war, dachte ich spontan an vier verschiedene Stücke, bin dann allerdings nach einem halben Jahr auf drei Stücke zurückgegangen, weil das den Hörern zuviel an Konzentration abverlangte.
Und wie ist Ihr eigener musikalischer Hintergrund? Das muss ja schon ein wenig mehr sein als einfach nur ein Hobby, sonst könnte man das den Hörern nicht vermitteln…
Schäfer: Meine Mutter hatte Klavierunterricht, und sie hat ihre Liebe zur klassischen Musik uns Kindern weitergegeben. Wir haben also schon im Grundschulalter beispielsweise gerne Beethoven-Sinfonien oder das Mendelssohn-Violinkonzert gehört. Das hat sich bei mir gehalten – auch durch meinen eigenen Klavierunterricht, durch engagiertes Üben, und durch die Mitarbeit in Ensembles: im Chor und in einer kleinen Kammermusikgruppe. Ich hatte eine Anzeige in die Zeitung gesetzt: Wer hat Lust, mit mir das Klavierquintett von Schumann zu spielen? Es meldeten sich tatsächlich vier Leute, und wir haben das Quintett dann privat gespielt, allerdings ohne Aufführung. Schon als Jugendlicher war das ein Lebenstraum von mir.
Wie läuft die Vorbereitung für das „Klassik-Nachtcafé“?
Schäfer: Zuerst kommt die Musikauswahl. Ich finde es aber gar nicht so einfach, dieses Programm zu machen, weil es in sich austariert sein muss. Denn man muss „starke“ und „schwache“ Stücke kombinieren. Ich möchte bewusst auch Stücke bringen, die nicht so bekannt sind, die aber „lohnende Geheimtipps“ sind. Die Stücke müssen sich insgesamt ergänzen.
Entwerfen Sie am Schreibtisch oder lassen Sie sich durch Konzerte inspirieren?
Schäfer: Zum einen kämme ich die Musikgeschichte durch, und zum anderen passiert es auch, dass ich beispielsweise im Plattengeschäft Werbung sehe oder in der Zeitung eine Rezension.
Wie war die Resonanz auf das erste „Nachtcafé“?
Schäfer: Beim ersten Mal waren sieben Leute da, da habe ich wenig Werbung gemacht. Danach füllte sich das relativ gut - im Winter vor drei Jahren kamen so viele Leute, dass das Café überfüllt war, einer saß sogar auf dem Boden. Im Sommer ist es dagegen zäh. Das Nachtcafé lebt von der Mund-zu-Mund-Propaganda.
Was ich toll finde: Die Bedienungen bieten währenddessen einen schützenden Rahmen, das macht einen großen Teil der „Ausstrahlung“ aus. Wenn das Leute wären, die sich im Grunde nicht dafür interessieren, sich stattdessen in der Küche unterhalten oder nach draußen gehen zum Rauchen – das würde die Atmosphäre kaputt machen.
Und das Publikum: Klassik-Einsteiger, nehme ich an?
Schäfer: Das ist ein breites Spektrum: Leute, die sich sehr gut auskennen, aber auch Leute, die Klassik zwar ganz nett finden, aber nicht unbedingt ins Konzert gehen würden; für die ist das „Nachtcafé“ dann so etwas wie ein Konzert-Ersatz. Ich versuche auch, ein wenig Musiktheorie hineinzubringen: Ich mache Skripte, zum Beispiel zur Sonatenhauptsatzform oder zur Geschichte der russischen Musik - einfach als Hintergrund, dass man das Nötigste weiß.
Was sind für Sie selbst die besonderen Momente an einem solchen Abend?
Schäfer: Erstmal bin ich froh, dass ich das überhaupt machen darf. Und der Lohn ist, wenn ich spüre: Jetzt habe ich so gut erklärt - das haben alle verstanden, und sie haben sogar noch die Musik dazu gehört. Dafür hätten die Leute stundenlang irgendwelche Bücher wälzen müssen. Es ist im Grunde wie bei einem Bild: Man malt, und plötzlich denkt man: Das ist richtig gut geworden.
Das nächste Klassik-Nachtcafé: Mittwoch, 13. 02., 20 Uhr, Café Palaver Karlsruhe (Eintritt: 7 Euro)
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