11.08.09
Anmutige Eskapaden
Das Karlsruher Gamben-Consort "Les Escapades"

Von Christine Gehringer

Die Gambe - eigentlich „Viola da gamba“ - wird auch Schoß- oder Kniegeige genannt (die Bezeichnung „gamba“ bedeutet „Bein“). Sie ist ein historisches Streichinstrument, das im 18. Jahrhundert von der Bildfläche verschwand und erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurde, als man sich auf die historische Aufführungspraxis zurückbesann.

Gambenconsort "Les Escapades"Ihre Geschichte beginnt im 15. Jahrhundert in Spanien: Dorthin gelangten nämlich mit der maurischen Kultur auch ursprünglich arabische Musikinstrumente wie die Laute und der Rebab – letzteres ist ein Saiteninstrument, das gezupft und gestrichen werden kann und heute gelegentlich noch in Konzertprogrammen mit Musik des Mittelalters und der Renaissance zu hören ist.
(Der wohl bekannteste Vertreter ist der Spanier Jordi Savall).
Beiden Instrumente standen Pate für die Entwicklung der Gambe.

Etwas weiter nördlich, im franko-flämischen Raum, war schließlich die „viella“ beheimatet (von ihr leitet sich der Name „Fidel“ ab); auch sie war ein Zupf- und Streich-Instrument, allerdings mit dem Korpus einer Gitarre.

All diese Einflüsse bestimmten die Bauweise der Gambe, die so konzipiert war, dass man sie vielseitig verwenden konnte: Als akkordisches Begleitinstrument, aber auch solistisch, als Trägerin der Melodie.
Als hohe Diskantgambe, als Alt- (Tenor-) oder Bassgambe ist sie zudem in allen Stimmlagen vertreten und war ein wesentlicher Bestandteil in der Kammermusik bei Hofe.

Und schließlich ranken sich um die Gambe auch einige Legenden und amüsante Geschichten: Da sie mit gespreizten Beinen gespielt wird (Ausnahme: die Diskantgambe), galt es vor einigen Jahrhunderten als höchst anrüchig, wenn eine Frau dieses Instrument bediente - es sei denn, sie war eng geschnürt, also flachbrüstig; dann hatte man offensichtlich weniger Bedenken.

Geschlechtertrennung ist in der Musizierpraxis zum Glück Geschichte, und so greifen unter dem Namen „Les Escapades“ denn auch vier Damen eindrucksvoll in die Saiten, was vor allem auch auf der CD "Ich will in Friede fahren" (mit dem Countertenor Franz Vitzthum, erschienen beim Label "Christophorus", CHR 77305) zu hören ist.


Hörbeitrag (MP3)
von Christine Gehringer:
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