16.11.10
"Ich versuche, mir bei der Aufnahme den Hörer vorzustellen"
Die Pianistin Ragna Schirmer im Portrait

Von Christine Gehringer

Ragna SchirmerDie Pianistin Ragna Schirmer stellt sich entschlossen gegen die Schnellebigkeit im Musikgeschäft.
Das Lebensmotto von Georg Friedrich Händel hat sie sich gewissermaßen zu eigen gemacht: "Man muss lernen, was zu lernen ist , und dann seinen eigenen Weg gehen."
Dieser Weg führt sie zunächst an die Musikhochschule Hannover, zu Karl-Heinz Kämmerling, einem der renommiertesten Klavierpädagogen.
Später studiert Ragna Schimer bei Bernard Ringeissen in Paris. Mit fünfzehn war sie jüngste Finalistin in der Geschichte des Busoni-Wettbewerbs, gleich zweimal gewann sie den Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbwerb in Leipzig, was bisher keinem anderen Pianisten gelungen ist.
Die Künstlerin lebt in Halle, wo sie hoch begabte Jugendliche an der Spezialschule "August Hermann Francke" unterrichtet.

In ihren CD-Einspielungen setzt sie Maßstäbe - zum Beispiel, indem sie Händels Klaviersuiten auf einem modernen Konzertflügel interpretiert, mit einem dementsprechend reichen Ausdrucksspektrum. Für diese (erste) Gesamteinspielung erhielt sie im Jahr 2009 einen ECHO-Klassik.
Eine bisweilen eigenwillige Umsetzung der Musik - aber zuvor eine akribische Herangehensweise. Aus dem Booklet zu ihrer neuesten CD, den Händel-Variationen von Johannes Brahms, erfährt man: "Wenn ich mich einem Komponisten mehr und mehr zu nähern versuche, lese ich vor allem Biographisches über ihn".
So entdeckte sie bei der Beschäftigung mit Brahms einige Aufzeichnungen von Joseph Victor Widmann, einem Vertrauten des Komponisten. In diesen Aufzeichnungen erfuhr sie, dass "der Tonschöpfer immer ein paar Bonbons in der Tasche hatte, um eventuell vorbeikommenden Kindern eine Freude zu machen", oder "dass Brahms nicht weiterkomponierte, ehe er nicht einen entlaufenen Hund wiedergefunden hatte."
Auf diese Weise bekomme man, so Ragna Schirmer, ein "anrührendes menschliches Bild" des Komponisten.
Und während der Aufnahme der 16 Klaviersuiten von Georg Friedrich Händel (die sie in nur fünf Wochen eingespielt hat), auf dem täglichen Weg von ihrer Wohnung zu den Franckeschen Stiftungen in Halle - da hat sie Händels Statue immer freundlich zugenickt, so vertraut ist sie ganz offensichtlich mit dem Werk des barocken Meisters.

Das Karlsruher Publikum darf gespannt sein auf ihr Konzert am 19.11. im Stephansaal mit Werken von Robert und Clara Schumann sowie Frédéric Chopin.
(Foto: Frank Eidel/PR)



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Musik: Georg Friedrich Händel, Suite B-Dur, HWV 434, "Allegro" und "Aria con variazioni", Suite F-Dur HWV 427, 3. Satz "Adagio"; erschienen beim Label "Berlin Classics"/edel.





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