09.06.08
"Römische" Seemannslieder und weltweite Huhn-Rezepte
"BosArt Trio" mit "WeltWeitMusik" im Bruchsaler Schloss


Was genau ist eigentlich Weltmusik? Populäres, garniert mit den Anleihen fremder Kulturen, oder doch die traditionelle Musik aus Indien oder China? Oder einfach Musik, die weltweit rauf und runter gesungen und gespielt wird, wie etwa ABBA oder Händels Wassermusik?

BosArt TrioFür Wolfgang Schäfer, Hans Hachmann (Texte, Gesang) und Reinhard Buhrow (Klavier) ist irgendwie alles Weltmusik. Zusammen sind sie das „BosArt Trio“, und ihr augenzwinkernder, manchmal auch ein wenig bissiger Gang durch sämtliche Kulturen schlägt kunstvolle Bögen – gerade so, als hätten Beethoven und asiatische Pentatonik, Mozart und Lateinamerika direkt miteinander zu tun. Da macht es auch nichts, dass die eine oder andere Pointe mal einen etwas längeren Anlauf benötigt oder dass sich in den Conferencen gelegentlich Kalauer verirren („da wird Lang Lang ganz kurz“).

Das Publikum im ausverkauften Kammermusiksaal des Bruchsaler Schlosses war jedenfalls begeistert von der „WeltWeitMusik“, dem neuen Programm des Trios – und ließ sich gerne anstecken von Händels mit Trillerpfeifen durchsetzten Klängen („das Lieblingsinstrument der englischen Polizei“) oder von asiatischen Anmutungen für Blockflöte und Blechdose.

Die gesamte abendländische Kultur beginnt natürlich bei den Griechen; hier liegen schließlich auch die Wurzeln der Kirchentonarten und damit der kunstvollen Vokalpolyphonie. Und so wird den dreien „ganz phrygisch zumute“, als sie erst Psalter, Harfe und den Gott Pan andächtig besingen und dann - frei nach Homer - ein „Trinklied mit Niveau“ zelebrieren. Die derben Römer haben dagegen nur Seemannslieder zu bieten (köstlich: „eine Seefahrt, die ist lustig“, mit lateinischem Text). Wenn es um Rhythmus geht, sehen die „langweiligen Europäer“ allerdings ganz schön alt aus neben den Afrikanern und die Südamerikanern. Diese sind ihnen gleichermaßen überlegen, die Rhythmen sind ähnlich differenziert („schließlich hingen Afrika und Südamerika ja auch früher mal zusammen, ähnlich wie der Schwarzwald und die Vogesen“).

Problemlos verbinden kann man auch den altbekannten „Hut mit den drei Ecken“ und das Huhn der Comedian Harmonists, das fast nichts zu tun hat – vorausgesetzt, man unterlegt dies alles mit einem passenden Bass-Ostinato, über welchem dann weltweite Geflügel-Rezepte ausgebreitet werden. Und für die passende Musik sorgen schließlich Allzweck-Tuten aus Plastik - flankiert von Klavier, Blockflöte oder selbst gebauten Rhythmusinstrumenten, so dass es je nach Bedarf nach „arabesken“ oder asiatischen Klischees klingt.

Das Thema zu Mozarts e-moll-Violinsonate versteckt sich hinter temperamentvoller Anden-Folklore, durch einen flotten Dixieland (eingestreut von Reinhard Buhrow am Klavier) geistert Edvard Grieg, und hinter nordischer Volksmusik ist unschwer ABBA zu erkennen. Aus der Tier-Welt-Musik kommt (abgesehen von Elfenbein-Tasten und vergeigtem Pferdehaar) auch „der Schwan“ von Camille Saint-Saens, und „über die Brücke nach Offenbach“ landet man am Ende mit dem bekanntesten aller Cancans bei der „Unterweltsmusik.“

Alles in allem also eine amüsante „Allerweltsmusik“ – mit Leichtigkeit dargeboten, sodass das Publikum erst nach drei Zugaben nach Hause wollte. 



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