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08.07.08
Barocke Meister vom Meister-Interpreten
Ton Koopman an der Rémy-Mahler-Orgel in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe
Ein glänzender Auftakt zum zehnten Geburtstag des „Internationalen Orgelsommers“: Kein Geringerer als Ton Koopman, einer der führenden Interpreten und Forscher auf dem Gebiet der Alten Musik, gastierte in der Evangelischen Stadtkirche und brachte an der Rémy-Mahler-Orgel die Vielfalt einer ganzen Epoche zum Leuchten: Werke aus Hoch- und Spätbarock, dazu den galanten Stil der Frühklassik – das war Orgelmusik vom Feinsten.
Der Abend beginnt mit jenem großen Lübecker Organisten, der Vorbild für so manchen barocken Meister gewesen ist: Dietrich Buxtehude. Seine Werken lassen sich vielfach
mit den drei Begriffen „schlicht, klar, ausdrucksstark“ zusammenfassen. So klingt beispielsweise die d-moll-Passacaglia, so klingen auch die Präludien „pedaliter“ und „manualiter“, wobei Buxtehude letzteres (BuxWV 163) vermutlich für Cembalo geschrieben hat. Ton Koopmans
Spiel beeindruckt durch Läufe, die sich behände emporschwingen, mit konturscharfen Bewegungen - vor allem aber mit gleichmäßigen Linien und großen Spannungszügen, die über dem raschen, fast beiläufig hingestreuten Figurenwerk hörbar werden. Er setzt kraftvolle Fundamente und lässt die Werke mit Festigkeit voranschreiten; er hält die Stimmen mit grazil geschwungenen Bögen in Bewegung.
Eine tänzerisch-leichte Note schaffen die Werke des französischen Komponisten Francois Couperin (Le Grand): Feierlich, charmant und kunstvoll aufgefächert in die einzelnen Stimmen, schaffen sie einen hellen Akzent im Programm und leiten geschmackvoll über zu Carl Philipp Emanuel Bachs D-Dur-Sonate: Eine empfindsame Melodie breitet hier sich aus; sie verliert sich in feinen Verästelungen, wird von einer zweiten Stimme abschattiert und gewinnt nach und nach an Profil. Zwei heitere Allegro-Sätzen flankieren dieses Adagio: Sie eilen davon, scheinen an manchen Stellen laut aufzujubeln – immer in einer federnden, luftigen Anmutung. Die Läufe fließen wunderbar eloquent, sind zu jedem Zeitpunkt absolut formbar. Ton Koopman lässt hier beiläufigen Humor und Charme aufblitzen; manch einer der Zuhörer gerät zwischendurch ins Schmunzeln, so liebevoll werden die geschwungenen Ornamente herausgearbeitet.
Das Konzert endet mit Johann Sebastian Bach: Drei Choräle bringen Klarheit und Festigkeit; beispielsweise ein lebendiges „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ aus der gleichnamigen Kantate, umgearbeitet im Rahmen der Schübler-Sammlung. Koopman wählt hier ein rasches Tempo, so dass der Cantus Firmus von einer lebhaft pulsierenden Stimme umspielt wird; unwillkürlich hat man hier das Bild Zions vor Augen, die sich in freudiger Erwartung befindet.
Grandios spielt Koopman schließlich die G-Dur-Fantasie (Pièce d´orgue): In allen Stimmen schreitet das Werk aus; mit pathetischer Geste, mit einer Feierlichkeit, die nie nie massiv wirkt, sondern vielmehr durchlässig bleibt für die dichte Struktur - ein schlicht beeindruckendes Klanggebäude. Und schließlich diese runden Läufe, diese hell aufleuchtenden Linien, die flimmernden, arpeggiohaften Figuren im Schlusssatz: Das Publikum dankte dem Meister-Interpreten mit langem Applaus, forderte mehrere Zugaben.
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