22.09.08
Spiel ohne Kompromisse
Trio con Brio Copenhagen sorgte in Bruchsal für fulminanten Start in die neue Saison


„Con brio“ heißt: mit Schwung, und beim „Trio con Brio Copenhagen“, ist der Name offensichtlich mehr als nur Programm - er scheint geradezu eine Notwendigkeit. Jedenfalls legten die koreanischen Schwestern Soo-Jin Hong (Violine) und Soo-Kyung Hong (Violoncello), dazu der dänische Pianist Jens Elvekjaer bei den Bruchsaler Schlosskonzerten einen derart fulminanten Start in die neue Saison hin, dass die Zuhörer durchweg aufgerüttelt worden sein dürften.

Trio con Brio CopenhagenWerke von Mendelssohn brachten die drei nach Bruchsal mit, doch zunächst ein Haydn-Trio (Es-Dur, Hob XV: 29): Vorgeschmack auf das Gedenkjahr 2009, das beiden Komponisten gewidmet ist.

Die Musik wird erst einmal kräftig angestoßen. Ein elegantes, angeregtes Ge-
spräch entwickelt zwischen den dreien, das Klavier löst sich irgendwann heraus, zwingt zum Innehalten: Der nächste Einsatz der Violine klingt danach vorsichtig, durchsichtig wie filigranes Glas. Das Bild des grazil geschwungenen Rokoko drängt sich förmlich auf, zumal die drei in einem diszipliniert schlanken, aber dennoch gehaltvollen Ton agieren.

Auf diese Weise bestreitet das Trio das gesamte Werk. Sie bündeln die Energie gleich zu Beginn, bauen die einzelnen Sätze sorgfältig auf, um sich dann zurück zu nehmen und die Musik einfach durch sich hindurch fließen zu lassen. Der dritte Satz – eine leichtfüßige Allemande – jauchzt so heiter und gelassen auf, dass man sofort mitschwingen möchte; dieses Finale sprudelt aus der Mitte heraus: Aus dem impulsiven Cello in das stets wunderbar geschmeidige Klavier, in die überschäumende Violine. Von wegen unscheinbares Begleitinstrument: Auch wenn dem Violoncello zur Entstehungszeit dieses Klaviertrios noch keine bedeutende Rolle zugedacht war, weil es lediglich als Verstärkung des Basses fungierte – Soo-Kyung Hong gibt sich damit keineswegs zufrieden, sondern sie nutzt jede Note ihres Parts für beherzte Akzente.

Diese Rolle darf sie dann in den beiden Mendelssohn-Trios konsequent ausbauen: Ihr gehört der erste Gedanke im d-moll-Trio op. 49, und dieser Gedanke enthält bereits ansatzweise die Leidenschaft des gesamten Werks. Dann folgt ein entfesselndes Spiel: Immer dicht am Klang, manchmal bis an die Grenze, bis zum Knarzen des Holzes – mit einem solch ausladenden Bogenstrich, dass Soo-Jin Hong einmal sogar den Scheinwerfer streift.

Die drei spielen ohne Kompromisse. „Molto allegro ed agitato“ bedeutet beim Trio con Brio: aufschreiend, auffahrend, anstachelnd. Das „Andante“ zelebrieren sie als schlichten Übergang – nicht schwelgerisch, nicht emphatisch, einfach nur singend.

Das verhuschte, bereits entfesselte Scherzo bereitet das heftig durchpulste Finale vor; im Klavier findet die konzentrierte Sammlung statt: die Ruhe vor dem fulminanten Schluss, der geradezu mit einem Klirren daherkommt.

Das Trio c-moll op. 66 wirkt ungestümer, zerrissener. Hier bereitet das Klavier eine dynamische Wellenbewegung für die aufschäumenden Wogen, die sich darüber türmen. Es stürzt als Kaskade in die Tiefe, darüber breitet sich die Violine genießerisch aus. Der dritte Satz scheint magisch angezogen von einer unsichtbaren Kraft. Doch dann hält die Bewegung inne - und darunter erstrahlt ein fester, klarer Bach-Choral: „Vor deinen Thron tret’ ich hiermit“. Er wird noch von den anfänglichen Motiv-Fetzen zart umsponnen, entwickelt dann aber den Hauptfluss des Finales, das dieses Trio zu einem erhabenen Ende bringt. Noch einmal setzen die drei zum entfesselnden Spiel an, noch einmal legen sie alle Leidenschaft in den feierlichen Ton hinein: Große Begeisterung beim Publikum.



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