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03.10.08
Erfrischendes Spiel mit Klang-Charakteren
Siebtes Festival "Quantensprünge" am ZKM eröffnet
Zum siebten Mal treffen sich derzeit die Stipendiatinnen und Stipendiaten der „Internationalen Ensemble Modern Akademie“ (IEMA) - viel versprechende junge Musiker, Komponisten und (Klang)regisseure – zum Festival „Quantensprünge“ im ZKM. Das Eröffnungskonzert war ein erfrischendes Spiel mit Klangcharakteren, mit rhythmischen und melodischen Elementen: Julien Bilodeau (IEMA) setzt in „links“ (für Ensemble und Elektronik) beispielsweise den Raum als Klang-Parameter ein - wie Tonlage, Intensität und Timbre. Das Klavier bewegt sich in weichen Wellen; Flöte und Violine halten mit harten Strichen dagegen. Ein stehender Klang bleibt nun im Raum: Er oszilliert leicht, fächert sich hörbar auf in die Stimmen der Einzelinstrumente, er wird beherrscht von der tiefenlastigen Klarinette, dann von der säuselnden Violine. Der Klang entwickelt sich im gesamten Raum (die Musiker sind rundum verteilt), er wird durch diese Aufstellung auseinander gezogen und er verdichtet sich über die Lautsprecher.
Fast „romantisch“ wirkt das Stück: Es dreht sich in langen, emphatischen Bögen spiralförmig nach oben; es beschreitet weite Wege in den stets neu sich zusammensetzenden Klängen.
Ein rhythmisches Pochen in allen Instrumenten weckt die Vorstellung von Nadelstichen: Eine zunehmende Pene-
tranz ist nun hörbar. Plötzlich ändert sich die Atmosphäre;
die Musik steht gewaltig unter Strom, und aus den Stichen werden scharfe Schnitte. Ein wummerndes Vibrato in der Violine und eine allgemeine Schroffheit führen das Stück zu einem spannungsgeladenen Ende.
Instrumente unterschiedlichen Charakters werden in "pelt" von Alistair Zaldua zusammengebracht: „die Trompete als linear/lyrisch, das Klavier als großer Resonator, das Schlagzeug als mosaikartige Klangskulptur, die in der Regel Aktion oder Stille auslöst.“ Dementsprechend überschreibt er die einzelnen Phasen seines Stücks beispielsweise mit „Haut/Pelz“ (hier, so scheint es, „häuten“ sich die Instrumente erst einmal und stellen sich in ihren Eigenarten dar), des Weiteren mit „sehr schnell rennen“ oder „stark regnen“ (hier liegt der Schwerpunkt auf der jeweiligen Art der Bewegung und des Impulses). Rhythmische Punke, Schlieren aus Wind- und Schleifgeräuschen, dazu der besondere Klang der gedämpften Trompete – und dazwischen das Klavier als Vermittler, denn das Klavier ist beides: Rhythmus- und Melodieinstrument. Dann wird die Musik ruckartig ausgestoßen wie ein kurzer, hastiger Atem, später prasseln kleinste Klangpartikel auf den Hörer ein.
Ähnliche Impulse setzt auch Vito Zuraj (Student der Musikinformatik in Karlsruhe) in „Crosscourt“: Das Bild des Gegeneinander auf dem Tennisplatz überträgt er auf Instrumente, die sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, die sich mit festen Klangblöcken gegeneinander stellen, die sich in ihren Bewegungen imitieren und diese zurückwerfen (beispielsweise Glissandi in den Einzelstimmen), und dabei erweitern die Lautsprecher den Aktionsraum.
Besonders beeindruckend dann anschließend „Duo 3“ des Kölner Komponisten Marcus Antonius Wesselmann, und an dieser Stelle sind unter den vielen erstklassigen Instrumentalsolisten die beiden Pianisten des Ensembles hervorzuheben: Jonas Olsson und Yumi Kimachi haben die ungeheuer schwierige Aufgabe, ein rhythmisch vertracktes, schnelles und impulsives Stück perfekt synchron zu gestalten, was auch millimetergenau gelingt. Die Grundmuster enthalten Pop- und Jazz-Anleihen, es sind rotierende Rhythmus-Figuren, die sich kaleidoskopartig immer neu zusammensetzen – die Klaviere schlüpfen hier beinahe in die Rolle eines Schlagzeugs. Auf der Bühne stehen sie einige Meter auseinander, denn der Klang soll laut Kompositionsanweisung nicht verschmelzen; dennoch fällt es beim Hören schwer, beide Instrumente voneinander zu trennen.
In Anlehnung an die Sternbilder schuf Seiko Itoh (IEMA) ihre „Chamber variations 12“; ein zwölfteiliges Stück für elf Instrumente. Aus all ihren klanglichen Eigenarten ergeben sich eine Fülle von Kombinationsmöglichkeiten – und so hört man Pizzicato-Klänge der Streicher umgeben von den Windgeräuschen des Akkordeons, man hört Tongirlanden der Violine inmitten von Pfeiftönen der Bläser: Das Publikum im voll besetzten Kubus ließ sich anstecken von der Musizierfreude der Stipendiaten.
(weitere Termine: Heute, 03.10 um 20 Uhr im ZKM_Kubus und morgen, 04.10. um 19 Uhr und 21 Uhr im Medientheater)
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