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19.10.08
Aparte Besetzung und edle Klangkultur
Das Prager Bläserquintett eröffnete die neue Saison der "Karlsruher Kammermusikfreunde"
Ein Programm für Bläserensemble ist in der Kammermusik eher eine Rarität, und das war vermutlich auch der Grund, weshalb das Angebot der „Karlsruher Kammermusikfreunde“ zum Saisonauftakt etwas zögerlich in Angriff genommen wurde. Vor ungewohnt kleinem Publikum spielte deshalb das Prager Bläserquintett; dafür kam dieser überschaubare Hörerkreis in einen besonderen Genuss: Jan Machat (Flöte), Jurij Likin (Oboe), Vlastimil Mareš (Klarinette), Jan Vobořil (Horn) und Miloš Wichterle (Fagott) boten Kammermusik vom Feinsten; zudem ist in dieser Besetzung jede Anmutung, jede Farbnuance möglich.
Das Prager Bläserquintett, das bereits 1928 gegründet wurde und dann in wechselnden Besetzungen spielte, hat seine Wurzeln in Böhmen – und dementsprechend auch hauptsächlich Stücke im Gepäck, die mit der Heimat verbunden sind. So stammt beispielsweise der Vater von Carl Stamitz ebenfalls aus Böhmen: Johann Stamitz, bekannt als Musiker der Mannheimer Hofkapel-
le, wurde in Deutsch-Brod (Ostböhmen) geboren. Aus Prag stammt Antonin Rejcha, der „Vater“ des Bläserquintetts; Bohuslav Martinu und der zeitgenössische Komponist Isa Krejčí studierten dort.
Joseph Haydns B-Dur-Divertimento eröffnet den Abend, es gehört zu einigen wenigen Stücken, die Haydn für diese Besetzung geschrieben hat. Schon nach wenigen Tönen sind die Maßstäbe gesetzt: Eine edle, sinnliche Klangkultur, eine hervorragende Balance.
Die Oboe beginnt mit einem zarten, runden Ton, die Flöte antwortet – und ganz allmählich fließt alles zusammen; der Klang wächst konturscharf in die Tiefe. Dort sticht immer wieder das Fagott mit einer unglaublichen Leichtfüßigkeit hervor, in den späteren, humorvollen Passagen ist es oft die tragende Figur. Das Haydn-Divertimento ist ein kleines Meisterstück, es lässt keine Wünsche offen: Die sanften Umspielungen, die fein geschwungene Eleganz sind hier ebenso präsent wie der andächtige Fluss und gegen Ende der spritzige Puls.
Im Quartett Es-Dur von Carl Stamitz (ohne Flöte; ursprünglich für Klarinette, Violine, Viola und Bass) trägt zunächst das Horn mit seiner ebenmäßigen Linie den Klang, als apartes Gegengewicht wird ein munteres Geplapper zwischen Oboe, Klarinette und Fagott ausgetragen, und auf das abrupte Ende stürmen die vier dann in einem quirlig-gewitzten Lauf zu: Bereits hier gibt es ein erstes Raunen und Schmunzeln im Publikum.
Rejchas Es-Dur-Quintett ist etwas ruhiger, schlichter; es lässt den einzelnen Instrumenten mehr Raum, sich solistisch zu profilieren. Die Phrasen werden sorgsam aufgebaut, die Impulse ebenso sorgfältig an den nächsten Akteur weitergegeben und schließlich fein abgefangen. Auffallend ist die durchgängige Detailgenauigkeit beim Prager Bläserquintett: Nie wirkt der Klang flach, zerfasert oder ausgedünnt; immer ist die Legierung perfekt.
Einen Konstrast setzen zwei der vier Madrigale für Oboe, Klarinette und Fagott von Bohuslav Martinu: Bewegte Linien in changierenden Farben, durch Gegenbewegungen geweitet oder verdichtet - mal spielerisch, mal mit Dringlichkeit.
Die humoristische Note macht diese reiche Bandbreite schließlich komplett. Ein vergnüglicher Genuss ist Isa Krejčís „Quintetto per stromenti a fiato“ aus dem Jahr 1964: Hier jagen sich die Instrumente im rhythmisch-virtuosen Galopp. Zwischendurch taumelt man im breiten Dreiertakt, dann schlägt das Stück gewitzte Haken und sorgt für überraschende Wendungen, und davor steht ein luftiger, schwebender Largo-Satz.
Danach fordert das bestens gelaunte Publikum zwei Zugaben (von Vaclav Trojan und Mozart), und am Ende dieses Abends ist klar: Mit Musikern wie dem Prager Bläserquintett möchte man diese Besetzung gerne öfter hören.
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