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09.11.08
Bewegung, virtuell geklont
Verfilmte Musik im Rahmen der ARD-Hörspieltage
Live-Elektronik, welche dem Bühnengeschehen Musik zuspielt, sodass der Interpret mit dem Computer zu kommunizieren scheint - all das ist gängige Praxis in der neuen Musik.
Der Schlagzeuger Laszlo Hudacsek erweitert Kompositionen von Stockhausen, Xenakis, Steve Reich, schließlich seine eigenen Werke zusätzlich um die visuelle Ebene: Er „verfilmt“ die Musik, und gelegentlich klont er sich selbst – rein virtuell, beim Musizieren.
Dieser originelle Umgang mit der bereits existierenden Kammer-
musik war Teil des Rahmenprogramms der ARD-Hörspieltage im ZKM; die Auffüh-
rung dementsprechend gut besucht. In „Temazcal“ von Javier Alvarez umschreiben die Klänge eine alte, himmelskundige Kultur; sie sind explosiv, rhythmisch – und dabei schreitet Laszlo Hudacsek einmal den gesamten Raum ab mit seinen Maracas. Auf der Leinwand sprühen indessen Feuerbälle wie Leuchtkugeln ineinander, kreisen Planeten und Sonnen umeinander: grell und scharf geschnitten. Dann ein Szenenwechsel: Pyramiden tauchen auf, Bauwerke alter Kulturen, und als die Musik weich und lateinamerikanisch klingt, da findet man auf einem Markt wieder, irgendwo in einer fremden Kultur.
Doch die Bildfolgen sind dicht; fast wird man davon erschlagen – und manchmal hat man das Gefühl, Musik und Bilder heben sich gegenseitig auf.
Die nächsten Stücke gestaltet Laszlo Hudacsek ansprechend und wohldosiert. Sie folgen immer demselben schlichten, aber wirkungsvollen Prinzip: Das Bild des Musizierenden wird entweder ausschnittsweise oder vollständig (und zeitversetzt) auf die Leinwand geworfen; live gespielt wird jeweils eine Stimme, alles andere ist aufgezeichnet und wird parallel zu den Bildern zugespielt. Auf diese Weise scheinen mehrere Personen miteinander zu kommunizieren. Zunächst in Steve Reichs „Music for pieces of wood“, das im Grunde nur aus variierenden Rhythmusketten besteht. Durch die Projektion einer Schlaghand mit den entsprechenden Holzzylindern auf verschiedenen Ebenen streicht Hudacsek die Variationen heraus: Vielleicht ist es gerade die Schlichtheit und Geradlinigkeit dieser Musik, die sich am besten bebildern lässt.
Dasselbe gilt auch für „Musique de Tables“ von Thierry De Mey: Hierbei bearbeitet Hudacsek eine Holzplatte mit Klopfen und Schleifgeräuschen; die Platten sind dabei mit Kontaktmikrofonen verstärkt, und das Bild wird dreimal projiziert, sodass es scheint, als reagierten hier drei Spieler aufeinander. Sie tun dies logischerweise statisch und hölzern, stehen aber dennoch miteinander in Verbindung: Eine Szene voller Komik, auf die das Publikum entsprechend belustigt reagiert.
In „Hommage to Reich“ lässt Hudacsek seine Sequenzen immer wieder Schleifen drehen; sobald eine neue Stimme hinzukommt und sich die Bewegungsrichtung der Musik ändert, variiert auch das Bild: Ein dreidimensionaler Klang also; das Publikum fühlt sich bestens unterhalten.
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