10.12.08
Trompetengala sorgt im Advent für volles Haus
Alison Balsom gibt im Festspielhaus technischen Anschauungsunterricht


Voll besetzte Ränge - und dies bei einer Matinee: Das hat das Festspielhaus noch nicht erlebt. Die junge britische Trompeterin Alison Balsom fand beim anschließenden Künstlergespräch dafür eine einfache wie nahe liegende Erklärung: Es sei eben Weihnachtszeit, und da höre man gerne Trompetenmusik.

Alison BalsomIm 17. und 18. Jahrhundert genossen die Trompeter bei Hofe gar einen Sonderstatus; doch in jener Zeit musste man sich noch
mit begrenzten Naturtonreihen zufrieden geben: Erst um 1800 verfeinerte man die Instrumente derart, dass nun anspruchsvolle Konzerte wie die von Joseph Haydn oder Johann Nepomuk Hummel möglich wurden. Beide sind sie für den damaligen Virtuosen Anton Weidinger und seine selbst entwickelte Klappentrompete geschrieben - mit chromatischen Abstufungen und Tonskalen, wie man sie bislang nur mit Oboe oder Geige spielen konnte.

Alison Balsom, begleitet von der fabelhaften Camerata Salzburg, macht daraus technischen Anschauungsunterricht. Diese junge Dame beherrscht nicht nur ihr schwieriges Figurenwerk, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre – nein, sie greift dazu noch in eine schier unerschöpfliche Klangpalette, und sie tut es mit kühler Überlegenheit. In den langsamen Sätzen beeindruckt Alison Balsom mit grazilen Kantilenen, etwa im „Andante“ des Hummel-Konzerts; die Nocturne-Anmutung zaubert sie mit einem verhangenen Ton, und dieser Ton scheint unendlich biegsam. Solche Passagen wirken bei ihr wie eine schlichte Erzählung, wie ein einfacher Gesang - und was kommt ihr dabei buchstäblich nicht alles über Lippen: Sie lässt den Klang gewissermaßen aus dem Nichts entstehen, mit einem Ansatz, der so perfekt ist, dass man ihn nicht einmal hört. Sie wechselt blitzschnell zwischen behändem Laufwerk, das sie mit Nachdruck anstößt, und fadenfein abgefangenen Phrasen oder sanft angesetzten Tönen, die erst ganz allmählich in stringente Triller münden.

Alison Balsom bedient ihr Instrument so agil, als sei es ein Koloratursopran. Selbst innerhalb des schnellen Laufwerks im Finale des Haydn-Konzerts gelingen ihr noch feinste dynamische Schattierungen, im zweiten Satz schlüpft die Trompete gar in das täuschend echte Klanggewand der Oboe, die mit ihr phasenweise dialogisiert.

Darunter ballt sich eine Energie zusammen, welche die Camerata Salzburg punktgenau zu den Höhepunkten entlädt: Hier spielt ein Orchester, dass sich mitten hineinstürzt ins Sturm-und-Drang-Feuer, das groß gestikuliert und dann die Musik geschmeidig fließen lässt – allen voran Konzertmeister Alexander Janiczek, der nicht nur gewandte Solo-Passagen ins Geschehen einstreut, sondern von seinem Pult aus das Ensemble zudem energisch antreibt.

So ist auch Mozarts Divertimento D-Dur (KV 251) Unterhaltung vom Feinsten: In den Märschen der Ecksätze breitet man eine majestätisch-edle Klangkultur aus, im Rondeau und in den Menuetten entwirft man ein luftiges Geflecht aus Bläsern und Streichern, untermauert mit entschlossenen, manchmal ungestümen Einwürfen. Die D-Dur-Sinfonie KV 504 („Prager“) besticht ebenfalls durch ihre wachsamen Übergänge: Auch hier wird Mozart impulsiv nach vorne gespielt, auch hier wird man vom Temperament der Musiker geradezu überrannt. Erst eine spannungsgeladene Eröffnung, dann ein strömendes Andante; im letzten Satz schließlich gazellenhafte Bläser, die sich gekonnt die Bälle zuwerfen und an den Nahtstellen immer wieder vom auffahrenden Orchestertutti gepackt werden: Ein Programm, das sich zwar in einem begrenzten Rahmen (am Ende einer Epoche) bewegt – und dennoch wechselvoller kaum sein kann.

(Foto: Andrea Kremper; Artikel erschienen am 09.12.08 im Badischen Tagblatt, www.badisches-tagblatt.de)



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