13.02.09
Durch das Brennglas des historischen Klangs
Quatuor Mosaiques spielte im Bruchsaler Schloss


Ein Abend ganz im Zeichen der Jubilare Haydn und Mendelssohn – und dazu noch ein besonderes Sahnestück: Das „Quatuor Mosaїques“ brachte ein Streichquartett des relativ unbekannten Mendelssohn-Zeitgenossen Johann Benjamin Groß mit ins Bruchsaler Schloss. Dessen Werk wird derzeit wiederentdeckt, und so kam das Publikum mit dem f-moll-Streichquartett op. 37 in den Genuss einer Erstaufführung – hinzu kommt, dass der Cellist und Komponist ebenfalls im Jahr 1809 (in Danzig) geboren wurde und somit auch ein Jubiläum hat.

Quatuor MosaiquesMusik der Wiener Klassik und des frühen 19. Jahrhunderts also diesmal auf historischen Instrumenten - mit Saiten aus Naturdarm und dem charakteristisch schlanken, zugespitzten Klang: Das sorgte diesmal im Kammermusiksaal für
den besonderen Farbtupfer.
Die Musiker (Erich Hörbarth und Andrea Bischof, Violinen, und Anita Mitterer, Viola und Christophe Coin, Violoncello) entstammen alle dem Concentus Musicus Wien – jenem Ensemble, das sich mit seinem Dirigenten Nikolaus Harnoncourt als eines der ersten um den „Originalklang“ verdient gemacht hat.

Haydns „Reiterquartett“ op. 74, dessen rhythmisch-bewegte Ecksätze dem Werk den Namen gaben, beeindruckt vor allem durch seine Dichte: Kaum ist der (stürmische) erste Einsatz erfolgt, da lösen sich schon alle Gedanken heraus, geschmeidig und transparent, und sie finden zu einem feinen Stimmengewebe: Das ist größtenteils dem alten Klangbild zu verdanken, denn hier wird nichts eingeebnet oder weich gezeichnet, hier hört man alles wie unter einem Brennglas. Dementsprechend „überhitzt“ klingt die Musik manchmal, aber diese Bestimmtheit gibt dem Ganzen den besonderen Reiz. Über dem Finalsatz liegt ein entfesselter Lauf der ersten Geige; immer wieder fällt man kopfüber hinein in die scharfen Rhythmen und sich gegenseitig ins Wort: Neckisch wirkt das Spiel manchmal; eine einzige, gegenseitige Herausforderung, ein Vibrieren in allen Stimmen. Und dann gibt es da noch diese zarten, spannungsvoll gezogenen Linien im „Largo assai“, und die leisen, mit Nachdruck ausgesungenen Wendungen.

In den Mittelpunkt rückt das Quatuor Mosaїques dann das Streichquartett von Johann Benjamin Groß, und das völlig zu Recht: Denn Groß gilt zwar als „Kleinmeister“, aber keineswegs kleinmeisterlich ist das, was man anschließend zu hören bekommt.

Den  ersten Satz trägt ein erregtes Motiv, das sich an den Unterstimmen auflädt und dann aufgeht in den aufgehellten, weichen Nebengedanken. Der zweite Satz besticht durch seine gedämpften Farben in den mittleren Registern; im Schlusssatz fallen die Stimmen erst einmal ruppig ein, der Satz schraubt sich in die Höhe. Die Dialoge entwickeln sich nicht nur, sondern sie entbrennen, und dann gibt es plötzlich ganz lichte Stellen, an denen alle Spannung abzufallen scheint.

Mendelssohns Es-Dur-Quartett op. 12 bildet den Abschluss: Hier hält die erste Geige alle (Gesprächs-)fäden zusammen, und diese Fäden reißen nie ab. Die Canzonetta, eine Art „Lied ohne Worte“, atmet leicht, ebenso das ausgesprochen lyrische „Andante espressivo“: Ein großer Bogen, eine Erregung, ein plötzlicher Abriss, dann ein wunderbar weich abgefangenes Ende: Auch das ist Spannung pur. Der Finalsatz pocht und fiebert, eine hitzige Diskussion entfacht sich – und plötzlich findet man wie aus dem Nichts zu einem friedvollen Schluss, einer Ruhe, die signalisiert: Nun ist alles gesagt.

Und so werden die vier ihrer selbst ersonnenen Philosophie mehr als gerecht: „In einem Mosaik scheint jedes Detail auf das Wunderbarste durchdacht, das Auge jedoch erfasst es in seiner Ganzheit.“


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