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14.03.09
Akustisches Material - sichtbar und spürbar
Zum achten Mal Festival "Quantensprünge" am ZKM
Zweimal im Jahr ist beim Festival „Quantensprünge“ die Internationale Ensemble Modern Akademie zu Gast am ZKM in Karlsruhe; es sind junge, hochbegabte Musikerinnen und Musiker, die im Rahmen ihres Stipendiums an der Musikhochschule Frankfurt im Masterstudiengang „Zeitgenössische Musik“ studieren.
Dialoge zwischen Instrumenten und Elektronik gehören zum Kern der zeitgenössischen Musik; im Eröffnungskonzert setzten sich die jungen Musiker mit Werken auseinander, welche diese Dialoge in bildhafte Bewegungen übertragen,
sie manchmal sogar mikroskopisch genau unter die Lupe nehmen.
Michael Lévinas sucht in "Les Rires du Gilles" nach dem „Lachen der Musik“, und er lässt sich dabei unter anderem vom Gebrauch der Klarinette im Scherzo des 19. Jahrhunderts inspirieren, beispielsweise in „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ von Richard Strauss. Lévinas setzt Holzbläser ein, dazu ein Horn, Percussion, Elektronik – und manchmal ist es, als wieherten die Bläser über dem dumpfen Raunen und den Schleifgeräuschen, als würden die Melodiemuster gar von den hektisch ausgestoßenen Tönen „beschossen“.
Wie ist die räumliche Wirkung von Tönen, die Perspektive von Klangfarben? Entlehnungen aus der Bildenden Kunst hat es in der Musik immer gegeben; auch bei "Tombeau" von Philippe Hurel drängt sich dieser Vergleich auf, denn das Werk enthält solche Farbkontraste; es entstand zum Gedenken an den Messiaen-Schüler Gérard Grisey, dem Vater der "musique spectrale", der die Töne bis in ihr Innerstes durchleuchtete. Kernstück sind Bewegungen in Klavier und Schlagwerk (besonders dem Vibraphon), die sich ausbreiten und vergrößern, die sich gegen den jeweiligen klangfarblichen Hintergrund absetzen, damit die ganze Spannweite, der gesamte Ambitus hörbar wird. Immer wieder flimmern helle Tonsplitter in dunkle Basslinien hinein, gleichzeitig werden diese Skalen von rhythmisierenden Mustern durchbrochen oder von Akkorden zerschlagen.
Muster und Bewegungen, instrumentale Gesten – darum geht es auch in Fausto Romitellis Trilogie „Professor bad trip“. Es sind klangliche Untersuchungen der Rockmusik, und in ähnlicher Weise setzt Romitelli auch die elektroakustischen Mittel ein: Da werden Celloklänge durch Verstärkung verfremdet, sodass sie beinahe sirenenhaft klingen; hart auffahrende, straff gezogene Streicher sorgen für scharfe Rhythmen. Klänge der E-Gitarre scheinen die anderen Instrumente förmlich anzuziehen und in große Aufwärtsbewegungen hineinzusaugen:
Akustisches Material – hier wird es sichtbar und spürbar.
(Foto: Tom Zielen)
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