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06.04.09
Mit Liszt zur Hochform
Die russische Pianistin Evgenia Rubinova zu Gast im Schloss Bruchsal
Ovationen nach einem Konzert: Das gibt es, trotz zuverlässig hoher Qualität, selten bei den Bruchsaler Schlosskonzerten. Erstaunlicherweise aber wurde dieser begeisterte Applaus nun einer Künstlerin zuteil, deren Programm zuvor einige Schwächen aufgewiesen hatte. Die junge russische Pianistin Evgenia Rubinova setzte gegen Ende ihres Programms aus romantischen Fantasien (darunter Schumanns „Kreisleriana“) mit Liszts hochvirtuoser Ungarischer Rhapsodie Nr. 2 jedoch einen solch fulminant-akrobatischen Akzent, dass die Zuhörer schon während des Spiels ungläubig den Kopf schüttelten. Werden Liszts wahnwitzige Figuren auch nur einigermaßen souverän über die Bühne gebracht, kann der Abend eigentlich nur zum Erfolg werden.
Davor jedoch gab es einige Strecken, die seltsam distanziert wirkten – vor allem im ersten Teil. Die „Kreisleria-
na“ von Robert Schumann ist ein Psychogramm des launischen und ekzentrischen Kapellmeisters Kreis-
ler (aus den „Lebensansichten des Katers Murr“ von E.T.A. Hoffmann). Die einzelnen Fantasien überbieten sich gegenseitig an wilder Erregung, zwischendurch gibt es immer wieder Ruhepole, in denen jede Spannung abfällt. Bereits der Beginn ist ein wildes Jagen und Rasen; Evgenia Rubinova
zeichnet diese Erregung trotz Atemlosigkeit im Spiel jedoch nicht scharf genug; sie ebnet vieles ein, es fehlen die deutlichen Akzente, die großen Entwicklungen.
Das ist möglicherweise auch auf eine anfängliche Unsicherheit zurückzuführen – doch schnell wird klar, dass sich ihr Spiel hauptsächlich in diesem Rahmen bewegt.
Sicher, es gibt schöne Momente: Beispielsweise die runden, obertonreichen Läufe, die Abstufungen im Anschlag, dazu ein Kontrast aus völliger Befriedigung, ja Tonlosigkeit - neben einer Atmosphäre aus aufgeregtem Umhertreiben, bei dem man manchmal das Gefühl hat, dass die Themen voreinander die Flucht ergreifen.
Insgesamt klingt Rubinovas Spiel aber nicht nach einer wirklich tiefen, authentischen Empfindung: Die Kreisleriana hat eigentlich groteske, gespenstische Momente; daneben Lyrik, die musikalisch von einem großen Ein- und Ausatmen lebt – und es fehlen eben genau diese Kontraste, die für wirklich ergreifende Momente sorgen. Dazu passt ins Bild, dass die Russin in Skrjabins h-moll-Fantasie op. 28 das ausgesprochen schöne melodische Material nur streift: Es schimmert zaghaft hindurch, wird aber nicht voll ausgekostet.
Nach der Pause taut Evgenia Rubinova dann sichtlich auf; man merkt dies schon im ersten Capriccio der Fantasien op. 116, die zu den letzten Werken von Johannes Brahms zählen und ebenfalls gewaltige Kontraste aus vorwärts drängender Energie und großer Poesie zeigen. Jetzt wirkt Rubinova beherzter; ihre Figuren rollen in großen Wellen heran, dann folgt ein leises Ausruhen, es gibt zarte, lichte Momente – und sie versteht es auch, Wiederholungen dramaturgisch zu steigern. Dennoch: Es bleibt - trotz großem Applaus und der bereits erwähnten Zugabe – insgesamt der Eindruck, dass an diesem Abend zum ganz großen musikalischen Erlebnis etwas fehlte.
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