25.05.09 Musette, Melancholie und Meister-Improvisationen Das Beni Schmid Trio spielt gekonnt mit Klassik und Jazz
Sogar Bachs E-Dur-Partita (BWV 1006) hat diesen gewissen Unterton, diesen zigeunerischen Schwung: Wenn der Geiger Benjamin Schmid aufs Podium kommt und sich nonchalant zwischen verschiedenen Stilepochen bewegt, wenn er dann noch sämtliche Grenzen aufhebt und zeigt, dass sich Barock und Jazz gar nicht so fremd sind, weil sie von Improvisationen leben und den Rhythmus ins Blickfeld rücken – spätestens dann spürt man, dass hier mehr passiert als bei sonstigen Kammerkonzerten. Etwas, das über lebendige Interpretationen und Musiker-Dialoge hinausgeht - denn das Beni Schmid Jazz Trio tritt gleichzeitig auch in einen Dialog mit dem Vergangenen.
Es war ein „Schmankerl“ zum Abschluss der diesjährigen Konzertreihe im Schloss Bruch-
sal: Drei Wiener Musiker auf den Spuren des Geigers Fritz Kreisler, der einzelnen Werken durch Improvisationen jeweils eine persönlichen Note gab. Und die-
se Spuren führen schließlich zu Django Reinhardt und Stéphane
Grappelli, jenen legendären Musikern, die in den dreißiger Jahren Jazz, Walzer und Zigeunermusik zur unverkennbaren Klang-Erotik des „Gipsy Swing“ vereinten.
Neben Benjamin Schmid (der noch mit Grappelli auf der Bühne stand) sorgt der ebenso versierte Kontrabassist Georg Breinschmid für diese Finessen: Er komponiert für das Trio und begann seine Musiker-Laufbahn an der Staatsoper Wien und bei den Wiener Philharmonikern. Der erst 19jährige, hoch talentierte Gitarrist Diknu Schneeberger macht das Ensemble schließlich komplett.
Drei Saiteninstrumente (die je nach Bedarf elektronisch verstärkt werden), ein minimales Fundament: Das ergibt ein luftiges, filigranes Klangbild; eines, das jederzeit in alle Richtungen zugespitzt werden kann - etwa bei den Reflexionen über Bach, wo das Trio mit dem barocken Material spielt, es zunächst wild antreibt, harmonisch einfärbt oder mit ausgedehnten Glissandi abschleift.
Manchmal klagt oder schreit die Geige, dann stürzt sie sich in virtuose Kaskaden, und daneben bewegt sich Georg Breinschmid mit katzenhafter Geschmeidigkeit an seinem Kontrabass. Er fährt mit spontanen Gesten dazwischen, zieht immer wieder die Aufmerksamkeit auf seine raffinierten rhythmischen Figuren.
Von Breinschmid stammen Stücke wie „Musette pour Elisabeth“ oder „Quartier Latin“, die so wunderbar nach Kaffeehaus-Charme und französischem „Savoir vivre“ klingen: weich, manchmal melancholisch, mit federleichten Rhythmen. In diesem geschmeidigen, runden Fluss bewegt sich das Trio den ganzen Abend; dieser Fluss wird nur manchmal aufgebrochen durch Effekte wie ein hartes Stegspiel oder extrovertierte Rhythmen. In „Prélude, Allegro & Surprise“ (nach Fritz Kreisler) schimmert Vertrautes durch; Zitate aus der Klassik, die erst behutsam anklingen, dann immer wieder verhuschen - und schließlich doch noch preisgegeben werden: Jawohl, es ist das Mendelssohn-Violinkonzert.
Den Abend beenden die drei mit einer Hommage an das Duo Reinhardt/Grappelli, die unter anderem auch Evergreens wie „Night and Day“ oder „Honeysuckle Rose“ im Repertoire hatten: Wieder dieses eloquente Umherflirren, dieser sinnierende Ton in Violine und Gitarre: Das Publikum ist begeistert und bekommt als Zugabe ein beschwingt-wienerisches Heurigen-Lied für den Heimweg.
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