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06.06.09
Jeanne d´Arc in der Verklärung
Derzeit am Badischen Staatstheater: Arthur Honeggers "Johanna auf dem Scheiterhaufen"
Das Vorspiel schwillt düster an, und in diese Düsternis hinein klagt der Chor über Frankreichs Zerrissenheit im Hundertjährigen Krieg. Später, als man Johannas Flammentod fordert, da wirkt es, als züngelten die Stimmen wie ein Feuer, das sich langsam ausbreitet und sich durch ihren Körper frisst.
Bildhaft ist die Musik zu „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ des Schweizer Komponisten Arthur Honegger, angereichert mit Anlei-
hen aus Jazz und Gregorianik, mit barocken Tänzen, Lautmalereien: Ein szenisches Oratorium auf der Grundlage eines Textes von Paul Claudel; ein Werk, das Elemente des Mysterienspiels, des antiken Dramas und der Oper in sich vereinigt und das derzeit in einer Inszenierung von Achim Thorwald am Badischen Staatstheater zu sehen ist.
Es ist eine einzige Hinrichtungsszene mit Rückblenden: Johanna erwartet ihren Tod - da kommt Bruder Dominik, Gründer des Dominikaner-Ordens, vom Himmel herab, und gemeinsam blicken sie zurück. Nun erfährt Johanna erneut ihre Verleumdung, sie hört von fern die Worte der Heiligen Katharina und Margarethe, die sie einst in ihrer Mission bestärkten.
Der Bühnenraum (Manuela Weilguni) wird begrenzt durch Chorgestühle, die sich rechts und links aufreihen; auf der Hinterbühne agiert die Badische Staatskapelle unter der sorgsamen Leitung von Daniel Carlberg: Das ergibt es fein ziseliertes Klangbild, das einzelnen die Szenen einrahmt und jede Regung, jede Farbnuance (das Orchester ist bereichert um drei Saxofone, zwei Klaviere und das elektronische Ondes Martenot) sorgsam herausstreicht.
Schlaglichtartig werden nun die Schlüsselszenen in Johannas Leben aneinander geschnitten; Zentrum ist eine Gerichtsverhandlung, in der die Priester zu Tieren demaskiert sind – mit einem Schwein als Vorsitzenden (in Anlehnung an Pierre Cauchon, den Bischof von Beauvais) und mit Schafen als Beisitzer: Groteske, zu Fratzen verzerrte Gesichter sind es, die hier das Urteil fällen. Dieses Element ist hoch politisch, denn es ist Symbol von Unmenschlichkeit und Unterdrückung; es zeigt, wie durch Torheit und Habgier Menschen zu Bestien werden. Eine besondere Brisanz erhält das 1938 uraufgeführte Werk dadurch, dass es im Jahr 1941 mit großem Erfolg durch mehrere Städte des unbesetzten Frankreichs tourte.
Doch gerade diese Brisanz fehlt in Thorwalds Inszenierung. Zwar wird die entscheidende Szene bewusst ins Lächerliche gezogen, aber im Ganzen wirkt sie dann doch eher harmlos und komisch. Diese Komik mag an anderer Stelle durchaus sinnvoll sein: etwa beim Auftritt der fülligen, rebengeschmückten Mutter Weinfass und des mit weißer Zipfelmütze bekleideten Gevatters Mühlenwind – als Symbol für die Vereinigung von Süd- und Nordfrankreich. Doch gerade für die politischen Aussagen hätte man sich etwas mehr Schärfe gewünscht.
Das Ensemble der Sänger (erwähnenswert vor allem die Kinderstimme von Lukas Siebert) und Tänzer agiert durchweg auf solidem Niveau; besonders herausragend ist der Chor, bei dem man dank der besonderen Aufstellung sämtliche Feinheiten wahrnimmt. Ein wenig blass bleibt allerdings Jochen Neupert als Bruder Dominik, Isa Weiß jedoch verkörpert ihre Jeanne d`Arc mit Nachdruck, Entschlossenheit und großer Präsenz; sie lauscht bei manchen Erinnerungen geradezu in sich hinein - etwa bei der einfachen Volksweise, die Johanna an ihre Kindheit und den Frühling (ein Zeichen von Hoffnung und Neuanfang) erinnert. Und sie geht ergriffen aus sich heraus, weil sie nicht verstehen kann, wofür sie eigentlich verurteilt wird.
Als dann die Bühne flammend rot leuchtet und Johanna ihre Ketten sprengt, da ist es, als würde sie mit den Bewegungen des Orchesternachspiels nach oben gerissen.
(Foto: Jacqueline Krause-Burberg)
Termine: heute, Samstag, 06.06., 19.30 Uhr; Sonntag, 21.06., 19 Uhr; Sonntag, 28. 06. 20 Uhr
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