29.09.09
Mit lässigem Charme
Frank Düpree spielte beim Eröffnungskonzert der Weingartner Musiktage


Frisch, jung, spritzig – einen solchen Anstrich gaben sich die „Weingartner Musiktage“ mit neuem Marketing-Konzept und neuer Geschäftsführung schon im Vorfeld, und in dieser Frische zeigten sich vor allem auch die Musiker beim Eröffnungskonzert in der Evangelischen Kirche.

Frank Düpree, Kammerorchester der Weingartner MusiktageGleich zu Beginn traten Heinz Hüttner (Mitglied des Vorstands) und Reinhold Friedrich (künstlerische Leitung) als launiges Duo aufs Podium: „Werden Sie Mitglied, falls
Ihnen das Programm gefällt“ ermunterte Friedrich die zahlreichen Gäste, „und wenn nicht, dann werden Sie erst
recht Mitglied, und sorgen da-
für, dass das Programm besser wird“.
Dass die Darbietungen an Farbigkeit und Spritzigkeit aber zunächst einmal keine Wünsche offen ließen, war den jungen Interpretinnen und Interpreten zu verdanken: Dem Kammerorchester der Weingartner Musiktage, das sich vorwiegend aus jungen Studierenden der Musikhochschule Karlsruhe formiert, dazu dem jungen Rastatter Meisterpianisten Frank Düpree - und sie spielten unter dem umsichtigen Dirigat von Sebastian Tewinkel, dem zweiten künstlerischen Leiter des Festivals, der dem Orchester staunenswert luftige und geschmeidige Klänge entlockte.
Mit Arvo Pärts „Fratres“ (in der Fassung für Streicher und Schlagzeug) schweben sie ein; das 1977 entstandene Stück wird gerne bedient, wenn es darum geht, Atmosphäre zu schaffen und Verbindungen zwischen Altem und Neuem zu suchen. Denn diese leere Bordunquinte, diese ruhigen Bewegungen im ewigen Fluss – all das hat eine Ordnung, aus der sich anschließend nahezu alles entfalten kann. Zum Beispiel Mozart, dessen Sinfonie Nr. 29 A-Dur für die heitere und gelöste Note sorgt: Das Werk lebt von markanten Gegenüberstellungen in den Orchesterblöcken, von impulsiven Kräften, und dennoch kommt es darauf an, kammermusikalisch durchlässig zu musizieren. Den jungen Musikern gelingt das in einer bemerkenswert runden Gestik, in einem weichen Klangbild, aus dem selbst aufsprühende, explosive Bewegungen nie herausfallen.

Reinhold FriedrichWitz, Ironie, liebenswerte Plattheiten und vor allem gro-
ßes virtuoses Geschick vereint schließlich das Konzert für Klavier, Trompete und Streicher von Dmitri Schostakowitsch (1933), der hier noch unbekümmert aufschrieb, bevor ihn die russische Öffentlichkeit verumglimpfte. Das Klavier steigert sich hier in gewaltige Drehmomente hinein, mit sei-
nen akkordischen Passagen
und hart nach vorne preschenden Läufen bringt es erst die Szene zum Brodeln, erholt sich dann, beschwichtigt, atmet leicht. Zart verhuschte Linien werden hier sinnig ausgekostet, ebenso die feinen Streicher-Teppiche, die manchmal eine süßliche Färbung tragen.

Frank Düpree, der 17jährige preisgekrönte Solist, sitzt mit lässigem Charme am Klavier und arbeitet sich völlig unangestrengt durch diese Partitur. Mit den Läufen und Akkordfolgen spielt er so galant, als gäbe es nichts Leichteres; zwischen ihm und Reinhold Friedrich (dem die humorig-derben Trompeten-Kommentare zugedacht sind) entwickelt sich ein unterhaltsames Geplänkel, die zwei, so denkt man, haben es faustdick hinter den Ohren.

Ein Konzert, das in eineinhalb Stunden sämtliche Geschmacksrichtungen bedient und dem Publikum reichlich Gelegenheit gibt, am Ende einen jungen Virtuosen lautstark zu feiern: Der Auftakt zu den diesjährigen Weingartner Musiktagen ist schon mal bestens geglückt. (s. auch "Bericht"; 08.09.09).


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