12.01.10
Satter Wohlklang, sprühendes Temperament
Das Tecchler Trio zu Gast im Bruchsaler Schloss


Erst seit 2003 spielen sie zusammen – und seitdem hat das junge Schweizer Tecchler Trio (benannt nach dem Geigenbauer David Tecchler) eine eindrucksvolle Karriere beschritten, mit dem ersten Preis beim Münchner ARD-Wettbewerb (2007) als vorläufigem Höhepunkt.

Tecchler TrioAuch das Publikum im Bruchsaler Schloss ließ sich anstecken vom sprühenden Musiziergeist der drei, von der edlen Klangkultur vor allem der beiden Streicher.
Mit Josef Suks „Elegie“ (in der Fassung für Violine, Violoncello
und Klavier) beginnt das Trio diesen stimmungsreichen Abend. Selten
zu hören sind hierzulande die Wer-
ke des böhmischen Komponisten, der zugleich Schwiegersohn von Antonin Dvorak und Großvater des Geigers Josef Suk war.
Suk schrieb diese „Elegie“ (ursprünglich mit Streichquartett, Harfe und Harmonium als Begleitung) zu einer Bildpräsentation bei der Trauerfeier für den böhmischen Nationaldichter Julius Zeyer: Sagengestalten aus dessen Verszyklus „Vysehrad“ hatte man zu einem „tableau vivant“ arrangiert.

Behutsam entwickelt sich die Musik; die Violine schwingt weit aus – so, als suche sie sorgfältig nach Worten für alle weiteren Gedanken. Esther Hoppe, deren Fähigkeit zum geschmeidigen Legato schon in diesen ersten Tönen hörbar wird, nimmt alles unter einen einzigen Atem. Sie hält ihren Ton beweglich, er scheint unendlich formbar.
Dann greift Maximilian Hornung ins Geschehen ein, und die beiden finden zu einem Dialog, an dem sie sich weiter entwickeln: Nachdenklich und innig werden sie, später dann bricht alles mit ungeheurer Schubkraft aus ihnen heraus – vor allem Maximilian Hornung besticht hier mit seiner impulsiven Energie, die er schon im nächsten Moment wiederum in pure Sanglichkeit verwandelt.

Hier zeigt sich bereits die Stärke dieses Trios: Eine perfekte Legierung zwischen den beiden Streichern. Das Klavier aber fällt leider oftmals aus dieser Einheit heraus; zwar schöpft  Benjamin Engeli aus einer reichen Palette an Möglichkeiten, und er treibt die beiden an mit großen Gesten, wechselt blitzschnell Farbe und Stimmung. Dabei aber bringt der zur pastosen Klangfülle neigende Pianist seine beiden Mitspieler oftmals unter Zugzwang; er drängt sie bis an ihre Grenzen, sodass manchmal kaum noch Entwicklungen möglich scheinen.

Doch das Temperament der drei jungen Musiker, das gegenseitige Anstacheln, das Selbstbewusstsein und das genießerische Auskosten in den Solo-Passagen – all das kommt ihnen im Kopfsatz des Beethoven-Trios D-Dur op. 70 („Geistertrio“) zu Gute. Mit dem ersten Takt erbebt hier alles; hier stürzen sich die drei hinein ins Sturm-und-Drang-Feuer, hier perlen, sprechen und singen die Phrasen.
Der fast durchweg cremige, gesättigte Wohlklang der beiden Streicher führt aber dazu, dass die jungen Musiker ausgerechnet jenem Satz nicht ganz gerecht werden, der dem Werk im Nachhinein seinen Namen gab: Pochen, klirren und fahl schimmern muss das „Largo“; beim Tecchler Trio jedoch klingt es allenfalls statisch, gelegentlich unerbittlich, an manchen Stellen auch hart und scharf  - aber es fehlt Schauerliche, das „Geisterhafte“.

Dvoraks „Dumky Trio“ – eigentlich eine Folge von sechs Einzelsätzen – verbindet Leidenschaft und Klangsinnlichkeit. Die „Dumka“ ist ein ukrainisches Erzähllied, ein „Gedanke“, und diese Gedanken reichen vom ausgedehnten Gesang bis hin zum lebhaften, erregten Aufstampfen. Reizvoll sind die Wendungen und Trübungen, welche die Szenen immer wieder  in ein gedämpftes Licht tauchen oder mit einem diffusen Schimmer überziehen. Das „Dumky Trio" ist ein publikumswirksames Stück; nicht von ungefähr gehört es zum Standard-Repertoire.
Erwartungsgemäß groß ist die Begeisterung am Ende des Abends; das sympathische Tecchler Trio bedankt sich mit einer Romanze von Sergej Rachmaninow.
(Foto: Sonja Werner)


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