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25.02.10
Dinner für Händel
Musikalisches Festmenü für den barocken Meister im Badischen Staatstheater
Gerade jährte sich Händels Geburtstag zum 325. Mal, die Internationale Händel-Akademie wird in diesem Jahr 25, ebenso die Deutschen Händel-Solisten, und die Karlsruher Händel-Gesellschaft feiert immerhin ihr 20jähriges Bestehen. Grund genug also für ein üppiges musikalisches Geburtstagsdinner im Rahmen der Händel-Festspiele.
Maßvolle Zurückhaltung war seine Sache nicht, und insbesondere
über Händels Hang zum Genuss ranken sich allerlei Anekdoten: Beispielsweise soll er einmal ab-
rupt eine Abendgesellschaft verlassen haben, um rasch eine angebliche Idee zu notieren. Als er jedoch nach längerer Zeit nicht wieder erschien, machten sich einige Gäste daran, ihn in seinen Gemächern zu suchen. Sie blick- ten durchs Schlüsselloch - und da saß Händel und schlürfte genüsslich eine Flasche Portwein, den er ganz offensichtlich nicht mit seinen Gästen teilen wollte.
Achim Thorwald, Generalintendant des Badischen Staatstheaters, und Peter Overbeck, Vorsitzender der Karlsruher Händelgesellschaft, waren sich deshalb völlig sicher, "dass es Händel heute bei uns gefallen hätte".
Im Schauspielhaus tafelten die Gäste bei Antipasti, Lachsfilet und Tiramisu - vorne, auf der Bühne, spielten die Musiker vor der Kulisse eines barocken Lustgartens; üppige Lüster erleuchteten die Szenerie.
Wie "jung" Händel trotz seiner 325 Jahre in Wirklichkeit sei, so Thorwald, beweise zum Beispiel das Gastspiel "Rinaldo" - als eine Produktion der Musikhochschule Frankfurt wird sie ausschließlich von Studierenden gestaltet. Auch die Händel-Gesellschaft pflege mit ihrer Jugendreihe die Auseinandersetzung junger Leute mit barocker Musik, erklärte Bürgermeister Wolfram Jäger. Und gar zu einem "Leitstern der deutschen Feuilletons" sei die erfolgreiche Produktion "Radamisto" des Badischen Staatstheaters geworden.
Günter Könemann, ehemaliger Intentant des Staatstheaters und einst Initiator der Händel-Festspiele, kam als Festredner gleich mit einem Glas Rotwein auf die Bühne, um zuallererst einen Toast auf den barocken Meister auszusprechen. Dann plauderte er über seine Erfahrungen mit Händels Musik während seiner Zeit als Intendant; er betonte, wie wichtig in Karlsruhe der Austausch zwischen Professoren und Studierenden (an der Händel-Akademie) sei, wieviel Wert man zudem auf die Verbindung zwischen Zeitgeist und historischem Wissen lege.
Dazu passt auch, dass man sich in an der Händel-Akademie in diesem Jahr erstmals auch mit der Aufführungspraxis der Frühromantik beschäftigt - und so legten die Dozenten der Akademie in ihrem musikalischen Teil unter anderem den Schwerpunkt auf Louis Spohr und Robert Schumann.
Schumanns "Märchenerzählungen" und die "FAE-Sonate" wirken auf historischen Instrumenten spröder, markanter, aber auch transparenter als gewohnt; diese Interpretation steht dem Deklamieren näher als dem lyrischen Aussingen, und so hörte man die Werke an diesem Abend völlig anders.
Problematisch war jedoch der Umstand, dass die Musik gewissermaßen als Begleitung zum Dinner fungierte. Denn das hatte zur Folge, dass man sich mit dem Programm ganz offensichtlich übernahm: Trotz einiger lebendiger Dialoge, beispielsweise zwischen Bläsern und Streichern im "Andante con variazioni" von Louis Spohr (nach einem Thema von Händel), blieb der Eindruck, dass sich Dozenten der Händel-Akademie wenig Zeit zum Proben genommen hatten. Unstimmigkeiten, Intonationationsprobleme und etliche Schnitzer, unter anderem in der Solo-Violine (Anton Steck), trübten deshalb den Gesamteindruck.
Auch bei den Deutschen Händel-Solisten, (die im Rahmen des Geburtstagsdinners gleichzeitig auch ihr diesjähriges Kammerkonzert bestritten) gab es Unsauberheiten, ebenfalls vor allem in der Violine (Andrea Keller). Doch der gemeinsame Musiziergeist und die lebendigen Stimmungswechsel machten vieles wett - unter anderem das Sinnieren von Violine und Viola in Telemanns Trio-Sonate h-moll (Largo), der gemessene, feierliche Ton im Andante, und die verhaltene Freude im abschließenden Allegro. Eloquent flicht zudem Sören Leupold (Barocklaute) seine Melodiefäden in das gefällig-charmante "Concerto-F-Dur" von Karl Kohaut, und auch die abschließende "Sonata-G-Dur" von Händel klingt genauso farbig, wie zuvor von Gerhart Darmstadt (Violoncello und Moderation) angekündigt: zunächst nach einem "legalen Rauschmittel", später nach einem eher schlichten Gemüt - und zum Schluss kommt das ausgleichende Moment hinzu, das die Zuhörer in "weitere wohlgefällige Lustbarkeiten" entlässt: Auch kurz vor Mitternacht war das Händel-Dinner noch in vollem Gang.
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