02.03.10
Leuchtkraft im geschmeidigen Fluss
Das Mandelring Quartett und die Perkussionistin Katarzyna Mycka in Bruchsal


Katarzyna MyckaAllein das fließende Zusammenspiel und die Farbpalette des Mandelring-Quartetts waren schon eine Klasse
für sich. Doch zudem bereicherte die junge Perkussionistin Katarzyna Mycka das Konzert im Bruchsaler Schloss – und damit wurde der Kammermusikabend unbestritten zu einem vorläufigen Saison-Höhepunkt. Denn so wunderbar, wie sich Mendelssohn, Débussy und die spanisch-lateinamerikanischen Klänge von Emmanuel Séjourné oder Ney Rosauro ergänzten (nicht zuletzt deshalb, weil auch Débussy mit dem spanischen Kolorit spielte), so apart wurde der Klang des Streichquartetts aufgebrochen durch die Marimba, deren Möglichkeiten unter den Händen der polnischen Meisterinterpretin nahezu grenzenlos schienen.

Man muss Katarzyna Mycka nur bei der Arbeit zusehen. Wie energisch sie ihr Terrain abschreitet, wenn sie ihre Schlägel mit sportlichen Armschwüngen von den dunklen Bass-Regionen bis ins oberste Register zieht. Dynamisch wirkt sie, und trotzdem sind alle ihre Bewegungen behutsam und kontrolliert; mit katzenhafter Geschmeidigkeit bewegt sie sich an ihrem Instrument. Musikalisch bedeutet das: Perfekte Bögen, runde Phrasen und dazu Töne, die so gleichmäßig aneinander gereiht sind wie Perlen auf einer Schnur.

Mandelring QuartettGleiches gilt auch für das Mandelring Quartett (Sebastian Schmidt und Nanette Schmidt, Violinen, Roland Glassl, Viola und Bernhard Schmidt, Violoncello). Die erste Violine ist die treibende Kraft im Kopfsatz von Mendelssohns drittem Streichquar-
tett - und hier springt vor allem die Homogenität des Ensembles ins Auge: Mögen die Stimmen noch so aufgerüttelt und bewegt klingen, mögen sie noch so sehr in Grund und Boden erschüttert werden - immer fließt alles in einer konzentrierten Spur, immer ist der Ton rund und ausgewogen. Diese Leichtigkeit, diese Selbstverständlichkeit kommt den schnellen Wechseln sehr zu Gute: Auf straff gezogene Bögen folgt erzählerischer Charme, auf dramatische Ausbrüche folgt der stille Rückzug - oft überraschend, urplötzlich.
Im Quartett g-moll von Débussy (op. 10) überraschen die vier dann vor allem durch eine ungeheure Leuchtkraft: Wie durch ein Prisma wird die Musik aufgebrochen, entwickelt sich in tranparenten Linien. Man hört sinnierende, lyrische Einzelstimmen, zum Schluss geheimnisvolle Schattierungen und wildes, schwindelerregendes Jagen.

Zwischendurch gesellt sich Katarzyna Mycka dazu. Es ist der Musikerin ein großes Anliegen, die Marimba als Solo-Instrument populär zu machen - unter anderem durch ihre Arbeit an der "Internationalen Katarzyna Mycka Akademie".
In den Konzerten für Streicher von Emmanuel Séjourné (einem französischen Komponisten und Perkussionisten) und dem aus Brasilien stammenden Ney Rosauro kommen diese Qualitäten nun ideal zum Ausdruck: Viel Rhythmus, dazwischen weiche, melancholische Linien - die Marimba, das Schlaginstrument, zeigt hier plötzlich ihre sanglichen Qualitäten. Außerdem ist der Klang eine Bereicherung innerhalb dieser Besetzung: Mit ihrem gedämpften, glockigen Ton hüllt die Marimba den Streicherklang ein oder flackert als Gedankenblitz dazwischen; im Rosauro-Konzert hält man sogar kurz den Atem an, denn wie aus dem Nichts haucht die Interpretin hier eine zarte, helle Linie in den Raum: Großartig!

Hinzu kommt, dass lateinamerikanische Klänge eigentlich immer ein Garant für gelungene Abendunterhaltung sind - und so waren sie an diesem Abend das Sahnehäubchen auf einer ohnehin großartigen Darbietung.


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