03.03.10
Mit Witz, Charme und saftigem Sound
Thomas Quasthoff mit "JazzNight" im Festspielhaus Baden-Baden


Thomas Quasthoff, wie man ihn im Festspielhaus noch nie erlebt hat: Nicht mit Klavierbegleitung oder Barockorchester, sondern mit Piano, Gitarre, Bass und Schlagzeug: Als "JazzNight" war dieses Konzert angekündigt, doch ganz so eng durfte man das nicht sehen. Quasthoff sang, wozu er Lust hatte: Das gut zweistündige Programm war ein bunter Mix aus Pop, Blues und Soul, zumeist Quasthoffs Lieblings-Songs, darunter "Rainy night in Georgia", "Tell it like it is" oder "Imagine" - das Publikum sollte einfach "Spaß haben, so wie wir."

Thomas Quasthoff, JazzNight, Festspielhaus Baden-BadenThomas Quasthoff - das kann man immer wieder hören - ist mit sämtlichen musikalischen Stilrichtungen groß geworden und dementsprechend aufgeschlossen. Doch an einen Sänger, der hauptsächlich bei Schuberts Winterreise und Bachs Kantaten zu Hause ist und mit derartigen Ausflügen gerne seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen möchte - an einen solchen Sänger stellt man selbstverständlich nicht dieselben Erwartungen wie an einen Künstler, der sich ausschließlich in der Pop- oder Jazz-Szene bewegt.

Es überwog an diesem Abend zwar der saftige Sound, der dem Publikum kräftig einheizte, aber man vermisste - bis auf einige wenige Ausnahmen - die wirklich ausgefeilten Arrangements, die originellen Improvisationen, bei denen einem normalerweise Hören und Sehen vergeht. Die Instrumentalisten, eigentlich Vollblut-Jazzer (unter anderem in der WDR-Bigband) wählten einen Weg, bei dem man nicht allzu viel falsch machen kann.
Und so blieb als Gesamteindruck: Hier sind Musiker, die ihrem Publikum einfach ein paar Stunden Abendunterhaltung bieten wollen; obendrein garniert mit Conferencen, in denen Quasthoff seine Qualitäten als Entertainer ausspielt: Er plaudert von seinen Tour-Erlebnissen, von Köln, Wien, Dresden und Berlin, und er springt dabei jeweils in den ortsüblichen Dialekt. Er flicht aktuelle Fußball-Ergebnisse ein (immer ein dankbares Thema), um dann mehr oder weniger elegant den nächsten Song anzumoderieren: Lacher und Begeisterung im Saal, das Festspielhaus-Publikum ist leicht um den Finger zu wickeln.

Quasthoff dreht mächtig auf, und dabei spielt er immer wieder mit dem Louis Armstrong-Sound; er zieht die Melodiebögen straff, er umschmeichelt die Hauptlinie, wie man das in diesem Genre erwartet, und er tut es mit einer blitzsauberen Höhe und einer eindrucksvollen Tiefe: Keine Frage, der Sänger beherrscht sein Handwerk. Abgesehen von kleinen Einwürfen, bei denen er mit viel Vibrato seine eigene Zunft karikiert, ist vom Opern- und Konzertsänger an diesem Abend nichts zu hören.
Doch echte Farbtupfer in diesem Programm sind vor allem die Ruhepunkte, die sanften Balladen, die insgesamt viel differenzierter und raffinierter dargeboten werden als der Rest des Programms. Da hört man feinfühlige Gitarrensoli (Bruno Müller), leicht hingeworfene Gesangslinien, zartes Säuseln im Piano (Frank Chastenier), luftige Rhythmen (Schlagzeug: Wolfgang Haffner).
Zwischendurch kommen auch Momente, in denen sich die Musiker völlig verausgaben - Momente, die man gerne öfter hören möchte: Da agiert Chastenier wie elektrisiert am Piano, nichts hält ihn dabei auf seinem Sitz. Dieter Ilg bewegt sich meisterhaft an seinem Bass; er schwingt sich virtuos, quirlig und beweglich von Linie zu Linie, und Thomas Quasthoff zeigt in einer Solo-Improvisation, wie gekonnt er mit Lautmalereien jongliert.
Zum Abschluss gibt es das gefühlvolle (und in einem solchen Programm fast obligatorische) "Ain´t no sunshine" von Bill Withers - klar, schlicht und makellos gesungen.

Insgesamt ein gelungener Abend; das Festspielhaus-Publikum war begeistert - aber es war kein besonderes Glanzlicht, wie man es von Quasthoff normalerweise gewohnt ist, wenn er Klassik singt.
(Foto: Michael Grigonowits)



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