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14.04.10
Mit Funkeln und mit Charme
Lieder von Mendelssohn und Fanny Hensel bei der Schubertiade Ettlingen
Von Christine Gehringer
Noten in Druck zu geben - das ist mit öffentlicher Aufmerksamkeit und im besten Fall auch mit einem Einkommen verbunden. Im 19. Jahrhundert, zu Lebzeiten der Geschwister Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy, war dies für Frauen jedoch undenkbar. Auch Fannys Vater hatte zu den musikalischen Ambitionen seiner Tochter eine kritische Haltung, auch wenn Carl Friedrich Zelter der überragenden Pianistin beispielsweise bescheinigte, sie spiele "wie ein Mann".
Jahre später ringt sich Fanny dann zur Veröffentlichung der eigenen Werke durch; der Bruder gibt schließlich seinen "Handwerkssegen". Ihr Oeuvre enthält unter anderem auch etliche Lieder, die nun - gemeinsam mit den Werken ihres Bruders Felix - im Ettlinger Schloss zu hören waren.
Es sind meist schlichte, liedhafte Melodien - doch unter diesen Melodien pocht, funkelt und brodelt es. Diese Palette machen die Sopranistin Birgid Steinberger (die unter anderem dem Ensemble der Wiener
Staats- und Volksoper angehört), dazu der Bariton Hans Christoph Begemann und am Klavier der "Hausherr" Thomas Seyboldt gleich zu Beginn deutlich: Das "Abendlied" eröffnet die erste Liedgruppe nach Gedichten von Heinrich Heine; die Melodie wogt sanft, sie schmeichelt - und die Stimmen klingen dabei weich, homogen, schlank. Fast wirkt es, als wollten Birgid Steinberger und Hans Christoph Begemann ihr Publikum leise in den Schlaf singen.
Anschließend zeichnen die Sopranistin und Pianist Thomas Seyboldt die Atmosphäre des wohl populärsten Mendelssohn-Liedes - "Auf Flügeln des Gesanges" - mit einer ansprechenden lautmalerischen Farbigkeit nach: mit behutsamen, spannungsvollen Zäsuren und mit verträumter Hingabe; die letzten Worte ("und träumen seligen Traum") werden von Birgid Steinberger geradezu genießerisch eingesogen. Ihre helle, leichte Stimme klingt in der Höhe silbrig und schlank - nur manchmal, bei höherer Lautstärke, schleicht sich eine leichte Härte ein.
Im "Im Morgengruß" spielt dann Hans Christoph Begemann seine klanglichen Nuancen aus. Kraftvoll und strahlend sieht man zunächst die Sonne über dem Berg steigen, später ändert sich die Stimmung: Der Wanderer blickt zurück, und Begemann legt in diesem Moment einen verhangenen Schimmer, eine zarte Trübung über seine Worte. Nur manchmal hat man den Eindruck, der Bariton meistert die höheren Lagen nicht ganz so frei und souverän wie sonst.
Die Liebe zum Detail, welche die drei Musiker an den Tag legen, sorgt immer wieder für bezaubernde Momente: In Fanny Hensels "Fichtenbaum und Palme" zum Beispiel; dieses Lied wirkt zunächst gedrückt, verhalten, blüht jedoch später auf: Das Träumen von der Palme "im fernen Morgenland" wird begleitet von aufgehellten, schimmernden Klängen im Klavier. Auch bei Thomas Seyboldt erlebt man diese wechselvollen Farben: mal weich, wattig und etwas verhangen, dann plötzlich kristallin und konzentriert. Hier hört man Bäume raunen und sieht den Mond fahl schimmern ("Schilflied"); man hört Erregungen aufschäumen und Sehnsüchte erwachen.
Drei "Lieder ohne Worte" sorgen dazwischen für eine neutralisierende Ruhe, und als die drei schließlich ermuntern: "Bleibe! Bleibe mir gewogen" (aus: "Suleika und Hatem") - da wird dieser Ausruf prompt vom Publikum beantwortet, das sich mit lauten Bravos mehrere Zugaben erklatscht.


Die Hörbuchreihe zur klassischen Musik. Mit 150 Musikbeispielen von 70 Komponisten, vom Mittelalter bis zur Moderne.
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