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23.04.10
Lebendiges Familientreffen
Das Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble im Bruchsaler Schloss
Von Christine Gehringer

Ein Ensemble, das nicht als feste Formation durch die Konzertsäle tourt und dennoch wie eine große Familie ist: Das macht den Reiz des Jerusalem Chamber Music Festival Ensembles aus. Wer als Musiker nach Jerusalem kommt, um an diesem Festival mitzuwirken - der tut es, weil er sich der Stadt und ihrer Atmosphäre verbunden fühlt - und das spürt ganz offensichtlich auch das Publikum: Die Konzerte sind restlos ausverkauft; schon mindestens ein Jahr im Voraus sollte man sich um Karten bemühen.
Das Jerusalem Chamber Music Festival wurde 1998 von der Pianistin Elena Bashkirova - der Ehefrau des Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim - ins Leben gerufen; wie Barenboim möchte auch Bashkirova mit Musik den kulturellen Austausch fördern.
Treten die Musiker außerhalb Jerusalems auf, dann kommt sein Publikum erstens in den Genuss seltener Besetzungen (beispielsweise Bläserquartett und Klavier), und gleichzeitig hört man sehr genau, dass dies kein blind zusammengewürfeltes Ensemble ist: Hier trifft man sich nicht eben mal zum gepflegten Kammermusikabend; nein, die "Familienzusammengehörigkeit" äußert sich vielmehr in einem Spiel voller Raffinesse - sogar dann, wenn wegen des Flugverbots kurzfristig die Besetzung geändert werden muss. Beispielsweise in Mozarts Sonate für Fagott und Violoncello B-Dur (KV 292): Die beiden Protagonisten (Dag Jensen, Fagott, der für den verhinderten Klaus Thunemann kam, und Kyril Zlotnikov, Violoncello) umspielen sich elegant, sie parlieren energisch miteinander, lehnen sich genüsslich zurück oder halten behutsam inne. Das Ende des erstens Satzes bleibt offen - es ist, als schauten sich die beiden fragend an. Das abschließende Rondo ist eine quicklebendige Plauderei, und dabei wirkt das instistierende Cello, als wolle es den Dialogpartner immer wieder fest nageln und ihn gründlich beim Wort nehmen: Das Publikum raunt schmunzelnd.
Feine Zwischentöne kommen von Oboe und Klarinette in Schumanns Fantasiestücken und Romanzen op. 73 und op. 94: Schwerelos und schlicht, dabei aber voll innerer Regung legen Ramon Ortega und Pascal Moragues ihre zarten Linien über das Klavier: Elena Bashkirova umhüllt die beiden mit ihrem sorgsamen Spiel - mit einem Klang, der angenehm zurückhaltend und dennoch substanzreich ist.
Beethovens "Gassenhauer-Trio" op. 11 war in der selten gespielten Erstfassung mit Klarinette zu hören - und hier besticht vor allem der zweite Satz: Eine lyrische, elegante Linie des Cellos, darüber eine ruhige und beseelte Klarinette - und ein Klavier, das dem Gesang der beiden Melodieinstrumente in nichts nach steht.
Im abschließenden "Schmankerl", dem Quintett für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier von Mozart (KV 452) - denkt man unwillkürlich an das etwas überstrapazierte Goethe-Wort vom vernünftigen Gespräch unter vier vernünftigen Personen: Edel und kultiviert pflegen die vier Bläser ihre Konversation (es gesellte noch Bruno Schneider, Horn, hinzu); hin und wieder lösen sich verschiedene Instrumente heraus und bekräftigen somit das Gewicht jedes Einzelnen. Und Elena Bashkirova wirkt hier wie eine kluge Moderatorin und aufmerksame Stichwortgeberin - bei diesem Gespräch fühlt man sich auf eine intelligente Art unterhalten.
Mit dem zweiten Satz aus Beethovens Quintett op. 16 für dieselbe Besetzung bedankt sich das sympathische Ensemble für den langanhaltenden Applaus.
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