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11.05.10
Musikalische Laborküche
David Orlowsky Trio im Bruchsaler Schloss
Von Christine Gehringer

"Kammerweltmusik" - so nennt das Trio um den Klarinettisten David Orlowsky seine pikante, manchmal auch explosive Mischung aus Klezmer, Jazz und zeitgenössischer Klassik. Mit dieser Mischung setzten die drei nun einen furiosen Schlusspunkt unter eine abwechslungsreiche Saison bei den "Bruchsaler Schlosskonzerten", und dementprechend war - ganz entgegen der sonstigen feinen Zurückhaltung bei Kammermusikabenden - geradezu Partylaune angesagt.
Bei den Zugaben angelangt, hatte das Trio sein Publikum endgültig aus der Reserve gelockt; von da an gab es nur noch rhythmisches Klatschen, "Szenenapplaus" und lauten Jubel.
"Kammerweltmusik" - dieser Ausdruck klingt jedoch auch ein klein wenig unbeholfen und sorgte beim Publikum prompt für Lacher. Es sei lediglich der Versuch, die Musik des Ensembles ein wenig einzuordnen, erzählt David Orlowsky im freimütigen Plauderton, weil die Menschen offenbar das Bedürfnis hätten, Dinge in Schubladen abzulegen. Man solle sich dabei am besten so etwas wie die Schreibtisch-Schublade in seiner Tübinger Wohnung vorstellen, wo sich Orangenschalen neben Briefumschlägen, Büroklammern und Schokolade tummeln.
Und so holen sich David Orlowsky (der unter anderem bei Jörg Widman studiert hat und von Giora Feidman gefördert wurde), dazu der Gitarrist Jens-Uwe Popp und der Bassist Florian Dohmann gewissermaßen die Welt in ihren Probenraum, der offenbar so etwas wie eine musikalische Laborküche darstellt: Dort verarbeiten sie unter anderem Folkore, die sie von internationalen Festivals mitbringen, und sie vermischen sie mit differenzierten Rhythmen, Klangfarben und hinreißenden Melodien.
In vielen Stücken schwingt die charakteristische Klezmer-Melancholie mit, daneben arabische Anklänge und Balkan-Folklore, und David Orlowsky beherrscht alle Erzählnuancen: das leichtfüßige Parlieren, die feurige Rede, das sanfte, ganz und gar zurückgenommene Reflektieren. Immer wieder besticht er auch im Dialog mit der Mandoline (das Trio hatte sich dazu den israelischen Mandolinisten Avi Avital eingeladen); hier bekommen die luftigen Bögen der Klarinette eine silbrig-perlende Unterlage. Manchmal zeichnet das Ensemble musikalische Portraits; beispielsweise von der jüdischen Prinzessin Berenike, die einen solch bezaubernden Gang gehabt haben soll, dass sie damit den römischen Kaiser Titus betörte, schließlich aber nach einem Unfall zu hinken begann: Hier fällt die Musik in einen stolpernden Ryhtmus, während die Klarinette diesen Bruch mit einer anmutigen Linie überspielt.
Oftmals haucht die Klarinette am Beginn eines Stücks ihre Gedanken extrem fragil in den Raum, oft bewegt sie sich an der Grenze - dort, wo der Ton gerade noch anspricht.
Dann stoßen die Musiker ganz allmählich einen schwingenden Rhythmus an, sie stürzen sich hinein in die immer schneller werdenden Strudel, und sie tun es manchmal bis hin zur Verausgabung.
Dazwischen fächert David Orlowskys das Programm auf mit seinen abgeklärten, trocken-witzigen Conferencen: Dieses Trio möchte man öfter hören!
(Foto: Uwe Arens)


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