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26.05.10
Mit feurigen Klängen in den Sommertag
"Musikalisches Morgenerwachen" im Museum Frieder Burda mit spanischer Klaviermusik
Von Christine Gehringer

Längst gehört das "musikalische Morgenerwachen" zum festen Programm der Pfingstfestspiele, und man fragt sich: Was bringt die Baden-Badener dazu, am Feiertag morgens um acht den Klängen von Kammermusik im Museum Frieder Burda zu lauschen?
Es hat eine ganz eigene Atmosphäre, dieses Konzert, nur wenige Stunden nach Sonnenaufgang. Dementsprechend behutsam ist die Musik: Zwischen belebend und traumverloren changiert sie, und diesmal holte die junge Pianistin Alba Ventura ihr Publikum mit Klängen aus der spanischen Heimat in den sonnendurchfluteten Tag.
Da sind zunächst die federnden Rhythmen in den Sonaten von Domenico Scarlatti: Der Italiener stand in Diensten der spanischen Königin Maria Barbara, und er hatte in ihr nicht nur eine außergewöhnlich begabte Schülerin, sondern er lernte als Reisebegleiter auch die maurische Folklore kennen und verband diese kunstvoll mit den Regeln des Kontrapunkts. Und so beginnt der Tag mit funkelnden Läufen, mit markigen Tonrepetionen, die an Kastagnetten erinnern, mit schwingenden Linien und feinen Tongirlanden, bisweilen auch mit sanftem, nach innen gekehrten Gesang. Die junge Pianistin spielt kristallin, sie lässt einge Töne regelrecht aufblitzen, während sie andere traumverhangen abschattiert.
Irgendwie hat man den Eindruck, alles in diesem Raum ist plötzlich Gemälde - nicht nur, weil anschließend drei der "Goyescas" von Enrique Granados (nach Radierungen von Francisco de Goya) auf dem Programm stehen. Hier greifen die dunkel getönten Wellenbewegungen weit aus ("Schmeichelworte"), die nachdenkliche Melodie der "Klagelieder" breitet sich langsam aus, wird zart umspielt - und plötzlich schimmern klangliche Lichtreflexe wie bewegtes Wasser.
Auch Manuel de Falla setzt sich mit der Folklore seines Landes auseinander, und spätestens bei den kraftvollen, rauschenden Rhythmen in den Tänzen aus dem "Dreispitz" (dem Fandango und der Farruca) dürfte jeder im Saal wachgerüttelt worden sein.
Der "Liebeszauber" - eine Geschichte aus dem Zigeunermilieu - bringt nochmals zart verwischte Pastellklänge neben grellem, feurigen Rot-Gelb: Da ist man angekommen im hellen Pfingstmorgen.
(Foto: Andrea Kremper)


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