23.05.11
Zwiegespräch mit dem Bach
Hans Christoph Begemann und Thomas Seyboldt mit Schuberts "schöner Müllerin" in Ettlingen

Von Christine Gehringer

Liedduo Hans Christoph Begemann und Thomas Seyboldt Wilhelm Müller, Dichter der frühen Romantik, wob in seinen Zyklus "Die schöne Müllerin" seine eigene (unglückliche) Liebe zur Dichterkollegin Luise Hensel hinein - und versah die Geschichte des jungen Müllerburschen gerade deshalb mit Ironie, mit einem entsprechenden Vor- und Nachwort.

In Franz Schuberts Vertonung hingegen gibt es keine Ironie. Die Erzählung läuft geradlinig vom ersten Aufbruch bis hin zur allmählichen Resignation - dann nämlich, als klar wird, dass die schöne Müllerin für ihn eine unerfüllte Sehnsucht bleibt. Das Bächlein, in das er sich schließlich stürzt, ist dagegen der echte Gefährte - Wegweiser und Dialogpartner zugleich.

Wieder einmal für einen Glanzpunkt des Liedgesangs sorgte in Ettlingen das Duo Hans Christoph Begemann (Bariton) und Thomas Seyboldt (Klavier): diesmal allerdings nicht im Asamsaal des Schlosses (der wird derzeit renoviert), sondern in der Stadthalle.

Bei diesem Duo erschließt sich alles sofort. Jedes Bild, jedes Detail - jede Rückung, die einen Stimmungswechsel ankündigt.
Da ist zu Beginn die vorwärtstreibende Unruhe, die Rastlosigkeit ("das Wandern"), später ein helles Perlen im Klavier, dass man das klare Quellwasser förmlich sprudeln sieht.
Dann wiederum strömt der Bach im ruhigen, richtungsweisenden Fluss, während Begemann ihm nachdenklich zu lauschen scheint ("war es also gemeint"); ganz zart, liedhaft, fast naiv steuert alles auf die Frage "Sag Bächlein, liebt sie mich?" zu - und gerade an solchen Stellen zeigt sich, wie gut beide Musiker nach mehr als 20 Jahren miteinander harmonieren. "Der Neugierige" ist ein solch zartes Klanggewebe, dass nur ein Ton aus der Linie heraustreten müsste, um die Atmosphäre zu zerstören. Nichts fällt heraus - stattdessen herrscht Stille im Publikum; man könnte ja diese innige, fast tonlose Zwiesprache mit dem Bach allein schon durch das Atmen irritieren.

Zwar klingt Hans Christoph Begemann im ersten Teil (vor allem in den hohen, im Piano gesungenen Lagen) stellenweise etwas eng, doch das tut seiner Souveränität insgesamt keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Wenn er beispielsweise trotzig ausgestoßene Tonrepetitionen mit einer bruchlosen Linie vereint ("Der Jäger"), dann zeigt sich unter anderem hier sein großes Können.
Unterdessen hat Thomas Seyboldt am Klavier die Rolle des wegweisenden, führenden Bachs vollkommen verinnerlicht.

Und als am Ende dann das Bächlein alleine mit dem weiten Himmel zurückbleibt, da klingt es, als würden Sänger und Klavier in die Ewigkeit entschweben.
Minutenlange, spannungsvolle Stille - dann gibt es anhaltenden Beifall.
(Foto: PR)


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