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26.09.11
Statt Bierzelt cooler Bayern-Sound
Blas-Ensemble "LaBrassBanda" sorgt für "heißen" Auftakt bei den Weingartener Musiktagen
Von Christine Gehringer
"Mir ham Tour-Abschluss - da gebma alles, da brennt d`Hüttn". Eine klare Ansage. Und tatsächlich brauchten die Jungs von der bayerischen Blechbläser-Band "LaBrassBanda" nur wenige Takte, bis auf dem Weingartener Festplatz zur Eröffnung der dortigen Musiktage der Boden so richtig bebte: Wann hat man das schon bei einem Festival, das seine Schwerpunkte sonst eher in der Klassik setzt. "Wenn ihr glaubt, das ist so ein Hochkultur-Abend, dann muss ich euch enttäuschen - heut ist alles erlaubt", stellte Stefan Dettl - Frontmann dieser munteren Truppe - unmissverständlich klar. Das ließen sich die Weingartener nicht zweimal sagen: Zumindest in unmittelbarer Nähe der Bühne wurde an diesem lauen Spätsommer-Abend so richtig abgerockt. Cooler Bayern-Sound anstatt Bierzelt, obwohl zwei der Musiker durchaus Bierzelt-Erfahrung haben - was wohl den Charme dieser deftig-würzigen Musikmischung ausmacht.
Die überschäumende Stimmung war übrigens auch der fetzigen Band "Supervision" aus Österreich zu verdanken; "LaBrassBanda" hatte sie kurz zuvor ins Rennen geschickt. Bereits seit vier Uhr nachmittags waren außerdem Gruppen wie "The Phunkheadz" und "Kein Vorspiel" unermüdlich im Sinne einer modernen, "hippen" Blasmusik im Einsatz: mit Funk, Soul und aparten Balkan-Beats.
Und das war dann eben doch Hochkultur - aber auf eine im besten Sinne volkstümliche Art. Während die rhythmischen Grundmuster der Tuba ganz klar auf die urbayerischen Wurzeln von "LaBrassBanda" schließen lassen, fliegen in den Oktaven darüber die Fetzen. Trompete und Posaune fegen sich gegenseitig Techno-Beats um die Uhren, spielen sich immer wieder in virtuose Ekstase; daneben fächern Bass und Schlagzeug das Klangspektrum auf. Hier fließen Reggae, Pop und Folkloristisches ineinander; mal wird es hart, laut und rockig, mal klingt es weich, rhythmisch, lateinamerikanisch - nie aber nach abgekupfertem Billig-Klischee.
Manches ist schlicht technisches Handwerk auf allerhöchstem Niveau. Etwa die schwindelnden Ton-Repetitionen; die Läufe und die Klangmuster, die so wirken, als seien sie mit der Nähmaschine gezogen: Es zahlt sich aus, dass bei den fünfen eine solide Ausbildung zu Grunde liegt - am Richard-Strauss-Konservatorium in München. Stefan Dettl setzte seine Studien zudem im Jazz fort, war Solo-Trompeter in verschiedenen Klangkörpern.
Köstlich sind übrigens auch seine zungenbrecherischen Kabinettstückchen, ausgestoßen in tiefstem Bayerisch. Man versteht zwar nichts, aber lustig ist's trotzdem. Etwas besser verständlich sind die lockeren Zwischentexte. Die Musiker nutzen sie, um aus der einen oder anderen Nummer ein ganzes Comedy-Stück zu machen: Der Hans an der Tuba zum Beispiel, der sei ursprünglich mal eine Frau gewesen, Andrea aus Russland. Im Leistungszentrum für Kugelstoßerinnen habe man sie aufgegabelt. (Hans heißt in Wirklichkeit Andreas Hofmeir und ist Professor für Tuba am Mozarteum in Salzburg.) Angefeuert von "Hans-Hans"-Rufen aus dem Publikum (ein wenig fühlt man sich an den "Anton aus Tirol" erinnert) gibt die Tuba anschließend ihr säuselndes Solo zum Besten; der Song "Chancenlos" bekommt einen Hauch von laszivem Tango - in ständiger Balzpose, versteht sich.
In unmittelbarer Nähe des Festplatzes steht eine junge Familie im Vorgarten und feiert ausgelassen mit. Der Festival-Auftakt ist rundum geglückt.
(Foto: Gehringer)
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