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10.10.11
Preisträgerkonzert ohne Preisträger
Kein Sparda Classic Award in diesem Jahr vergeben/ junge Harfenistin bestritt kurzfristig das Konzert
Von Monika Kursawe
„Ein Harfenspieler ist ein Mensch, der sich die Hälfte seines Lebens mit dem Stimmen seines Instruments beschäftigt - und die andere Hälfte auf einem verstimmten Instrument spielt“. Sagt der Volksmund - doch diese Problematik beschäftigte die Jury beim diesjährigen Sparda Classic Award nicht. Eher, dass es in der Südwest-Region offensichtlich nicht genügend Harfenisten gab, die bereit waren, ihre Harfen für den Wettbewerb zu stimmen.
Seit 6 Jahren veranstalten die Sparda-Bank und die „Weingartner Musiktage junger Künstler“ den Wettbewerb, der vor allem die eher exotischen Instrumente fördern soll, die sonst in Wettbewerben weniger berücksichtigt werden. Dieses Jahr sollte das die Harfe sein, doch obwohl sich die Weingartner Musiktage inzwischen zu einem anerkannten Musikfestival gemausert haben und auch der dazugehörige Sparda Classic Award in Fachkreisen durchaus Anerkennung findet, wollten sich dieses Jahr einfach nicht genügend Teilnehmer finden. Gerade einmal drei Kandidaten (den Statuten gemäß Studierende an Musikhochschulen in Baden-Württemberg, dem Elsass und der Nordschweiz) meldeten sich zum Wettbewerb an. Ein Teilnehmer erkrankte und konnte gar nicht erst antreten, die beiden verbliebenen Kandidaten konnten nach Meinung der Jury dem hohe Niveau des Wettbewerbs nicht gerecht werden, weshalb in diesem Jahr kein Preis vergeben wurde.
Das Konzert musste jedoch nicht ausfallen, da die junge, außerordentlich begabte Harfenistin Katrina Szederkenyi (eine Studentin von Jury-Mitglied Prof. Francoise Friedrich) kurzfristig einsprang, ohne am Wettbewerb teilgenommen zu haben. Preisträgerin ist sie dennoch, erst in diesem September wurde sie mit einem 3. Preis beim Internationalen Harfen-Wettbewerb in St. Petersburg ausgezeichnet.
Dem Publikumsandrang taten die außergewöhnlichen Wettbewerbsumstände allerdings keinen Abbruch - schon gut eine halbe Stunde vor Konzertbeginn waren fast alle Plätze der evangelischen Kirche Weingarten belegt; die „Weingartner Musiktage Junger Künstler“ haben sich in den nunmehr 31 Jahren ihres Bestehens einen hervorragenden Ruf erarbeitet, der auch an diesem Abend eingelöst wurde.
Die ungarische-kanadische Harfenistin Katrina Szederkenyi eröffnete das Konzert mit einem Solowerk für Harfe, den Variationen über „Je suis encore dans mon printemps“ op. 36 von Louis Spohr und konnte gleich zu Anfang mit dem warmen Klang ihrer Harfe und ihrem vielfarbigen, sehr differenzierten Spiel überzeugen.
Temperament und Leidenschaft klangen dann in Manuel de Fallas „spanischem Tanz Nr. 1“, einer Bearbeitung aus der Oper „La vida breve“ (zu deutsch: das kurze Leben), an. Hier widerlegte Katrina Szederkenyi das Klischee der immerzu ätherisch klingenden Harfe gekonnt, mit feurig-rhythmischen Passagen und Anklängen an die spanische Folklore wie dem Flamenco.
Zwischen den Solowerken für Harfe trat das Kammerorchester der Weingartner Musiktage (bestehend aus Studierenden der Hochschule für Musik Karlsruhe) unter der Leitung des jungen, im Elsass geborenen Dirigenten Pierre Hoppé in Erscheinung. Als erstes Werk hatte sich Pierre Hoppé für die „Harmonies d´Alsace“ der ebenfalls aus dem Elsass stammenden Komponistin Marie Jaëll entschieden. Das kurze romantisch-impressionistische Adagietto der aus vollstem Herzen französischen Komponistin (Schülerin von Camille Saint-Saens) wurde vom Kammerorchester der Weingartener Musiktage zart und leise interpretiert.
Schwungvoller wurde es im zweiten Werk, in Paul Boistelles „L´eveil du printemps“, also dem Frühlingserwachen. Trotz des stürmisch nass-kalten Herbstwetters zauberte das Kammerorchester drinnen in der evangelischen Kirche mit unbeschwerten Klängen - teils ländlerisch-schmissig, teils verträumt-schwelgerisch - einen Hauch von Frühling.
Im letzten Werk des Abends, „Danse sacrée et danse profane“ von Claude Débussy, traten schließlich die Solistin Katrina Szederkenyi und das Kammerorchester gemeinsam auf, um noch einmal auf dem Klangfarbenmeer Débussys zu segeln. Dieses Werk, ein Auftragswerk der Klavierbaufirma Pleyel, ist eines der Standardwerke für Harfe. Sowohl Solistin als auch Kammerorchester konnten hier durch Klangvielfalt und bemerkenswert gutes Zusammenspiel überzeugen.
So war im diesjährigen „Sparda Classic Award“ - mit ungewöhlichem Ausgang - der größte Gewinner vermutlich das Publikum, das mit einem schönen und kurzweiligen Konzert beschenkt wurde.
(Foto: Anneke Brüning)
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