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02.11.11
Meisterprüfung für den Chor
Zum Jubiläum sang der CoroPiccolo Bachs h-moll-Messe in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe
Von Christine Gehringer
Seit 15 Jahren bereichert der CoroPiccolo das Karlsruher Konzertleben - und mittlerweile nicht nur das: Denn die Konzerttätigkeit dieses handverlesenen, jungen Ensembles (teilweise singen hier Studierende der Karlsruher Musikhochschule) beschränkt sich längst nicht nur auf Karlsruhe und Umgebung; auch in renommierten Konzertreihen außerhalb der Region - beispielsweise in der Stiftskirche Stuttgart - sind die Sängerinnen und Sänger zu Gast.
Damit steht dem Gründer und Leiter Christian-Markus Raiser, Kantor der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe, neben dem großen Bach-Chor auch eine schlagkräftige Truppe in Kammerbesetzung zur Seite - vielseitig einsetzbar in den unterschiedlichsten Stilrichtungen.
Zum Jubiläum gab es deshalb ein Werk, mit dem gewissermaßen jeder Chor eine Meisterprüfung ablegt: Bachs h-moll-Messe.
Hier zeigte sich, wie akkurat der CoroPiccolo (trotz leichter Intonationstrübungen im zweiten Teil) seine Stimmen durch die komplexen Sätze führt; selbst bei vollem Orchester ist alles gut zu hören, was eindeutig für Qualität der einzelnen Sängerinnen und Sänger spricht.
Christian-Markus Raiser kann sowohl den weichen, flächigen Klang einforden, als auch die prächtige Strenge, die federnden, gestochen scharfen Koloraturen ("Cum sanctu spiritu"), den verinnerlichten Ton ("Et incarnatus").
Nur die klangprächtigen Jubelchöre ("Et resurrexit", "Osanna") lässt Raiser etwas zu rasch angehen; sie wirken oft ein wenig atemlos, überhastet.
Insgesamt souverän agiert das Solistenquartett. Manchmal jedoch gewinnt man den Eindruck, dass es möglicherweise besser gewesen wäre, die Solisten vor dem Orchester zu platzieren. So klingt beispielsweise der Sopran von Julia von Landsberg - obwohl schlank und im Grunde kernig - an manchen Stellen etwas diffus und hat bisweilen Mühe, sich gegenüber den Instrumentalisten zu behaupten. Schade eigentlich, denn sie gestaltet ausgesprochen lebendig, das hätte man gerne in einem etwas präsenteren Klang gehört. Prächtig harmoniert sie allerdings mit anderen Solisten im Duett: beispielsweise mit Regina Grönegreß, deren Mezzosopran sich weich, rund und geschmeidig ins Geschehen einbringt - vor allem in ihrer Solo-Arie "Qui sedes". Beim "Agnus Dei" zeigt ihre Stimme allerdings leichte Irritationen, doch sie ist versiert genug, diesem Umstand souverän zu begegnen.
Rundum überzeugend ist die Tenor-Partie - mit dem Konzertsänger Hansjörg Mammel ausgesprochen prominent besetzt - und auch der Bass Marcus Niedermeyer gestaltet sein "Quoniam" und "Et in Spiritum" schlicht, klangschön, ausgewogen.
Ein zuverlässiger Partner ist einmal mehr das Karlsruher Barockorchester - nicht zuletzt wegen seiner versierten Solisten, ensembleerprobt in solch namhaften Klangkörpern wie dem Freiburger Barockorchester oder dem Balthasar-Neumann-Ensemble.
Hier hört man eine spielerische Flöte zur luftigen Streicherdecke ("Domine Deus"), sonore Tiefen (Hörner und Fagotte in "Quoniam"), eine sängerische Solo-Violine ("Laudamus"). Überglänzt wird dieses Orchester zusätzlich durch das Trompetenensemble Reinhold Friedrich; ein klein wenig mehr Zurückhaltung der Blechbläser hatte an manchen Stellen jedoch dem Klangbild gut getan.
Doch als das Werk in einem eindringlichen und dennoch ausgesprochen weichen "Dona nobis pacem" endet, da lauscht man berührt.
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