03.05.11 Von Arioso zu Capriccioso Seltene Werke für Violoncello mit Alexander Kaschin
Von Monika Kursawe
Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Paul Hindemith, György Ligeti, François Francœur und Felix Treiber: Es sind weniger die Kassenschlager, die sich der aus Moskau stammende Cellist Alexander Kaschin - Mitglied der Badischen Staatskapelle - für seine CD ausgesucht hat. Vielmehr sind es Stücke, die zunächst überraschen - und dann begeistern.
Das „Pezzo Capriccioso“ op. 62 für Violoncello und Orchester zum Beispiel ist zwar ein klassisches Virtuosenstück, hat aber einen ungewöhnlich ernsten Charakter. Da das Werk auch noch in h-moll steht, der „schwarzen Tonart“ (Zitat: Ludwig van Beethoven), verweist das Pezzo Capriccioso schon auf die letzte Symphonie Tschaikowskis.
Jedoch sind die technischen Ansprüche durchaus so hoch, wie es der Titel vermuten lässt.
Dass Alexander Kaschin das Werk auf seiner CD in der Version für Violoncello und Klavier (und nicht mit Orchester) eingespielt hat, hat durchaus seine Berechtigung: Auch bei der erstmaligen Aufführung 1888 ließ sich der Cellist, damals Anatoli Brandukow, am Klavier begleiten - Pjotr Ilitsch Tschaikowski selbst übernahm diesen Part.
Noch aus Kaschins Hamburger Zeit (er absolvierte dort ein Aufbaustudium) stammen die folgenden Werke: die Sonate für Violoncello Solo op. 25 Nr. 3 von Paul Hindemith und die Sonate für Violoncello Solo von György Ligeti.
Vor allem Hindemiths Sonate zeugt von sehr viel Humor; auch die Umstände, unter denen die Sonate entstanden sind, waren nicht gerade konventionell. Hindemith erinnerte sich später so: "Da haben wir in Donaueschingen mal ein Wettkomponieren von Cellosonaten gemacht, 4 Sätze habe ich an dem Abend geschrieben". Auch die Sonate für Violoncello und Klavier E-Dur von François Francœur ist noch in Hamburg aufgenommen worden. Diese ist unter Cellisten durchaus ein Begriff - ansonsten ist die Sonate eher eine Entdeckung.
Dieser heute kaum mehr bekannte Komponist spielt in der Geschichte des Musiktheaters eine wesentlich größere Rolle; fast 20 musikalische Bühnenwerke umfasst sein Schaffen. Heute werden sie kaum mehr aufgeführt, zwischen 1726 und 1760 waren sie jedoch sehr beliebt.
Doch Francœur war nicht nur Komponist, sondern auch Geiger. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass er zwei Sammlungen mit je 10 bzw. 12 Sonaten für Violine und Generalbass veröffentlicht hat. Doch die letzte Sonate der zweiten Sammlung ist für Violoncello und Bass bestimmt.
Ein Werk des Karlsruher Komponisten Felix Treiber beschließt die Aufnahme: das Konzert für Violoncello und Streichorchester, hier in einem Live-Mitschnitt aus dem Jahr 2006, aufgenommen am Tschaikowski-Konservatorium Moskau (zusammen mit dem „The Seasons Chamber Orchestra“ Moskau).
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Die CD ist bei Bella Musica/Antes Edition erschienen (Best.-Nr.: 2861222)
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